Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Mgem. Zeitung.
1851. — ^ 57.
Vor Landau.
(Schluß.)
Der Hauptmann zog sich am Saume des Waldes immer weiter links wie eS ihm vorgeschrieben war. En- eels hatte ihn bedeutet, bis zu einem Gehölz zu gehen, von welchem gedeckt er in die rechte Flanke der Preußen fallen könnte. Doch die Blöße wollte nicht enden, während BestowS Geduld längst ihr Ziel gefunden. Angrei- fen! mahnten dazu noch die Schützen. Luitpold fügte hinzu: „Die armseligen dreihundert Schritte werden uns auch nicht umbringen". Sofort ließ der Hauptmann zum Angriff blasen. Die Schützen wagten sich heraus. Ein wohlgenährtes Feuer empfing sie. Viele stürzten getroffen nieder, unter ihnen der tapfere Bestow selber, worauf die Preußen mit gefälltem Flintenspieß hervor, brachen und die Freischärler bis über den steilen Abhang zurückwarfen. Damit war daö Gefecht entschieden, denn die Preußen gewannen eine Stellung, aus der sie in sicherer Ruhe auf die Straße hinabfeuern konnten. Die Schaaren drunten wandten sich zu eiliger Flucht, wild und wirr. Nur die Nachhut blieb in Ordnung und wich kaltblütig feuernd Schritt für Schritt. Die Sieger unterließen fast gänzlich die Verfolgung, und die Fliehenden hatten Annweiler kaum erreicht, als nicht einmal einzelne Plänker mehr sie beunruhigten.
Mit heiler Haut, doch kranken Gemüthes erreichte Luitpold, der letzten einer, Albersweiler, von wo er frühmorgens an der Spitze des kampflustigen Haufens auS- gezogen. Er kam just recht, um den Abzug des badischen Zuzugs mit anzusehen. Die Wehrmänner hatten zwar kaum Pulver gerochen, dennoch murrten sie laut: „Wir wollen heim, wir haben keine Lust, unS auf die Schlachtbank liefern zu lassen."— Wlllich rief ihnen zu: „Macht, daß ihr weiter kommt! An euch ist ohnehin nichts tüch
tig alS die Gesinnung, und auch die nur, wenn ihr mit der Pfeife im Gesicht hinter dem braunen Naß im Adler oder in der Krone sitzt. Ich will lieber Schweine hüten, als länger noch solche Bursche führen. Dort hinaus geht'S auf Impflingen." — „Wir lassen uns eben nicht in'S Haus metzeln", sagten wiederum die Badener und trollten sich ihres Weges, zufrieden, der gefährlichen Mühe überboben zu sein, den Rückzug decken zu helfen. Indes,» fen sprach Luitpold zum Führer. „Ich bitte um Urlaub, nach Frankweiler zu gehen. Ich habe dort ein nothwendiges Geschäft, bevor ich mich nach dem Badischen verfüge."— „Nehmen Sie sich in Obacht," warnte Willich, „Sie könnten leicht auf Feinde treffen." — Worauf der Junker : „Waffen nehm' ich nicht mit und kenne jeden Strauch. Seien Sie ohne Sorge um mich."— „ES sei darum," sagte Willich, „wenn Ihnen etwas zustößt, so geht's um Ihre eigene Haut. Gott befohlen." — Der Führer that vollkommen recht, den nicht zu halten, der sich um keinen Preis hätte halten lassen. TagS zuvor hatte Luitpold in Frankweiler TheresenS Heimkehr erfahren, doch keine Muse gefunden, sie zu begrüßen. Sollte er nun ohne Abschied von ihr den Kriegszug nach Baden beginnen? Unmöglich! Auch mußte sie ja wissen, wo- hin er gerathen.
Wenn Luitpold meinte, daß seine Verlobte in schweren Sorgen um ihn schwebe, so rechnete er nicht zu viel auf ihre Zärtlichkeit. Ihre Angst war sogar viel peinlicher, als er irgend nur dachte. Da nämlich im Verlauf des Tages Landau von aller Bedrängniß frei geworden, so hatte der Befehlshaber Streifwachen nach allen Seiten auögeschickt und eine ziemlich starke Abtheilung zu Roß und zu Fuß nach Frankweiler vorgeschoben. Bei diesem Anlaß war Cassius zum väterlichen HauS gekommen. „Was macht der Junker Sperbereck?" fragte Therese, bevor sie nur guten Tag und grüß Gott gesagt. „Laß
