Sogleich polterte er mich an: „Soll ich das Geld etwa verfressen oder versaufen? Hat es mir dazu der Großherzog geschenkt; oder um mich bei meinen Forschungen und Studien zu unterstützen? Mit diesem Gold will ich nach Rom oder Paris reisen, worüber ich noch unschlüssig bin; und dazu muß es ausreichen; folglich ist die größte Sparsamkeit nöthig".
Arendt nahm lebhaftes Interesse an dem Vereine für Herausgabe der deutschen Quellenschriftsteller, und las bei mir mit Aufmerksamkeit die damals erschienenen ersten Hefte des von der Gesellschaft herausgegebenen Archivs. Er hegte den lebhaftesten Wunsch, daß die Gesellschaft ihn in ihre Dienste nehmen und verschicken möchte, um Handschriften aufzusuchen und zu vergleichen. Hierzu wäre er ganz geeignet gewesen; und er machte.gar keine höhere Ansprüche als ihm nur soviel Geld zu geben, wie er bei seinen Fußreisen und bei seiner dürftigen Lebensart gebrauchte.
Eines Abends nahm ich ihn mit in eine Gesellschaft meiner Freunde, wo wir Gelegenheit hatten, seine Auffassungskraft, sein enormes Gedächtniß, und seinen lebendigen, klaren Vortrag zu -bewundern. Er schilderte uns die reichen Kunstsammlungen zu Paris und Nom, so zusammenhängend und vollständig belehrend und deutlich, als ob diese Schätze ihm gegenwärtig und seiner steten Aufsicht und Anordnung anverlraut seien. Zuletzt verfehlte er aber auch nicht, Einige, welche dumme Fragen an ihn richteten, aufs derbste zu hobeln und zurechtzusetzen. Er war dabei immer so humoristisch und komisch, daß die Getroffenen mehr verblüfft als beleidigt waren.
Sowie der alte Forscher alle konventionnelle Regeln der Gesellschaft bei Seite setzte, so bezeugte er mir doch große Achtung, und beobachtete daher auch immer noch einen gewissen Takt in seinem Benehmen gegen mich und mein Haus. Leider aber erfuhr ich bald von literarischen Freunden, an die ich ihn empfohlen hatte, daß er sich an mehreren Orten echtcynisch benommen, und den Leuten, trotz aller Gastfreundschaft, die gröbsten Dinge gesagt, Viele sogar aufs verächtlichste behandelt hatte. Den Dänen aber war er ein wahres Schreckbild.
Einige Zeit nachher lasen wir in den Zeitungen, daß er in der Nähe von Venedig als vermeinter Vagabond von Gensdarmen war aufgegriffen worden. Anstrengung, schlechtes Leben und Aerger zogen ihm ein hitziges Fieber zu, und er starb zu Venedig. P. Wigand.
Miszellen.
Die '[neueste] Dummer des von Bornstein redigirten „Anzeigers des Westens" in St. Louis erzählt folgendeBeispiele von dem unter den Uankees herrschenden Jenny>Lind-Fieber. In Providence hat sich eine sonst ungemein stolze Lady der bescheidenen Nachtigall als Kammermädchen angeboten, um nur immer in ihrer Nähe zu sein. In Neuyork hat sich eine Volontärkompagnie organisirt, die sich Jenny-LindsGuards nennt und herzlich schlechte Musik macht. Ein Oberst Roß zahlte 650 Dollars für die erste Eintrittskarte in ein Konzert der Lind und besuchte dasselbe gar nicht einmal. Ein Gentleman befand sich in Boston mit Jenny Lind in einem Zimmer, und bemerkte wie eine Fliege sich auf ihre Wange niederließ. Jenny jagte sie mit einer Handbewegung weg. Des Gentlemans Augen folgten der Fliege bis er sie auf einer Fensterscheibe still sitzen sah; hier fing er sie, steckte sie in seine leere Dose und drückte letztere inbrünstig unter Küssen an sein Herz.
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Jetzt bauen sogar unsere Gegenfüßler bereits Eisenbahnen. Jn^Australien hat man die Anlage der ersten bereits begonnen, die von Sydney beginnt; aber wohin sie führen wird, weiß diesen Augenblick noch Niemand. Nur so viel steht fest, daß sie die Richtung nach dem Innern erhält. Nach 50 Jahren — so wunderbar schnell entwickelt sich jenes Land, führt die Bahn vielleicht mitten durch die ungeheuern Einöden, die bis heute noch kein Reisender zu erforschen vermocht hat, Auch in Indien soll die erste Eisenbahn angelegt sein.
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In das Wiener Irrenhaus wurde am 6. Dez. ein beurlaubter Soldat aus Liesing gebracht. Derselbe behauptet in seinem Wahnsinn, es sei in einem Keller ein deutsches Schwert vergraben, mit welchem er allein ganz Deutschland für Kaiser Franz Joseph erobern könne,
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Aus dem Nachlasse Felix Mendelssohn-Bar- th o l dy's erscheinen so eben noch „drei Gesänge für eine tiefe Stimme", eine erwünschte Gabe, da der Meister deren bekanntlich sehr wenige geschrieben hat.
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„Punch" geißelt bereits die Uebertreibungen des religiösen Eifers bei den antipapistischen Kundgebungen. „Einer unserer Freunde", erzählter, „hat seinen Kutscher verabschiedet, weil der- selbe eine r ö m i sch e N a se hat". "
Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.
Theater zu Wiesbaden.
Dienstag den 17. Nov. Die Schweizerfamilie. Oper in 3 Auszügen. Musik von Joseph Weigl.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
