Nun deutele Vvltaite auf die Veränderlichkeit der Könige, worauf ihm Friedrich die genugsam bekannte Epistel schrieb, die ihn wohl zufrieden stellen konnte. — Er schützte die Reisekosten vor, und der König ließ ihm durch seinen Banquier in Paris sechzehntausend Franken auszahlen. So immer mehr in die Enge getrieben, unterhandelte Voltaire endlich auch für den Unterhalt seiner Nichte, der Madame Denis, die er mit sich nehmen wollte, als ein unbedeutendes Ereigniß plötzlich seine Abreise entschied.
Der Dichter Arnaud, der damals noch jung war, und schon in Berlin lebte, hatte eine Epistel an den König gerichtet, worin die Verse nicht die besten sein mochten. Der König antwortete ihm ebenfalls in Versen, und verglich darin Arnaud mit der Morgenröthe, Voltaire'» mit der Abendsonne. Beide Episteln kamen in Volta ire' s Hände. -Was, schrie er voll Zorn, und sprang im Hemde aus dem Bette, Arnaud mit der Morgenröthe und Voltaire'» mit der Abendsonne zu vergleichen? Wenn sich doch Friedrich um das Regieren bekümmerte, und nicht über niich urtheilen wollte. Ja, ich will hin, und diesem Könige zeigen, daß meine Sonne noch nicht untergeht." — Sofort bat er den französischen Hof um Erlaubniß zur Reise, erhielt sie, und ging nach Berlin ab.
Rundschau.
Charles Rappo und seine Hunde.
Der bekannte Athlete Charles Rappo, der jetzt wieder in Berlin eingetroffen ist, reiste von Nischnei-Novgorod, wo er während der Messe Vorstellungen gegeben unv gute Einnahme gehabt hatte, über Kasan nach Simbirsk. Der Zug bestand aus vier Wagen, begleitet von mehreren Kutschern und Bedienten, sowie von fünf auf den Mann dressirtc» Hunden, von denen drei ein Geschenk der Mönche auf dem St. Bernhard waren. In der Mitte des sinibirsker Waldes angekommen, stürzten plötzlich aus dem Dickicht vier Kerle mit einem starken, an einen Baum befestigten Seile hervor und spannten dasselbe zur Hemmung Les Fuhrwerkes über den Weg. Rappo, welcher den ersten Wagen selbst führte, sprang sofort, mit zwei geladenen Pistolen bewaffnet, von demselben herunter; in dein nämlichen Augenblicke stürzten aber auch schon Bewaffnete von allen Seiten herbei, faßten die Pferde und machten Anstalt, sich der Effekten zu bemächtigen. Es entstand nun ein fürchterlicher Kampf, und hätte Rappo gewiß der bedeutend größeren Zahl der Räuber unterliegen müssen, wenn die treuen Hunde nicht den Sieg errungen. Von den Räubern blieben neun auf dem Platze, sieben wurden gefangen genommen; die übrigen machten sich aus dem Staube. Rappo betrauerte den Verlust seines jüngsten Kindes, eines Mädchens von drei Viertel Jahren, welches durch einen Schuff getödtet, und den eines angenommenen Kindes von fünf Jahren, welches mit einem Gewehrkolben erschlagen wurde. Außerdem blieben ein Bedienter und zwei Kutscher, drei Andere waren schwer verwundet. Rappo selbst, der mit großer Wuth und Verzweiflung gefochten, war mit fünfzehn Wunde» bedeckt. Von den Hunden fanden drei ihren Tod, ebenso mehrere Pferde. In Simbirsk mußte die Gesellschaft lange Zeit zubringen, ehe Alle von den erhaltenen Wunden geheilt wurden.
-t* Projectirte Luftreise um Lie Erde.
Ein nortamerifanifeber Luftschiffer John Wise aus Lancaster in Pen» > i ist beim Congresse um Unterstützung ringekommen mg "eines Projcctcs, vermittelst eines von ihm cci Hon? die Erde zu umschiffen. Wird ihm die gesc hung von 20,000 Dollars, so will er als Prob -fc nach Europa machen, zu welcher sich schon zehn rrV^. gemeldet haben. In seiner Petition
wird nichts über die Construction seines Ballons gesagt, nur daß er 100 Fuß im Durchmesser und Hebekraft von 16 Tonnen haben soll.
