Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen AUgem. Zeitung.
1851. — 3f 82.
Baas Gansendonck.
(Fortsetzung.)
Während Lisa im Nebenzimmer den bitteren Kelch der Scham und Reue mit langen Zügen trank, saß Kobe eben so still und einsam in der Herberge bei dem Herde.
Er hielt seine Pfeife in der Hand, aber rauchte nicht. Tiefes Sinnen, trübe Gedanken schienen sich seiner bemächtigt zu haben. Ein ganz anderer als der qc' wohnliche Ausdruck zeigte sich auf feinem Gesicht. Es war etwas Bitteres, Strafendes, ja, sogar etwas Trotziges darauf zu lesen. Seine Sippen rührten sich, als ob er spräche, und seine Augen funkelten zu Zeiten vor Zorn und Aerger.
Plötzlich glaubte er die Stimme des BaaS Gansen-! donck zu vernehmen. Ein Lachen deS Mitleids spielte um ; seinen Mund ; ebenso schnell aber verschwand dieses Zeichen der Rührung wieder, und man sah auf seinem Antlitz Nichts weiter als Aerger und Verdruß.
So wie der Baas sich der Hinterthür des HauseS näherte, hörte der Knecht ihn polternd und scheltend sich gegen Leute äußern, welche ihn verspottet haben mußten; Kobe konnte aber nicht verstehen, wer oder waS den Baas in Harnisch gebracht hatte; es schien ihm indeß jedenfalls sehr gleichgültig zu sein; denn Kobe rührte sich nicht und blieb ruhig wartend unter dem Mantel deS Herdes sitzen.
Jetzt kam der BaaS plötzlich, als falle er in das Haus hinein, stampfte mit den Füßen wie ein Toller, und schlug mit seinem Stocke an die Stühle, alö hätten diese ihm auch Etwas zu Leibe gethan
„Das geht zu weit! gewiß, daS geht zu weit"! rief er. „Ein Mann wie ich! Was? sie sollen mir aus der Straße mit Fäusten drohen? mir nachrufen? mich aus
höhnen? mich schelten dürfen? wie einen Schelm? einen Esel? Denke einmal, Kobe! muffen sie nicht vom Teufel besessen sein? Die schändlichen Bauern auS der Schmiede laufen mir nach und rufen: „Skandal! Skandal"! Hätte ich es nicht unterlassen, weil ich meine Hände nicht an diesem Gesindel beflecken wollte, so hätte ich ihrer drei oder vier Köpfe entzwei geschlagen. Aber SuS soll mir für alle diese Lumpen zugleich bezahlen. Ich will ihm lehren BaaS Gansendonck mit Koth bewerfen! Wir werden einmal sehen, wie ich ihm die Lust dazu vertreibe; und wenn ich die Hälfte meines Vermögens darüber verlieren sollte, er soll mir eS schrecklich bezahlen. Die Gensdar- men sollen dazwischen kommen und wenn noch Jemand wagt, mir ein Gesicht zu ziehen, so zitire ich daS ganze Dorf vor daS Gericht. Ich habe Geld genug dazu und Herr von Bruinkasteel, der ein Freund von dem StaatS- Prokurator ist, wird sie schon aus einige Wochen ins Loch zu bringen wissen. Dann werden sie MoreS lernen : kann werden sie erfahren, mit wem sie zu thun haben, die Flegel! DaS Ding muß ein Ende nehmen. Da sie mich so unverschämt gehöhnt haben, so werde ich unbarmherzig sein, und sie fühlen lassen, waS Baas Gansendonck vermag ! Jetzt ist eS einmal geschehen, nun auch keine Gnade mehr"!
Der wüthende Baas würde wahrscheinlich noch lange in diesem Tone fortgerast und geschimpft haben, wenn ihm nicht der Athem auSgegangen wäre. Keuchend warf er sich auf einen Stuhl und betrachtete mit ärgerlicher Verwunderung den Knecht, welcher höchst gleichgültig in das Feuer blickte, als ob er Nichts gehört habe. Nur auf seinem Gesichte konnte man einige Betrübniß bemerken.
„WaS sitzest Du da wieder und faulenzest, wie Jemand, der keine drei zählen kann? Das faule Leben verdirbt Dich, Kobe! Ich weiß nicht, aber Du wirst so
