Einzelbild herunterladen
 
  

- 23 -

Zweigen. Auf einmal zog es sich, mitten unter diesen lebhaften Bewegungen, eiligst zurück und hielt sich ganz stille. Es hatte nämlich einen kleinen Fuchs gesehen, der vor bem Baume vor­über zu laufen im Begriff war. Als dieser sich genähert hatte, schoß dir Schlange auf ihn herab, und in wenigen Minuten sog sie ihn, das Blut aus, und leckte ihm mit einer breiten schwärz­lichen Zunge das Fleisch ab, wobei sie sich gemächlich auf die Erde niederlegte, indessen aber doch immer der Schwanz um den Baum gewickelt blieb.

Nachdem alle Anwesende das Thier genug betrachtet, und einen vergeblichen Schuß nach ihm gethan hatten, gingen sie fort, um in stärkerer Anzahl am folgenden Tage wieder zu kommen. Bei ihrer Rückkunft fanden sie die Schlange noch an dem nämlichen Orte. Bald darauf ging ein Tiger vorbei, der nicht viel kleiner war, als eine junge Kuh. Augenblicklich vernahm man ein schreckliches Geräusch aus den Zweigen des Baumes, und kaum war der Tiger nahe genug, als das Unge­heuer auf ihn Herabschoß, und zwar gerade in die Gegend hinter den Schultern, und packte mit dem Maule ein großes Stück des Rückens. Der Tieger brüllte fürchterlich, und wollte mit seinem, ihm überlegenen Feinde davon lauft», dieser aber um­wickelte ihn drei- oder viermal, und legte sich so fest um ihn herum, daß er in Todesängsten niedersank. Jetzt, da die Schlange ihren Raub gefällt hatte, ließ sie den Rücken des Tiegers los, zog sich weiter nach dem Kopfe hin, öffnete ihren ungeheuren Rachen, und umfaßte damit das Gesicht des Tigers, das sie entsetzlich zerfleischte. Dieser hatte sich jedoch einigermaßen er­holt. Er erhob sich wieder, suchte sich dadurch los zu machen, daß er sich hin und her wand, wobei er im Rachen der Schlange dumpf und kläglich brüllte. Es half ihm nichts, wiewohl er seinem Mörder genug zu schaffen machte. Er rich­tete sich einigemal auf, und lief auch einige Schritte fort, aber das Gewicht seiner Feindin sowohl, als auch ihre Umwindungen, warfen ihn jedesmal wieder nieder.

Nach Verlauf von einigen Stunden schien der Tiger ganz entkräftet und fast todt zu sein. Die Schlange suchte nun ihm die Rippen dadurch zu zerbrechen, daß sie sich immer enger und fester um ihn herum wand; allein es ging nicht. Sie wickelte sich daher wieder los, umwand mit ihrem Schwänze seinen Hals, uno schleppte ihn an den Baum, welches ihr aber sehr sauer wurde. Jetzt sah man, was ihr der Baum für Dienste that. Sie faßte den nun beinahe wirklich todten Tiger an, und stellte ihn aufrecht an den Stamm des Baumes, umschlang dann Tieger und Baum, und nun zog sie sich enger zusammen, daß die Knochen und Rippen, eine nach der andern, mit lau­tem Krachen zerbrachen. Als sie mit bem Leibe fertig war, machte sie sich auch über die Beine auf gleiche Weise her, und zerbrach sie an vier bis fünf Orten. Dann versuchte sie ihre Kräfte auch am Hirnschädel, aber hier war alle ihre Anstren­gung vergebens. Da ihr der Tiger nun nicht mehr entrinnen konnte, und sie wohl sehr ermüdet sei» mochte (denn über deni Zerbrechen der Knochen waren einige Stunden vergangen), so zog sie sich unter die Blätter des Baumes zurück, um auszu- ruhen.

Am dritten Tage sah man keinen Tiger mehr, sondern ein todtes Aas, ohne bestimmte Gestalt, mit einem gelben Kleister überzogen, um dasselbe desto schlüpfriger zum Verschlingen zu machen. Erst verschlang die Scklange den Hirnschädel, dann nach und nach den übrigen Körper, welches ihr aber viele Mühe machte. Es wurde Abend, ehe sie den Tiger völlig verschlungen hatte.

