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Der Wanderer. ---- --Q W»S«M Cm»-----

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. — ^ 116

Georg Volker.

(Fortsetzung.)

Endlich erscheint der Tag deS Friedens, von allen Dreien mit gleicher Sehnsucht, gleichem Zittern erwartet und herbeigcfleht; aber ein Tag, eine Woche nach dee andern vergeht, und der Chevalier kehrt nicht zurück, läßt auch keine Silbe von sich hören. Immer tiefer neigen sich im versengenden Brand der zehrenden Liebe die Köpfe der armen drei Lilien, in Harm und Sorge schleicht jede im Hause herum, die Angst, sich betrogen zu sehen, wird immer mehr zur schrecklichen Gewißheit.

Der Oberjägermeister war ein Mann von altem Schrot und Korn und eben so bekannt durch seine Bizar- rerèeen wie durch sein rauhes , oft tyrannisches Wesen. Der armen Töchter Noth entging nicht seinem scharfen Blick, er fing an „Unrath zu wittern" und setzte Alles d'ran, der Ursache auf den Grund zu kommen. Er nahm eine Jede besonders vor und wußte es durch fürchterliche Drohungen dahin zu bringen, daß ihm alle Drei nach­einander Alles eingestanden und seine Vergebung für die­sen Fehltritt ihrer unerfahrenen Jugend anflehten. Man kann sich vorstellen, in welche Wuth der Freiherr bei dem Bekenntniß der Ersten gerielh; welches Entsetzen ihn über­kam, als später die zweite ihm dasselbe bekannte und end, lich auch die dritte und jüngste seiner Töchter zitternd mit dem Geständniß Herausrückle, daß Armand und nur Ar­mand ihr Herz besitze, der mit dem Schwur ewiger Treue von ihr geschieden sei.

„Armand!" stammelte der Oberjägermeister, als der furchtbare Name zum dritten Male sein Ohr traf, und sein Verstand schien wirklich eine Zeit lang auf Nimmer- wiederkehr den Weg des unter so schwierigen Herzens- Konflikten unsichtbar geworbenen Chevaliers gegangen zu fein. Nur in Einem war er sich noch klar, daß nämlich

die Satisfaktion für einen so unerhörten Streich, wie der deS Chevaliers war, nicht auf gewöhnlichem Wege ge­sucht werben dürfe, und das dieses ganz abnorme Buben­stück gegen die Ehre' eines altadcligen HauseS auch auf ebenso ungewöhnliche Weise gesühnt werden muffe.

Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtete er die unerhörte Frevelthat und in seiner bizarren, fast an Ver­rücktheit gränzenden Tyrannenlaune that er denn nach reiflicher Ueberlegung und mit kühlem Blute einen Schritt, gegen welchen selbst daS romantische Drei-Liebes-Verhält- niß deS Chevaliers wie ein blasses Schattenbild sich in Dunst und Nebel verlor.

Er sperrte die drei unglücklichen Mädchen jede in ein besonderes Zimmer und setzte sie außer aller Kommuni­kation mit den übrigen Hausgenossen. Jede erblickte darin nur die Strafe für ihren eignen Fehltritt und keine ahnte, baß auch die beiden andern Schwestern ein gleiches Schicksal unter gleichem Herzensbrang erduldeten; denn eS wäre ja auch nicht daS erste Mal gewesen, daß er an allen Dreien strafte, waS Eine verschuldet hatte. So hielt sich jede für die Urheberin des Leidens der beiden andern, denn keine hatte gewagt, sich der Schwester zu vertrauen, da der Alte dies jeder insbesondere auf das Schärfste verboten hatte. Ach, und alle Drei kannten ja dieses Vaters furchtbare Strenge und Jähzorn nur zu gut, um nicht zu wissen, daß sie im Falle des Ungehorsams das Aeußerste hätten erwarten müssen.

Während sich die Armen in Geduld in ihr Schicksal ergaben und jede in ihrem stillen Kämmerlein Zeit genug hatte, ihtem kurzen, so schrecklich zerstörten LiebeSiraum nachzuweinen, saß der Alte auf seiner Stube und brütete über seinen surchibaren Nachtplan. Drei Tage und drei Nächte kam er nicht auS den Kleidern und seine Diener nahten ihm nicht ohne Zittern. Denn niemals setzte eS so viele gräßliche Flüche, so viele Fußtritte und Peitschen-