Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — M 8.
Ziethen aus dem Busch.
(M a n u s k r i p t.)
Wem wäre nicht im Vaterland
HanS Ziethen *) aus dem Busch besannt, Der seinem König aus der Schlacht So manchen Lorbeer heimgebracht, Und als sein Herr den Muth verlor Getrost noch hielt den Kopf empor, | Weil er an Dem hielt treulich fest, Der wackre Deutsche nie verläßt?
Nun dieser Held kam einst als Gast, Als er schon alt und wacklig fast, Zu seinem Herrn zum Mittagsmahl Und trat als Letzter in den Saal.
Es war gerat die Kirche aus Und Ziethen kam vom Gotteshaus, Wo er als Sünder sich bekannt Und Trost am Tisch des Heilands fand.
Der alte Fritz begrüßt ihn laut Und rief: „Nun Ziethen schon verdaut"? Denn irrgeführt durch fränkischen Witz War oft gar klein der große Fritz.
Bei Ziethen aber schlug es ein Ihm ging das Wort durch Mark und Bein,
Und zornig, wie er nie gethan Sah er den König schweigend an;
Dann aber sprach er mit Bedacht: „„Ich hab für Euch manch heiße Schlacht Gekämpft, will nun auch ein Mal gern Für Christum kämpfen, meinen Herrn!""
Der König aber merkte jetzt, Daß er den alten schwer verletzt; Es that sein Witz ihm herzlich leid Und halte keine Lust zum Streit, Schnitt ab ein weitres Wortgefecht
*) Der berühmte Held und vorzüglichste Reitergeneral Friedrich'« des Großen.
Und rief: „Still Ziethen, Er hat Recht!" Und Ziethen hatte Recht und schlief In Frieden ein, als Gott ihn rief. Ein kühner Held, ein frommer Christ, Dem Manne Heil, der beides ist!
Julius Sturm.
An der Gränze.
(Fortsetzung)
„Das hab' ich leider schon bemerkt", sprach Freidorf kopfschüttelnd. „Es ist doch eine so freundliche, schmucke Frau und nimmt des Schwähers Härte und deS Mannes Toben so ruhig an. Sie mag wohl ein wenig vergeßlich und flüchtig sein, aber das wird durch solch Schelten nicht gebessert". — „Ja ja", sagte Frühauf, „eS hat alles seinen Hacken, aber —" und dabei deutete er gegen die Thür, durch welche man die in der Küche Befindlichen reden hören konnte. „Das ist nun eins", fuhr er dann mit gedämpfter Stimme fort; „doch er sprach auch vom Schmuggeln, und da — na, na"! Und er aß wieder weiter. „Wie denn" ? fragte Freidorf, gleichfalls leise redend; „schmuggelt er denn selbst? Freilich nach seinen Reden könnte man das vermuthen".
Der Jäger neigte sich zu ihm und sprach, während er Teller, Messer und Gabel laut und eifrig bewegte, in flüsterndem Tone: „Nun, Herr Assistent, eö ist hier darüber schlecht zu reden, die Leute könnten horchen. Sehen Sie, der Alte und der Georg sind noch nie beim Geschäft betroffen worden, im Kruge ist trotz allen Nachforschungen nie etwas zu finden gewesen, und dennoch spricht man von ihnen als Hauptschmugglern; das Haus hier steht in dem Ruf, daß eS die Hauptniederlage der Waaren und die Herberge der kecksten Schleichhändler sei und heißt allgemein der Schmuggelkrug. Aber wie gesagt,
