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die Menschen entsetzlich gegen einander erbittern. Er ist reich an Ereignissen, bei deren Betrachtung man weinen möchte. Das, was ich Euch hier erzählen will, gehört grade da zum schlimmsten nicht, vielmehr giebt cs Euch eine Bewährung zu dem Sprichworts, das über dieser Geschichte steht, und ich wollte, Ihr sagtet dabei zu Euern Kindern: Seht, so geht's allemal dem, der Untreue übt; es kommt das Weh, was er Andern bereiten will, über ihn selbst, wenn er auch nicht grade immer aufgehängr wird.
Im dreißigjährigen Kriege waren die Kaiserlichen, wie die Schweden, arge Gesellen, wenn sie an einen Ort kamen, wo es etwas zu nehmen gab.
In Thüringen lebte damals ein adeliger Herr auf seiner Burg. Er war alt und hatte nicht Lust, sich in der Burg belagern zu lassen, wollte auch mit den Schweden keine Gemeinschaft haben, und dachte darum, als sie sich näherten, daran, seinen Leib in einer fernen Stadt in annehmbare Sicherheit zu bringen. Er war reich, ja sehr reich; und wenn er auch sein baares Geld mitnehmen wollte, so blieb doch in seinen alten, ererbten, und neuen Silbergefäßen ein ansehnlicher Schatz zurück, den er nicht wohl mitnehmen konnte. Denkt er bei sich: du thust Alles in eine Kiste von Eichenholz und vergräbst die in den Keller.
Der Gedanke war schon gut, hätte er ihn auch nur allein auSführen können; denn zum Geheimhalten sind zwei Augen besser als vier.
Der alte Herr hatte einen Verwalter, den er immer für recht treu gehalten, weil er ihm — nie scharf in die Karte gesehen. Läßt ihn rufen und sagt zu ihm;. Gottfried, ich will nun fort. Kommen die Schweden, so nehmen sie mir Alles. Bin ich fort, so denken sie er hat Alles mitgenommen, und suchen nicht weiter nach. Meinst nicht auch?
Gewiß, gnädiger Herr; sagte der Wohldiener.
Nun kann ich aber nicht Alles mitnehmen , waS Werth hat, und muß zum Beispiel, alle meine stattlichen Silbergeräthe hier lassen. Das wollen wir vergraben in den Keller und zwar heute Nacht, wenn das Gesinde schläft. Meinst nicht auch? —
Der Verwalter belobte die Klugheit des Herrn.
Als nun der Abend kam, schafften sie beide mit viel Schweiß und Stöhnen die leere, eichene Kiste hinab und gruben ein hinlänglich Loch in den Boden. Um sich zu stärken, tranken sie mitunter Eins, und hatten's m$t weit zu holen, denn sie waren im Keller und der Herr wußte, wo der Beste lag. —
Als endlich das Loch fertig war, trugen sie das Silbergeräthe herab, stellten die Kiste in das Loch und legten es, sauber mit Heu ausgestopft, hinein. Als Alles drinnen war, schloß der Varon den Deckel, steckte den Schlüssel in die Tasche und der Verwalter schaufelte die Erde darüber und trat sie fest mit den Füßen, also daß kein Mensch etwas sah, noch ahnen konnte waS hier liege.
Das war eine sauere Nacht, sprach der Baron und drückte dem Verwalter drei Dukaten in die Hand.
9hin, Gottfried, halt' gut Wacht! sagte er.
Einige Tage darauf, .reitet der Ritter von dannen, und die Saumrosse der Reitknechte beugten sich im Kreuze, so schwer waren die Geldsäcke, die er mitnahm und die sie trugen.
