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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen AUqem. Zeitung.

1851. ^ 6.

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An der Gränze

(Fortsetzung)

^Aber," fuhr der Alt» plötzlich wieder fort und sah sich ernsthaft im aufmerksamen stillen Kreise um,daß die Zölle hart sind und unbillig, rechtlos und vernunfilos, daß sie unS mit Gewalt aufgelegt sind und uns mit Ge­walt daS Geld aus den Taschen nehmen, daß sie uns, die wir arm sind, zwingen zu entbehren, daS, ihr Leute, ist in meinen Augen immer nicht das Schlimmste. Aber cs stößt mir das Herz ab, wenn ich nun sehen muß, was man auf diese Manier auS einem einst glücklichen Lande und auS zufriedenen wackeren Bewohner desselben in kur­zer Zeit machen kann. Wir waren früherisch und kann­ten keine Zölle, der Handel ging frisch und lustig herüber und hinüber. Nun ist das anders worden. Wir waren zufrieden, und nun sind wir mißmulhig, verstimmt, hab­gierig, neidisch weiß Gott waS alles! Wir waren arm, alle mit einander, aber wir lebten ein rechtes, thäti­ges Leben und mühten unS rechtschaffen um unser Aus­kommen und sein Brod hatte jeder. Nun haben wir Bettler und Vagabunden im Land. Seht einmal hinein ins HauSwesen, in die Wirthschaft! Die geht wie ein Krebs immer sachte zurück, denn der Schleichhandel wirft mehr ab und sicherer als die Wirthschaft. Die Arbeit bleibt liegen, alles läuft über die Gränze; was man nicht sauer und offen erworben, das achtet man nicht, man verpraßt es so leicht wie mans gewonnen. Der Acker­bau geht zu Grunde, denn eS fehlt an Händen, eS fehlt an Lust. Seht hinein in die Familien! Damit geht's retour; das lebt nicht mehr still und mäßig neben einan­der hin, gottesfürchtig, ohne Hader und Neid; eS heißt jetzt: sechs Tage gehungert und einen verpraßt! Knechte und Mägde früher, die waren lustig wie jedes junge Blut, aber sie waren auch manierlich, bescheiden, arbeitsam; sie

gehörten zur Familie, sie achteten auf ihren Herrn, au ihre Frau und waren wie diese ein Bei Piel für die Kinder.

Nun ist eS meistens verlaufenes Gesindel, das nur ein augenblickliches Unterkommen sucht, heute zuzieht und morgen davonläuft. Sie sehen nirgends was GuteS und thun'S selbst nicht. Der früher ihr Herr war, freundlich, aber doch ernst und immer über ihnen, der ist jetzt oft mitten drunter, läuft auch die Schleichwege, verpraßt, was er gewonneir, wird ein Spieler, Trunkenbold, ein schlechter Patron, dem nichts mehr heilig ist, der sein Heimwesen vernachlässigt, Weib und Kind prügelt, einen Grenzbeamt.cn auf den Kopf schlägt, als sei er ein Thier. Da wird die Frau auch kalt, schlecht, hält nicht mehr zu Rath, vernachlässigt ihrerseits auch das Hauswesen und die Kinder dazu, treibt sich auch umher und geht zu Grunde. Und dann kommt daS Verrâther- und Angeber- wesen, Spionerie und Bestechung. Da kann man seinem Kinde nicht mehr trauen und die Dienstboten sind Hor­cher; da verräth die Frau ihren Mann, der Vater den Sohn. Da halten auch die Beamten ihre Hände auf und drücken die Augen zu und betrügen ihrerseits die Re­gierung. Kurz, Liederlichkeit, Gottlosigkeit, Verrath, Lug und Betrug auf allen Ecken und Enden. Das ist das Ende vom Liede. DaS findet Ihr überall in unserem armen Lande, und darum verfluche ich die Zölle, und da­rum hasse ich ihre Diener, denn die haben unS daö Un­heil gebracht und das Elend, das Verderben".

AlS der Krüger schwieg, war eS ringsum still; die meisten schauten ernst darein und nur über daS gebräunte pockennarbige Gesicht deS Gränzjägers lief ein leichtes Lächeln, welches Freidorf auffiel. Endlich sagte einer der Anwesenden zum Krüger:Ihr laßt heul ja wohl anmä­hen, Nachbar?" Und der Alte erwiederte:Ja freilich, und da kommen auch schon meine Leute." Dann kehrte er sich zum Thor und rief zornig inS HauS:Else, Else,