Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — ^F 84.
Baas Ganfendonck.
(Fortsetzung.)
„Wenn der Blinde träumt, daß er sieht, dann sieht er, was er qern sieht", seufzte Kobe. Für Eure Wunde gibt eS keine Salbe, BaaS; darum kann ich Euch auch nicht helfen; und ich sage mit dem Sprüchworte: Jeder kocht, wie er es essen will! Macht eS nach Eurem Geschmack und heirathet Morgen".
„ES sinv Erfindungen von boshaften Neidhämmeln, weiter nichts".
„Der Doktor beneidet Euch nicht, Baas; er ist ein ruhiger, vorsichtiger Mann, vielleicht der Einzige im ganzen Dorfe, der Euer Freund geblieben ist. Er selbst trieb mich an, Euch wider Euren Willen die Augen zu öffnen, welchen Gefahren Ihr Euch aussetzt".
„Aber der Doktor hat sich getäuscht, Kobe; man hat ihm allerlei Lügen weiß gemacht. ES kann nicht anders sein, sage ich Dir. Das würde eine schöne Geschichte werden, wenn der Baron sich nicht mit Lisa ver- heirathen wollte".
„Ungelegte Eier, unsichere Küchelein, Baas"!
„Ich bin davon eben so überzeugt, wie von meines Vaters Namen".
„Ihr sitzt noch nicht im Sattel und reitet schon. Ich sage Euch, Baas, der Baron verspottet Euch und lacht Euch auS und hat Euch als einen Dummkopf zum Besten. Ich sage Euch, Ihr seid blind! Ich beklage Euch und Lisa. Ich gehe morgen früh von hier weg, um daS Ende der traurigen Geschichte nicht mit anzusehen, und wollt Ihr die Ohren aufmachen, Baas, so will ich Euch zum Lebewohl einen Rath geben, einen guten goldenen Rath".
,,Zum Lebewohl ? Das wollen wir sehen. Laß Deinen köstlichen Rath hören".
„Seht, BaaS! Wer gern glaubt, der wird bald betrogen. Wäre ich an Eurer Stelle, so müßte ich heute noch wissen, woran ich bin. Da ginge ich nach dem Jagdhofe und fragte geradezu den Herrn von Bruinkasteel, wie er es eigentlich mit Lisa meint. Schöne Worte und widrige Redensarten sollten mich nicht irre führen. Jeden Satz würde ich mit der Frage schließen: Heirathet Ihr oder heirathet Ihr nicht? Ich würde ihn zwingen, mit mir Karten auf dem Tische zu spielen und mir ein für alle Mal eine deutliche und entscheidende Antwort zu geben. Weigert er sich, was sehr wahrscheinlich ist, so würde ich ihn hindern, je wieder ein Wort an Lisa zu richten, dagegen aber die Dinge wieder in das alte GleiS bringen, mich bei Karl entschuldigen, ihn zurückrufen und seine Verheirathung mit Lisa beschleunigen. DaS ist daS einzrge Mittel, das Euch bleibt, um großes Leid und große Schande zu verhüten".
„Nun, wohl! Wenn Herr von Bruinkasteel nicht selbst bald mit mir von seiner Heiralh revet, so werde ich kühn genug sein, ihn darüber zu befragen; — aber eS hat keine Eile^.
„Keine Eile, BaaS? Von Hand zu Mund ist Ge, fahr. Heute noch müßt Ihr wissen, waS der Baron im Sinne hat".
„Nun, nun"! rief der BaaS. „Ich werde heute Nachmittag nach dem Jagdhofe gehen und mir von dem Barone eine bestimmte Erklärung auSbitten. Ich weiß aber schon jetzt, was er mir antwortet".
„Ich wünschte, daß Jir die Wahrheit sagtet, BaaS; aber ich fürchte, Ihr backt schliff mit Euern NeujahrS- kuchen".
„Was? daß ich die Wahrheit sagte"?
„Ja, wenn auch nur dieses Mal" 1
„Die Welt hat sich umgekehrt", seufzte der BaaS mit ziemlicher Ungeduld, „der Knecht hat den Herrn zum