Per Gelegenheit guckt einmal der Teufel in die Menschenseele hinein, ob er nicht ein Plätzlein finde, wo er sesshaft werden könnte. So ging's auch bei dem Verwalter. Da kannte der Teufel sein Lieblingsplätzchen schon, nämlich das Gelüsten. Seit der Verwalter das Loch gemacht und das viele und schwere Silberwerk dahineingelegt, war's ihm, als lüg' all' das Silber in seinen Eingeweiden ■— das heißt, er konnt's nicht vergessen und dachte immer an den «Hätt' ich», der ein Spitzbube all' sein Lebtag war, und ein rechter Verführer. Er machte
sich allerlei Gedanken, wie er das Silber bekommen könnte, um eS in Geld umzusetzen. Da hatte ihn der Teufel schon bei'm Schopf!
Ueber diesen Gedanken kamen die Schweden und ein Hauptmann mit zwanzig vom gelben Regiment nahmen Quartier in der Burg, wo ihnen der Verwalter wacker auftischte, dass sie recht zufrieden waren, und er aß und trank mit aus seines Herrn Keller und Vorratskammer auch so per Gelegenheit.
Eines Abends sitzen sie so zusammen, der Hauptmann und er, da sagte der Hauptmann: Sag' an, hat denn der alte Baron Alles von Werth mitgenommen? Glaub's mein Leben nicht!
Der Verwalter redete hin und her, und sagte doch eigentlich nichts.
Du willst nicht von der Farbe reden, sprach der Schwede. Weist du, daß ich Mittel habe, dich plaudern zu machen?
Ja, rief der Verwalter, wenn ich suchen dürfte, vielleicht fänd' ich dieß und das.
Wer wehrt dir's denn? fragte Jener.
Nun schmunzelte der Verwalter, daß ich es Euch ehrlich sage, der Gedanke, daß Jhr's dann allein holt. Wolltet Ihr mir aber die Hälftc geben, so wüßt' ich schon ein Vogelnest mit silbernen Eiern.
Du sollst meine Parole haben, sprach freudig der Schwede, daß ich mit dir theile. Aber Wer bürgt mir dafür, daß du mir Alles zeigst?
Herr, thu' ich's nicht, so sollt ihr mich aufhängcn! sagte der Verwalter.
Die zwei Schelmen wurden des Handels einig, und der Verwalter steigt Nachts mit dem Hauptmann hinab, schaufelt die Erde weg, sp-engt die Kiste auf, und zeigt dem Hauptmann die Pracht.
Der Hauptmann war ein alter Soldat, der allen Potentaten gedient, alle Streiche getrieben und zu den Schweden übergegangen war. Dem lachte das Herz; aber Eins ängstete ihn. Der König Gustav Adolph hatte das Plündern verboten und der jpaple nicht, wenn er einen Uebertreter seiner Gebote fand. Darum liess er Alles ruhig liegen, schloß den Keller ab, und sagte, er wolle Morgen einen Kameraden mitbringen, um den Schatz zu heben.
Nimm du nur den Schlüssel mit, dachte der Verwalter ich hab' noch einen; schloss daher noch selbige Nacht auf und trug sich das Werthvollste hinweg, als da waren goldene Becher und dergleichen, und machte wieder zu, vergaß aber das Heu wegzuthun, das er verzettelt hatte bis an die Thüre.
Des andern Abends kamen die zwei Schweden und sie gingen selbdritt in den Keller. D^r Hauptniann, der mit allen Hunden gehetzt war, merkte bald, daß der Verwalter mußte gemaust haben, weil das Heu so da herum verzettelt war bis an die Thüre.
Sie schafften nun die ganze Nacht das Silberzeug fort bis sie auf der Kiste Boden kamen.
Wo bleibt denn mein Theil ? fragte der Verwalter.
Spitzbube, ruft darauf der Hauptmann, du hast mir nur die Eine Kiste gewiesen, aber nicht die Andre, die tu für dich behalten willst. Das ist Eins.
Der Verwalter schwur hoch und theuer, cs sei nur Eine da; aber der Schwede blieb dabei, es müßten zweie sein; er wisse es genau.
Ferner, fuhr er fort, hab' ich wohl das zerstreute Heu gesehen und merkte, daß du dein gutes Theil selbn- genommen hast.
Nun lautet unser Packt so: Wenn du nicht Alles zeigst, so sollst du aufgehängt werden. Du verschweigst eine ganze
