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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. ^ 4.

An der Gränze.

(Fortsetzung)

Damit", fuhr der Krüger fort,kann ich den Für­sten nicht beleidigen, denn erstens ist er so gut ein Mensch wie unser einer und kann irren, und zum andern, waS weiß er von diesem Gesetz weiter, als daß eS da ist? Wir sehen, waS aus desselben strenger Handhabung ent- - steht, wir wissen, wie wir daran zu Grunde gehen. Der e Fürst kann das nicht wissen, denn er sieht weder in unsere fr Herzen noch in unsere Hütten, er sieht nur die Herren Minister und die anderen Hofherren, die wohl auch nichts n' davon wissen. Die brauchen Geld, und wie sie eS am f, leichtesten und schnellsten erhalten, nehmen sie es und be­tt urtheilen, waS weiter dabei zu bedenken wäre, nur nach ihren Einsichten, nach ihren Meinungen. Nun denken s sie: wer dies und daS brauchen will, ist wohlhabend und : kann bezahlen für die Waare und für den Gebrauch. ; Will er nicht bezahlen, so bekommt er's nicht und wird â eS auch nicht entbehren, denn eS ist entbehrlich, ein Lurus- I artikel, oder wie man'S sonst nennen mag. Aber da t liegt der Hund begraben"! fuhr der Alte fort und seine " ? Augen entflammten sich,da sitzt das Unrecht, daS him- melschreiende! WaS wissen die Herren von unsern Be- dürfnissen, waS wir entbehren können und was nicht? - Das kennen wir allein und die mit unS und nicht nur ; zwischen uns leben. Wenn die Rede ist von entbehren Ikönnen daS geht weit. Zum nackten Leben braucht der Mensch nichts weiter als ein Stück Brod oder ein paar Wurzeln und einen Schluck Wasser. Wozu mühen wir uns denn und arbeiten unsern Wohlstand zu vermehren? Aber ich meine, der Herrgott hat uns erschaffen und un­terschieden von dem Vieh und all dem Gethier, nicht allein » damit wir nur den Athem, das Leben in uns fristen, son­dern daß wir auch ringen und schaffen und das genießen,

waS gut ist und das Leben angenehm macht. Denn die Erde bietet doch so viel des Guten und Angenehmen. Oder soll dies alles nur für die Reichen da sein, für die, welche so und so viel im Vermögen haben? Und also wenn der eine sich jährlich dreihundert Thaler macht und ein anderer dreitausend einnimmt, soll jenem der Genuß einer Flasche Wein oder einer guten Pfeife Tabak nur deswegen versagt sein, weil er zehnmal weniger besitzt als der andere? Ja, wenn der Preis der gewünschten Waare eigentlich so niedrig steht, daß sich der Arme sogar dieselbe noch verschaffen kann, ist es Recht, daß man sie ihm durch eine hohe Steuer entzieht und sie nur jenem erlaubt, der ihren Werth doppelt bezahlen kann" ?

Ich seh' es ja ein", sprach er weiter,der Fürst braucht Geld, um den Staat zu erhalten und es muß daher zusammengebracht werden. Aber es kommt doch auS den Taschen der Unterthanen, und daher, scheint mir, müßten die Leute doch auch gefragt werden, wie ihnen die Beschaffung am leichtesten werden könnte. Wer waS geben soll, den muß man doch fragen, wie er's ge­ben kann und will; soll er ungefragt geben, unter jeder Bedingung, da gibt er nicht mehr, sondern es wird ihm genommen. Das wäre ein Unrecht und daher müssen die Leute gefragt werden, und wieder auch nicht alle, son­dern nur, die sie unter sich als die vernünftigsten Köpfe ausgewählt haben. Mit denen müßte man reden und sich verständigen. Ich weiß nicht, was da heraus­kommen würde, denn dazu bin ich zu dumm, ich habe nicht darauf studirt, aber die Zölle ließen sie gewiß und wahrhaftig nicht bestehen. Denn die sind halb eine Schande, halb ein Unsinn. (Forts, folgt).