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stiefeln, die wir bald mit auf die Welt bringen, gerade auf die Ewigkeit los. O, höchst klägliche, unbequeme, breitgespreizte Position, mit dem einen Beine in der Zu­kunft, wo nichts als Morgenroth und zukünftige Kinder- gesichter dazwischen, mit dem andern Beine noch mitten tn Rom auf der Piazza del Popolo, wo das ganze Sä- kulum bei der guten Gelegenheit mit will und sich an den Stiefel hängt, daß sie einem daS Bein auSreißen möchten! Und alle das Zucken, Weintrinken und Hunger- leiden lediglich für die unsterbliche Ewigkeit! Und siehe meinen Herrn Kollegen dort auf der Bank, der gleichfalls ein Genie ist; ihm wird die Zeit schon zu lang, was wird er erst in der Ewigkeit anfangcn?! Ja, hochge­schätzter Herr Kollege, du und ich und die Sonne, wir sind heule früh zusammen aufgegangen, und haben den ganzen Tag gebrütet und gemalt, und eS war Alles schön — und nun fährt die schläfrige Nacht mit ihrem Peljärmel über die Welt und hat alle Farben verwischt". Er sprach noch immerfort und war dabei mit seinen ver­wirrten Haaren von dem Tanzen und Trinken im Mond­schein ganz leichenblaß anzusehen.

Mir aber graute schon lange vor ihm und seinem wilden Gerede, und als er sich nun förmlich zu dem schlafenden Maler herum wandte, benutzte ich die Gele­genheit, schlich, ohne daß er eS bemerkte, um den Tisch auS dem Garten heraus, und stieg, allein und fröhlich im Herzen, an dem Rebengeländer in daS weite, vom Mondschein beglänzte Thal hinunter.

Von der Stadt her schlugen die Uhren Zehn. Hin­ter mir hörte ich durch die stille Nacht noch einzelne Gui­tarrenklänge und manchmal die Simmen der beiden Ma­ler, die nun auch nach Hause gingen, von fern herüber­schallen. Ich lief daher so schnell, als ich nur konnte, damit sie mich nicht weiter ausfragen sollten.

Am Thore bog ich sogleich rechts in die Straße ein, und ging mit klopfendem Herzen eilig zwischen den stillen Häusern und Gärten fort. Aber wie erstaunte ich, als ich da auf einmal auf dem Platze mit dem Springbrun­nen heraus kam, den ich heute am Tage gar nicht hatte finden können. Da stand das einsame Gartenhaus wie­der, im prächtigsten Mondschein, und auch die schöne Frau sang im Garten wieder dasselbe italienische Lied, wie gestern Abend. — Ich rannte voller Entzücken erst an die kleine Thür, dann an die HauSlhür, und endlich mit aller Gewalt an das große Gartenthor, aber eS war Alles verschlossen. Nun fiel mir erst ein, daß eS noch nicht Elf geschlagen hatte. Ich ärgerte mich über die langsame Zeit, aber über daS Gartenthor klettern, wie gestern, mochte ich wegen der guten Lebensart nicht. Ich ging daher ein Weilchen auf dem einsamen Platze auf

und ab, und setzte mich endlich wieder auf den steinernen Brunnen voller Gedanken und stiller Erwartung hin.

Die Sterne funkelten am Himmel, auf dem Platze war Alles leer und still, ich hörte voll Vergnügen dem Gesänge der schönen Frau zu, der zwischen dem Rauschen des Brunnens aus dem Garten herüberklang. Da er­blickt' ich auf einmal eine weiße Gestalt, die von der an­dern Seite des Platzes hervorkam , und gerade auf die kleine Gartenthür zuging. Ich blickte durch den Mond- stimmer recht scharf hin — eö war der wilde Maler in seinem weißen Mantel. Er zog schnell einen Schlüssel hervor, schloß auf, und ehe ich mich's versah, war er im Garten drin. (Forts, folgt.)

Des großen Kurfürsten Leibschneider.

Eine Erzählung nach geschichtlichen Thatsachen.

(Fortsetzung.)

Indem wurde Herr Peuker durch die Ankunft eines Mannes unterbrochen, der hastig die Kellertreppe nieder­stieg und schon auf der letzten Stufe denen, die um den Verwundeten herum standen, zuries: „Platz da! Platz da! Der Herr Feldscherer vom Frankenbergischen Regiment folgt mir auf dem Fuße".

Der Feldscherer untersuchte die Wunde an der Sfirn deS Kürassiers und erklärte: sie gehe mehr in die Länge, als in die Tiefe, er hoffe auch, daß sie keine lebensge­fährlichen Folgen nach sich ziehen werde, sofern keine Hirn­entzündung dazu komme und der Verwundete gute Säfte in sich habe.

„Könnt Ihr ihm nicht solchen Saft eingeben" ? fragte der Leibschneider den Feldscherer. Er mag kosten, waS er will — ich bezahl' Alles".

„Ich meine gute Säfte von Natur", versetzte der Regiments-Feldscherer, „keinen Saft auS der Apotheke! Der Verwundete ist wohl ein Verwandter von Euch"?

„Nein, blos ein von ihm mit der Bierkanne Ver­wundeter", fiel der Nadler ein, da der Leibschneider an­statt zu antworten die Augen niederschlug. A è

„Wird sehr erfreut darüber sein, der Kurfürst", sagte der Feldscherer spitz, „wenn er hört: wie der Bote seines SiegeS in Berlin empfangen worden ist".

„Ich springe in die Spree", schluchzte Meister Ham- rath.

„WaS das für Reden sind, Meister Hamrath", sprach Herr Peuker mit verweisender Stimme. „Glaubt Ihr, ein Unheil dadurch wieder gut zu machen, daß Ihr ein noch größeres begeht? Denkt an Euer Töchterlein, an Eure holdselige Lisbeth. Soll Euer Kind das Grab ihres Vaters an der Kirchhofsmauer suchen, wo nicht an einer