Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.
1850. — ^F 298.
Aus dem Leben eines Tattgenichts
Stimme vom Schlosse her Antwort. Ich dachte mir nun wohl, daß fie mich aufsuchen würden. Der Weg war mir unbekannt, die Nacht finster, ich konnte ihnen leicht wieder in die Hände fallen. Ich kletterte daher auf den Wipfel einer hohen Tanne hinauf, um bessere Gelegenheit abzuwarten.
Von dort konnte ich hören, wie aus dem Schlosse eine Stimme nach der andern wach wurde. Einige Windlichter zeigten sich oben und warfen ihre wilden rothen Scheine über daS alte Gemäuer deS Schlosses und weit vom Berge in die schwarze Nacht hinein. Ich befahl meine Seele dem lieben Gott, denn das verworrene Getümmel wurde immer lauter und näherte sich immer mehr und mehr. Endlich stürzte der Student unter meinem Baume vorüber, daß ihm die Rockschöße weit im Winde nachflogen. Dann schienen sie sich Alle nach und nach auf eine andere Seite des Berges hinzuwenden, die Stimmen schallten immer ferner und ferner, und der Wind rauschte wieder durch den stillen Wald. Da stieg ich schnell von dem Baume herab, und lief athemlos weiter in das Thal und in die Nacht hinaus.
Siebentes Kapitel.
Ich war Tag und Nacht eilig fortgegangen, denn eS sauste mir lange in deu Ohren, als kämen die von dem Berge mit ihrem Rufen, mit Fackeln und langen Messern noch immer hinter mir drein. Unterwegs erfuhr id' , daß ich nur noch ein Paar Meilen von Rom wäre. Da erschrack ich ordentlich vor Freude. Denn von dem prächtigen Rom hatte ich schon zu Hause als Kind viele wunderbare Geschichten gehört, und wenn ich dann an Sonntag-Nachmittagen vor der Mühle im Grase lag und Alles ringsum so stille war, da dachte ich mir Rom wie die ziehenden Wolken über mir, mit wundersamen Bergen und Abgründen am blauen Meere, und goldnen Thoren
(Fortsetzung)
Kaum war ich auf diese Art unten im Garten an, gekommen, so umarmte mich Jemand mit solcher Vehemenz, daß ich laut aufschrie. Der gute Freund aber hielt mir schnell die Finger auf den Mund, faßte mich bei der Hand und führte mich dann auS dem Gesträuch in's Freie hinaus.
Da erkannte ich mit Verwunderung den guten, langen Studenten, der die Guitarre an einem breiten seidenen Bande um den Hals hängen hatte. — Ich beschrieb ihm nun in größter Geschwindigkeit, daß ich auS dem Garten hinaus wollte. Er schien aber das Alles schon lange zu wissen, und führte mich auf allerlei verdeckten Umwegen zu dem untern Thore in der hohen Gartenmauer. Aber da war nun auch daS Thor wieder fest verschlossen! Doch der Student hatte auch daS schon vorbedacht, er zog einen großen Schlüssel hervor und schloß behutsam auf.
Als wir nun in den Wald hinaustraten und ich ihn eben noch um den besten Weg zur nächsten Stadt fragen wollte, stürzte er plötzlich vor mir auf ein Kniee nieder, hob die eine Hand hoch in die Höhe, und fing an zu fluchen und zu schwören, daß es entsetzlich anzuhören war. Ich wußte gar nicht, was er wollte, ich hörte nur immerfort: Iddio und cuore und amore und furore! Als er aber am Ende gar anfing, auf beiden Knieen schnell und immer näher auf mich zuzurutschen, da wurde mir auf einmal ganz grauslich, ich merkte wohl, daß er verrückt war, und rannte, ohne mich umzusehen, in den dicksten Wald hinein.
Ich hörte nun den Studenten wie rasend hinter mir vrein schreien. Bald darauf gab noch eine andere grobe
