Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allqem. Zeitung.
1851. — ^ 86.
Baas Ganfendonck.
(Fortsetzung.)
ES war bereits mehr als eine halbe Stunde verflossen und der Bediente noch immer nicht zurück. Der BaaS fing an sich schrecklich zu ärgern und brummte vor sich hin:
„Der Knecht meint auch, mich zum Besten zu haben. Schon gut! Ich werde mir eS schon anotiren! In unseren Diensten soll der keine grauen Haare bekommen. Er muß fort! DaS wird ihm schon eine Lektion sein...... Aber ich horche mich taub, und ich höre Nichts sich auf dem Jagdhofe rühren! Sollte der Knecht vergessen haben, daß er mich hier warten läßt? So weit wird er doch nicht die Ungezogenheit zu treiben wagen! Auf jeden Fall kann ich doch nicht bis morgen sitzen bleiben. Aha! da höre ich den Schelm! Er lacht! Mit wem lacht er denn" ?
„BaaS Ganfendonck"! sprach der Bediente, „beliebt mir zu folgen! Der Herr Baron hat die Güte, Euch zu empfangen. Ohne meine Fürsprache mußtet Ihr unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen".
„Nun, waS schwatzt Ihr denn da, grober Patron"? rief der BaaS ärgerlich. „Wißt Ihr, mit wem Ihr sprecht? Ich bin Herr Ganfendonck" !
„Und ich bin Jaek Miermans, Euch zu dienen" ! antwortete der Bediente mit kaltem Spott.
„Ich werde Euch schon zu finden wissen, Kerl"! sagte der Baas, die Treppe hinaufsteigend. „Ihr sollt erfahren, daß Ihr mich eine halbe Stunde habt in dem Zimmer warten lassen! Schnürt nur Euer Bündel! Ihr sollt hier nicht lange mehr mit Männern, wie ich bin, Euern Spott treiben"!
Ohne auf die Drohung zu antworten, öffnete der Bediente die Thüre eines SalonS und rief mit lauter Stimme:
„Der BaaS aus dem heiligen Sebastian"! Darauf ließ er den erzürnten Ganfendonck stehen und lief rasch die Treppe hinunter.
Herr von Bruinkasteel saß am Ende des SalonS und lehnte sich mit dem Ellenbogen an einen Tisch. Sein linke? Auge war durch eine Binde bedeckt; seine Stirn und seine Wangen trugen die Spuren des Kampfes mit dem Brauer.
WaS jedoch die Aufmerksamkeit des BaaS Gansen- donck bei seinem Eintritt weit mehr anzog alS dies, war der prächtige türkische Schlafrock deS BaronS. Der bunte und fammetartige Anzug stach ihm gewaltig in die Augen, und mit einem Lachen der Bewunderung rief er, noch ehe er selbst den Baron begrüßt hatte:
„Heiliger Gott! Herr Baron! waS haben Sie für einen schönen Schlafrock an"!
„Guten Tag, Herr Ganfendonck"! sagte der Baron, ohne darauf zu achten. — „Sie wollen sich gewiß erkundigen , wie eS mir geht! Haben Sie Dank für Ihre Freundschaft"!
„Nehmen Sie es nicht übel, Herr Baron! Aber § ehe ich nach Ihrer Gesundheit frage, möchte ich gern wissen, wo Sie diesen Schlafrock haben machen lassen. Er sticht mir wahrlich in die Augen'.
„Bringen Sie mich nicht zum Lachen, Herr Gansen- donck; eS thut mir weh im Gesicht".
„ES ist nicht um zu lachen, Herr Baron; nein, nein, es ist mein Ernst"!
„Ihre Frage ist sonderbar. Dieser Schlafrock ward in Paris gekauft".
„Zu Paris? DaS ist ärgerlich Baron"!
„Warum denn" ?
„Ich hätte mir gern auch einen solchen machen lassen".
„Er kostet an die zweihundert Franken".
„Ach, vaS macht mir Nichts auS"!
