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sein Freund der Musik, allein den Befehl des Herzogs muß ich einmal vollziehen. Sie werden sich daher bequemen müssen, zu Ingen, um zu essen, oder nicht zu singen und nicht zu essen."

„Den Henker auch,» riefG uada gn i auS, und fein hung­riger Magen und der Geruch aller vor ihm duftenden Speisen vermochten ihn endlich, zum bösen Spiele gute Miene zu ma­chen. Er sang einige Takte und aß mit Heißhunger; so oft er aber von einem andern Gerichte oder einem andern Weine zu haben wünschte, mußte der Geplagte wieder singen, wie un- gerue er sich auch dazu bequemen mochte. Als aber bei dem 'Nachtische der Offizier mit der Versicherung aufbrach, daß er nunmehr eines dringenden Geschäftes wegen seinen Gast verlassen müsse, sprach Guadagni: „Steißen Sie doch noch einige Augenblicke; wir trinken vorher noch ein Glas Champagner, dann Kaffee und Liqueur.»

„Thut mir in der That sehr leid, daß ich die Ehre Ihrer Gesellschaft nicht länger genießen kann, antwortete der Offizier in barschem Tone. Mich ruft mein Amt jetzt auf den Richt­platz. Dort harren meiner vier Missethäter, die ich sogleich aufknüpfen muß.»

Guadagni fuhr vor Schrecken von seinem Stuhle auf und das Glas entfiel seinen Händen. „Wie, was, rief er, Sie wären —"

»Der Nachrichter, mein Herr, Ihnen zu dienen. Für den Herzog und seines Gleichen haben Sie nicht singen wollen, aber für den Henker von Parma haben Sie Ihre Stimme erschallen lassen. So geht's! Wer das Bessere nicht will, muß zuletzt das Schlimmste wollen. Leben Sie wohl. —. Ich gehe, meine vier Spitzbuben zu erpediren."

Aus dem Gefängnisse wurde Guadagni auS der Stadt gebracht und ihm die Weisung ertheilt, das Gebiet von Parma auf immer zu meiden.

Der geizige Major.

Unter einem französischen Kavallerie-Regimente war, noch vor der Revolution, ein Major, der sich durch seinen schmutzigen Geiz und seine Brutalität gegen seine Untergebene auszeichnete. Nur bei einer Sache sparte er kein Geld, nämlich bei schönen Pferden, die er über - lies liebte. Einst hatte er den Lieutenant v. B. auf der Parade so grob beleidigt, daß dieser sich fest vornahm, deßhalb blutige Rache an dem Chevalier zu nehmen. Der Major machte am nämlichen Nachmittage einen Spazier­ritt. Der Lieutenant v. B. sah ihn vor seiner Wohnung vor- beireiren; sogleich ließ er auch sein Pferd satteln und eilte ihm nach. In einiger Entfernung von der Garnison traf er den Major an dem Eingänge eines kleinen Gehölzes an. Er sprengte auf ihn zu, warf ihm seine durch ihn erlittene Beleidigung vor und verlangte auf der Stelle dafür Genugthuung durch Pistolen­wechsel. Der Major konnte dieß nicht ablehnen, sonst würde ihn sein Gegner bei dem ganzen Offiziers-Korps als einen Poltron verschrien haben. Als der Geforderte, hatte der Major den ersten Schuß; er verfehlte den Lieutenant. „Schießen Sie noch einmal!» sagte der Letztere kaltblütig, Der Major weigerte sich zwar, aber sein Gegner bestand darauf; endlich gab er Nach, schoß das. zweite Pistol ab, doch der Lieutenant wich, da sein Pferd einen Seitensprung machte,^ auch der zweiten Kugel glücklich aus.

Der Lieutenant ritt nunmehr auf den Major zu, und nach­dem er ihm einige bittere Wahrheiten über sein brutales Be­nehmen gegen die im Range unter ihm stehenden Offiziere ge­sagt hatte, setzte er hinzu: »Sie sind nun ganz in meiner Ge­walt; ich könnte Ihnen eine Kugel durchs Herz jagen, aber ich will Ihnen eine noch empfindlichere Wunde beibringen.» Bei diesen Worten erschoß er das schöne und theuer bezahlte Pferd

deS Majors, und überließ diesem die Sorge, wie er Sattel und Zeug fortbringen würde, indem er zur Stadt zurückjagte.

Der todte Jude.

Ein Jud' hatt' eine Uhr gestohl'n

Und sich geschwind damit empfohl'n. Allein, wie klug er's auch gemacht —• Er ward erwischt und eingebracht.

Kein Säugnen half, er mußt' gestch'n; Denn Zeugen hatten es geseh'n. D'rob wurden ihm, wie sich's gebührt, Vom Richter Stockschlâg' zudictirt.

Er schrie: »O waih, o Schma Jisroel! Schlagt mir nur nit de Rücke voll! Ka Mackes nit, sonst sterb' ich todt, Soll helfen mir der liebe Gott! —

Kein Winseln half, man streckte ihn Hin auf die Bank. Zum Ueberzieh'n Der Prügel ward der Vogt gewählt.

Er holte aus, er hieb und zählt': «Eins! zwei!" —- „Waih!» schrie der Jud', »o waih! Noch einmal so, da ist's vorbei.« —

-Drei, vier!» — »Der Athem bleibt mer staih'n!» — «Fünf, sechs!« — »Es ist um mer geschaih'n!" — »Sieben, acht!" — »Man hat mer umgebracht.» »Neun!" — »Waih! jetzt bin ich taudt gemacht." — Er liegt mausstill, er schreit nicht mehr.

Da wird's dem Vogt doch bang' und schwer.

Er schaut den Amtmann fragend an.

Doch dieser, ein gar harter Mann, Spricht: «Ist er todt, schmerzt ihn kein Bein; Gib ihm noch zwei, dann halte ein — Doch aus dem Salz.» — Der Vogt schlägt d'rauf,

Da hebt der Jud' das Köpflein auf Und kreischt: »Dem Himmel will ich's klagen! Wie könnt Ihr 'nen todten Jüven schlagen?" Da lacht der Amtmann. »Armer Wicht! Wenn Du's nicht sagtest, glaubt' ich's nicht. Die weitre Straf' will i:p Dir schenken. Doch magst Du Dir's gar wohl bedenken: Nimmt man auf's Neue Dich beim Kragen, So wirst Du wirklich todt geschlagen.»

Gemeinnütziges.

W. Wie betreiben die Bewohner des Großh. Badischen Dorfes St. Ilgen bei Heidelberg die Seidenzucht?

Diese Frage beantwortete ein Seidenzüchter von St. Ilgen, Namens Christoph Braun, dem Geschäftsführer der Filanda für Seidenbau zu Wiesbaden auf folgende Weise :

»In den ersten Tagen des Monats Mai schlagen wir Männer die Betten aus unserer Wohnstube auf den Speicher, nehmen den Pinsel und weißeln unsere Wohnstuben aus, reinigen den Stubenboden und hängen die Hurten für die Seidenwürmer in die Schlingen. Gegen den 15. Mai legen wir die Eier für die Seidenwürmer aus und einige Tage nächher beginnt die Fütterung. Wir Männer haben dann mit der Seidenzucht weiter nichts zu thun. Die Kinder gehen in den freien Stunden hin und holen die Blätter und stellen sie an einen kühlen Ort, und wenn unsere Weiber das Stallvieh gefüttert haben, dann gehen sie in die Wohnstube und füttern die Seidenwürmer. Di» Fütterung erfolgt also ebenso, wie bei dem Stallvieh, täglich nur dreimal, bis zur vierten Häutung; dann wird aber Tag