Am vierten Morgen gingen Weiber und Kinder zu der Schlange hin, denn sie wußten' aus Erfahrung, daß nun keine Gefahr mehr dabei sei. Die Schlange war so ungeheuer dick, und hatte sich so überladen, daß sie sich weder zur Wehre setzen,

noch auch durch die Flucht sich retten konnte. Zwar bemühte sie sich, auf den Baum wieder zu kommen; allein auch dazu war sie zu unbehülflich. Die Zingalesen schlugen sie nunmehr todt, denn sie hatten sich gleich Anfangs auf das Fleisch der­selbe» gefreut, welches weißer als Kalbfleisch ist, und das sie als einen zarten Leckerbissen rühmen. Diese sogenannte Riesen- oder Königsschlange war 33 Füß und 4 Zoll lang.

Gemeinnütziges.

Nutzbarmachung gefrorner Kartoffeln.

Man legt die zum Gebrauch bestimmte Menge gefrorner Kar- toffeln in kaltes Wasser und wenn sie nach etwa 1613 Mi­nuten in Eis gehüllt sind und selbst daS Wasser mit einer leich­ten Eisschicht bedeckt ist, nimmt man sie heraus. Sie sollen dann wieder so gesund und wohlschmeckend, -wie die gewöhnlichen Kartoffeln sein. Es ist auch wichtig, daß man bei eintretendem Thauweiter die gefrornen Kartoffeln nicht in der Luft aufthauen läßt. Man übergieße sie dann vielmehr einen bis anderthalb Zoll hoch mit kaltem Wasser, lasse dieses, wenn sie eine Eishülle bekommen haben, abfließen, wische die Eiskruste mit einem Tuche ab und trockne die Kartoffeln in einem warmen Zimmer. Das­selbe Verfahren ist auch beim Aufthauen mancher andern Früch­te, als Aepfel, Birnen, Runkelrüben u. s. w. mit Vortheil än- zuwenden. - - ' - ; ' -

Seife von der Asche des Farrenkrauts zu bereiten.

Die Bauern in England sammeln dieses Kraut in Mengt und setzen cs wie Heu in Schober auf, die man nach der Trock­nung und bei stillein Wetter in Gruben zu Asche verbrennt. Diese Asche wird mit Lauge angefeuchtet, um davon Kugeln zu ballen, welche man auf Brettern trocknet, und bei der Wäsche als Seife gebraucht. Sie halten sich lange und machen dir Leinwand weiß.

Manvichsaltigts.

(Gute Antwort.) Der Kaiser Marimilian ließ einige Biblio­theken und Archive durchsehen, um eine vollständige Abstammung sei­nes Hauses zu erhalten. Da schrieb die Hand eines Spottvogels an des Kaisers Burg:

Da Adam hackt' und Eva spann, Wer war denn da der Edelmann?"

Marimilian selbst, nachdem er diese Zeilen gelesen hatte, schrieb hinzu;

Ich bin ein Mann, wie ein andrer Mann,

Nur daß mir Gott die Ehre gann."

(Der Unheilstifter.) Ein Witzbold wurde einst in einer Ge­sellschaft aüfgefordert, auf die Wörter, welche sich auf Amen endigen, schnell ein Stegreifgedicht zu machen. Er besann sich nur kurze Zeit, dann sprach er:

Kennt ihr, Freunde wohl ben Samen

Alles Bösen? Woher kamen

Alle Uebel, deren Namen

Jetzt nicht Zeit ist auszukramen?.

Kennt ihr ihn, der Herrn und Damen,

So die Wilden wie diè Zahmen,

Selbst die Blinden und die dahmen,

Fängt mit Angeln und mit Hamen?

Sehl ihn unter Glas und Nahmen,

Auf des Weltalls Panoramen.

In Komödien und Dramen

Sucht man seine ganz infamen

Kleinen Künste nachzuabmen.

Und wie heißt er? Amor, Amen!"

(Treffende Antwort.) Einige Husaren riefen tm Borbeirei- ien einem Bauern zu, der auf seinem Acker mit Säen beschäftigt war, und fragten ihn nach dem rechten Wege. Als er ihnen solchen gewie­sen, sagte Einer: Guter Freund, cs ist recht, daß du so fleißig bist; aber die Früchte deiner Arbeit werden wir wohlgenießen."Das ist leicht möglich," versetzte der Bauer,denn ich säe Hanf!