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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgem. Zeitung.

1851. — 89.

Baas Ganfendonck.

(Fortsetzung.)

„Ich will wissen", rief der BaaS, „ob Sie sich mit Lisa verheirathen werben oder nicht"!

«Haben Sie keine Ohren, daß Sie mich so oft das­selbe fragen? Achten Sie, Herr Ganfendonck, auf das, was ich Ihnen sagen werde, und unterbrechen Sie mich nicht! oder meine Knechte sollen unserm lächerlichen Ge­spräche ein Ende machen"!

„Ich höre, ich höre"! murrte der BaaS, die Zähne zusammenbeißend. „Und wenn ich verschmachten sollte, ich werde schweigen, biö nachher die Reihe an mich kommt".

„Sie werfen mir vor, daß ich mich in Ihr HauS gedrängt habe", hub der Baron an, „und doch wissen Sie selbst, daß Sie mich dahin lockten und dahin trieben mit Ihrer Tochter Bekanntschaft zu machen. Was habe ich denn gethan, das ohne Ihre Zustimmung geschah? Nichts! Sie fanden im Gegentheil stets, daß ich nicht vertraut genng mit ihrer Tochter umgehe. Nun verlan­gen Sie, daß ich mich mit ihr verheirathen soll. Es war also eine Falle, die Sie mir stellten, und Sie hatten Ihre geheimen Absichten dabei. Urtheilen Sie nun selbst, ob ich nicht solche Mittel und so abscheuliche Pläne verwer­fen müsse. Ich kam zu Lisa, weil ihre Gesellschaft mir angenehm war, und weil ein echt freundschaftliches Ge­fühl mich zu ihr zog. Hat dieser Umgang, durch den ich Sie zu ehren meinte, eine traurige Folge für uns Alle gehabt, so ist eS allein dadurch gekommen, daß wir das Sprüchwort: „Bleibe bei Deines Gleichen", nicht ge- achtet haben. Wir Reiben Beide unverständig gehandelt und sind Beide dafür bestraft worden. Ich warb zu meiner großen Schande fast von einem Bauer todtge­schlagen. Sie sind der Spott des ganzen Dorfes gewor­den und haben alle die Luftschlösser einstürzen sehen, die

Sie bauten. Besser unter dem Galgen beichten, als nie­mals ! Ich bekenne, daß ich Unrecht that, in eine Bauern­herberge zu kommen und mich zu benehmen, als ob ichsJhreS Gleichen wäre, und ich sehe jetzt wohl ein, daß, wenn Lisa nicht von Natur so streng sittlich wäre, meine Worte und Manieren ihren schönen Charakter verdorben haben würden".

„WaS erlauben Sie sich zu sagen"? brach der BaaS loS, „haben Sie Unsittliches zu meiner Tochter gesagt. Sie Verführer"?

„Ich lache über ihre Thorheit", fuhr der Baron fort, „und will noch einen Augenblick vergessen, wer es ist, der so mit mir zu sprechen wagt..... Ich habe Ihrer Tochter Nichts gesagt, als was man in höheren Klassen als tägliche Komplimente betrachtet, Dinge, die der fran­zösischen Sprache eigen sind und Personen, die von Ju­gend auf nichts Anderes hörten, vielleicht wenig schaden, die aber in den niedern Ständen bas Herz und die Sit­ten verderben, weil man sie dort für Wahrheit hält und sie also Leidenschaft entzünden, als ob sie nicht leere Komplimente wären. Darin habe ich gefehlt; eS ist das einzige Unrecht, oder der einzige Mißgriff, den mir Jeder vorwerfen darf, Sie ausgenommen, der Sie mich mehr sagen und thun ließen, als ich selbst wollte. Sie haben mir so eben gedroht, Sie wollen mir Ihr Haus verbieten^ das ist nicht nöthig. Ich hatte schon beschlossen, mir die erhaltene Lehre zu Nntze zu machen und nicht allein nicht mehr zu Ihnen als Freund zu gehen, sondern mich zu jedem Bauer nur zu stellen, wie eS sich für meinen Stand geziemt".

„Bauern"? rief der BaaS ungeduldig, „Ich bin kein Bauer! Ich heiße Ganfendonck! Welche Aehnlich- keit finden Sie zwischen mir und einem Bauer? Sa­gen Sie"!