Der Wanderer.
«SS» WOM «^ — ----
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allqem'. Zeitung.
1851. — Jf 68.
Baas Gansendonek.
(Fortsetzung.)
„DaS ist recht! daS ist recht"! rief der BaaS in die Hände schlagend.— „Ah! Herr von Bruinkasteel, eS ist eine Perle von einem Mädchen! Sie kennen sie noch nicht. Sie kann singen wie eine Nachtigall......Wollen Sie sich nicht wieder hinsetzen? Ich werde eine neue Flasche heraufholen.
„Nein, wir müssen fort; der Tag verstreicht und ganz und gar! Haben Sie Dank für Ihre freundliche Aufnahme".
„Ich gehe noch ein Stückchen mit, wenn die Herren eS erlauben", sagte der BaaS. Ich habe da am Fahrwege ein Hölzchen liegen, in dem ich mich einmal Umsehen will. Des Herrn Auge macht die Pferde fett, sagt daS Sprüchwort".
Die jungen Herrn erklärten sämmtlich , daß ihnen die Gesellschaft deS Herrn von Gansendonck großes Ver- gnügen mache. Unter höflichen Reben verließen sie mit ihm das HauS. Der Knecht folgte seinem Herrn.
Sobald die jungen Leute allein waren, sagte Lisa mit freundlichem Tone:
„Karl, Ihr müßt Euch nicht betrüben, wenn mein Vater rauh mit Euch redet; Ihr wißt ja, er meint eS nicht so".
Der Jüngling schüttelte den Kopf und antwortete:
„DaS ist cs nicht, Lisa, waS mich schmerzt".
„WaS denn"? fragte daS Mädchen verwundert.
„DaS ist mir zu schwer Euch klar zu machen, Lisa! Euer reines und sauberes Gemüth würde es nicht begreifen. Wir wollen lieber davon schweigen".
„Nein, Ihr müßt mir eS sagen".
„Nun denn: ich sehe eS nicht gern, daß die jungen Stutzer auS der Stadt hier ihre flauen Komplimente vor
Euch auskramen. Es kommt so leicht etwas Unziemliches hinein, und in jedem Falle beweisen die schönen französischen Manieren und daS zärtliche Augenblinzeln, daß sie sich Euch nicht mit der Ehrfurcht nahen, wie einer Frau geziemt."
Ungeduld und Betrübniß zeigten sich auf dem Antlitz der Jungfrau.
„Ihr seid im Unrecht, Karl", antwortete sie, „die Herren haben mir nichts Unziemliches gesagt. Im Gegentheil, wenn ich ihnen zuhöre, lerne ich wie man sprechen und sich benehmen muß, um nicht für eine Bäuerin zu gelten".
Karl senkte stumm den Kopf; ein schmerzlicher Seufzer rang sich auS seiner Brust loS.
„Ja, tch weiß eS", fuhr Lisa fort, Ihr haßt die Stadtmenschen und die Stadtmanieren; aber waS Ihr auch darüber denken möget, mir ist es nicht gegeben unfreundlich zu sein. Ihr habt doch sehr unrecht, Karl, daß Ihr mich zwingen wollt, Menschen zu hassen, welche mehr alS Andere verdienen geachtet zu werden".
DaS junge Mädchen hat diese Worte mit einer gewissen Empfindlichkeit gesprochen. Karl saß schweigend vor ihr und schaute ihr gar eigen in die Augen. Lisa fühlte, daß er tiefe Schmerzen leide, obwohl sie nicht begreifen konnte, wie eS käme, daß ihre Rede ihn so sehr betrübte. Sie faßte theilnehmend seine Hand und fuhr fort:
„Aber Karl, ich begreife Euch nicht, WaS soll ich denn thun? Wenn ihr an meiner Stelle wäret, wie würdet Ihr Euch benehmen, sobald fremde Herren kommen und Euch anreden"?
„Darüber kann nur daS Gefühl entscheiden, Lisa"! antwortete er, den Kopf schüttelnd, ich weiß selbst nicht, was ich Euch rathen soll; aber, wenn eS zum Beispiel solche Komplimenlenmacher wären, so würde ich ihnen zwar freundlich antworten, doch nicht dulden, daß sie sich
