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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. — 73.

Baas Ganfendonek.

(Fortsetzung.)

„Aha, Euer Verstand ist wiedergekommen? Ihr könnt dem Wetterhahn auf dem Thurm eine Lektion geben! Ihr heuchelt nicht, nicht wahr? Nun, bann gehe ich mit. Bleibt kalt und standhaft, Karl; kühn gesprochen ist halb gefochten. Macht ein BiSchen Lârm, zeigt die Zähne und les't dem Baas einmal sein Evangelium ; vor Muth be­kommt er daS Fieber nicht. Gott weiß, wenn Ihr ihm ordentlich auf den Leib rückt, ob er nicht selbst den Baron ersucht, an seiner Thür vorüber zu gehen, und dann: auf Leid folgt Freud'! Mir dâucht, ich sehe den Spiel, mann schon auf dem Dache sitzen".

Sie gingen Beide mit gemäßigten Schritten den Weg entlang; der Knecht eröffnete dem Jüngling eine trost­reiche Aussicht und ermulhigte ihn sanft, aber besonnen zu sein, indem er ihm rieth, dieses Mal nicht eher auf Lisa's Thränen zu achten, als bis er sein vorgestecktes Ziel gänzlich erreicht habe.

In der Nähe des heiligen Sebastian verließ Kobe seinen schwermüthigen Begleiter, mit der Bemerkung, es sei für ihn noch zu früh, nach Hause zu kehren, er müsse noch eine ganze Stunde den Holzvogt spielen.

Karl drückte ihm dankbar die Hand und versprach, seinen Rath zu befolgen. Sobald der Jüngling sich allein befand, kam eS ihm vor, als sei ihm eine Binde von den Augen genommen, und er durchschaue jetzt erst klar, was sich zutrage und was er thun müsse. Er nahm sich vor, vom Baas Gansendonck Rechenschaft über dessen Beneh­men zu fordern und ihn zu überzeugen — mochte er böse werden oder nicht — daß seine Thorheit nicht allein. Lisa um ihren guten Ruf bringe, sondern selbst ihrer Ehrbar­keit gefährlich werde. Während er sich der Wohnung nä, herte, zeigte deS Jünglings Gesicht Entschlossenheit.

Als er jedoch vor der Hinterthür des heiligen Seba­stian anlangte, änderte sich aber plötzlich diese Gemüths- stimmung.

Drinnen erklang die verführerische Stimme deS Ba- ronS. Dieser sang eine französische Romanze, deren Ton und Weise Liebe und Zärtlichkeit athmeten.

Als Karl den Gesang hörte, blieb er bebend stehen und lauschte mir fieberhafter Aufmerksamkeit.

„Pourquoi, tendre Elise, toujours vous défendre

A mes désirs daignez vous rendre“!

Krampfhaft zuckten die Hände des BrauerS; ein furchtbarer Sturm begann in seiner gefolterten Seele zu toben.

„Ayez moins de rigueur;

Si mon amour vous touche,

Qu’un mot de votre bouche,

Couronne mon ardeur“ 1

Furchtsam vermischte sich Lisa's Stimme mit dem Gesänge; sie sang gleichfalls die zärtlichen Worte.

Ungestüm brauste das Blut durch die Adern deS JünglingS; seine Augen funkelten, knirschend biß er die Zähne zusammen, und als die letzten Verse der Romanze aus Lisa's und deS Baron'S Munde zugleich ihm wie verzehrende Feuerfunken auf daS Herz fielen, sträubte sich sein Haar auf feinem Kopfe empor:

„Pitié mon trouble est extreme.

Ah, dites je vous aime!

Je vous aime!

„Bravo, Bravo"! rief der BaaS in die Hände klat­schend; „ach, wie schön"!

Ein vumpfes Röcheln drang auS der Kehle deS JünglingS, während er in daS HauS trat.

Bei seinem Erscheinen im Zimmer sprangen Alle vor Schreck oder Ueberraschung in die Höhe; Lisa stieß einen gellenden Angstschrei auS und streckte bittend die Arme gegen Karl auS; der Baron sah ihn stolz und