Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.
1851. — e^ 55.
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Vor Landau.
(Fortsetzung.)
Willich empfahl sich. Sznaida rief ihm nach: „Ich werde Sie zur Beförderung Vorschlägen". — „Schon gut", brummle der Undankbare in seinen Barl; „für dich werde ich auch eine Stelle verlangen, nämlich hinter St. An- lons Kapelle". Mit schwerem Herzen ritt er von dannen. „Was hilft alle Begeisterung, alle Hingebung, alle Tapferkeit"? sprach er zu sich selber; „die Wucht der Trägheit, der Blödsinn deS Schlendrians, die unverwüst, liche Michelei lassen unS nicht aus dem Sumpfe heraus. Die Masse ist ein gedankenloser Brei, die darin herumrühren, sind eigensüchtige Hallunken, und für solches Gesindel tragen wir wie achte germanische Urklötze unsere Haut zu Markl! Und was mich am allerschwersten ärgert, das sind die hohlen Redensarten, womit sie ihr schmähliches Thun verbrämen. Wenn sie gleich feigen Hunden vor der Gefahr auSreißen, so sagen sie dazu: wir machen'S wie Kossuth; wenn sie einen d'Ester schnöde bei Seite schieben, so behaupten sie die Gesellschaft zu retten. Bei alledem bin ich der Narr, aus die Menschheit etwaâ zu halten, die in der Nähe betrachtet doch nur aus Menschen besteht". Mit solchen Gedanken erreichte der Parteigänger Albersweiler, und sofort wich der Mißmuth aus seinem Herzen, wie er die braunen Gesichter seiner bärtigen Gesellen wiedersah, und wie ihn das freudige Blitzen ihrer kühnen Augen begrüßte, da er sprach: „Bevor der neue Tag morgen graut, rücken wir lhalaufwärtS gegen den Feind".
Am liebsten wäre Willich noch am Abend aufge. brachen, doch konnte er nur ein Fähnlein Turner entsen- ben, um die Seitenpässe im Gebirg zu bewachen. Im Ganzen waren die Leute sehr ermüdet, nachdem sie deS- selbigen Tages von Offenbach, zum Theil sogar von
Bellheim her auf Umwegen um Landau herum nach Frankweiler gegangen und von dort dem Zuge deS Frei- heitSheereS ausgewichen waren. Dennoch hätte alle Berücksichtigung der Müdigkeit zurücklreten müssen, wenn der Führer gewußt, was droben im Thal unterdessen vorgegangen. Schimmelpfennig hatte die Stellung von Weidenthal verlassen und über den Falkensteiner Bergsattel bis Rinnthal sich zurückgezogen. Der Boden ist dort zur Vertheidigung geeignet; die Straße macht vor dem Dorf einen Ellenbogen, an welchen die waldigen Berghânge ziemlich nah hintreten.
Da nun eine preußische Abtheilung der zurückweichenden Freischaar in bedenklicher Nähe folgte, so war eS von Schimmelpfennigs Seite ein Versehen, daß er die Berghänge an den Flanken deö Engpasses unbesetzt ließ und sich damit begnügte, ein Verhau über den Weg zu legen. Indessen lag der Fehler weniger am Führer, alö an seinen Leuten. Dieselbe Entmuthigung der Untergebenen , welche ihn gegen alle bessere Einsicht gezwungen, Weidenthal aufzugeben, ließ ihm auch hier keine andere Wahl, als feine Helden unter Dach und Fach zu bringen , für des Leibes Nothdurft zu sorgen und das übrige dem lieben Gott anheimzugeben. Zudem lehrt ja die Erfahrung , daß der Mißmuth des Volks am Ende auch den schnellkräftigsten Führer entnervt. So lagen denn in den Wirthshäusern von Rinnthal und Annweiler die Freischärler, vertilgten pfälzische Schoppen, brüllten ihr „Nur im Sturz von sechsunddreißig Thronen", und vermaßen sich, die verthierten Söldlinge auf dem Kraut zu verspeisen. Die einzige Schwierigkeit bestand vorläufig in der Kleinigkeit, die zu Fressenden auf'S Kraut zu schaffen, wohin sich zu legen diese auch gar keine Miene machten. Die Preußen hatten vielmehr ganz andere Dinge vor. Sie sammelten sich zu WiUgartSwiescn, unter den Trümmern von Neufalkenstein. Schon in der Nacht ka.