— In dem 2% Stunde östlich von Gelnhausen gelegenen Flecken Bieber setzt die einigen dortigen Familien angeblich zugefallene Erbschaft alle Gemüther, Zungen und Federn in Bewegung. Ein Eingeborner dieses Orts, Namens I. G. Köhler, der sich vor längerer ißeit (Mitte deS vorigen Jahrhunderts) «auf Reisen begeben" und das Ziel derselben in Ostindien ge- funden, soll dort seinen Nachkommen ein Vermögen in dem runden Betrage von 80 Millionen fl. hinterlassen haben. Der letzte dieser Nachkommen sei vor einigen Jahren gestorben, heißt es, und der große Nachlaß werde nun nach Bieber kommen, wo es an Betheiligten, oder doch an solchen, die irgend wie mit dem Erblasser verwandt sein wollen, natürlich nicht fehlt. Das Komische dabei ist, daß sämmtliche heiratsfähige Töchter, der näheren unv entfernteren Verwandten des J. G. Köhler von Freiern, nicht nur Landleuten, sondern auch sogenannten vornehmen Herren, wahrhaft bestürmt werden und in der peinlichsten Wahlverlegenheit sich befinden.
— Die beispiellose Milde unseres jetzigen Winters bringt die eigenthümlichsten Erscheinungen hervor. Im Notting- h a m sch e n hat man im Januar einen wilden Vogel mit vier. Eiern im Neste gefunden. Von der Insel Wight wird geschrieben : Die Bäume bei uns haben Knospen und Blüthen, die Ufer sind bedeckt mit Schlüsselblümchen (primroses), die Rüben schießen in Saat, die Vögel sind voller Gesang, während die Gänseblümchen die Wiesen schmücken und die Felder so fröhlich aussehen wie int Mai.
Gemeinnütziges.
Seidene Zeuge und Tücher wäscht man am beßten entweder in Theewasser, spült sie dann in Branntwein aus, worin etwas Zucker aufgelöst ist, unv rollt oder bügelt sie »och feucht; oder man wäscht sie auch (besonders erstere) in starkem Kleiewasser, in welches man ein wenig pulveriflrten Alaun thut.
Mücken aus den Häusern zu vertreiben.
Man legt an den Ort, wo dies Ungeziefer sich aufhält, frische Hollunderblüthe, und es weicht von dannen.
Schönes Carmoisin-Roth als Waschfarbe.
Ein Loth der feinsten Cochenille wird zum zartesten Pulver zerrieben, dieß mit reinem Regenwasser angerührt und mit noch zwei Pfund Regenwasser in einem zinnernen Kessel so lange in gelindem Wallen erhalten, bis noch ein Pfund Flüssigkeit übrig ist, dann durch gegossen und erkalten lassen.
Monnichsaltiges.
Der alte Fritz (Ihr kennt ihn ja Alle, den trefflichen König von Preußen!) ging einmal in seinem schönen Schloßgartcii spazieren. Es war ein gar hübscher Eommernachnnttag, unv der König wohl aufgelegt.
Wie er so Lahingcht, sieht er einen Handwerksburfche» daherkom- men, Ler, mit seinem Felleisen auf dem Rücken, so raherum spaziert und siw alles Schöne vergnüglich ansieht. An dem ganzen leichtfertigen Wesen des Menschen erkennt der König auf der Stelle, daß eS ein Schneider ist. - ■
Wart', denkt der König, Lu must mal den Bruder Leichtfuß an» reden, ob er auch Grütze im Kopse hat!
Der König, der im bürgerlichen Rocke ging, trat auf ihn zu und Ler Schneider erkannte ihn nicht.
Woher des Weges? fragt der König.
Der Bursch lüftet vor dem alten f errn sein Käpplein und sagt: Aus Sachsen:
