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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. M S97

Aus dem Leben eines Taugenichts.

(Fortsetzung)

AlS ich aus dem Gesträuch wieder hervor kroch, neigte sich die Sonne zum Untergange. Der Himmel war roth, die Vögel sangen lustig in allen Wäldern, die Thäler waren voller Schimmer, aber in meinem Herzen war es noch viel tausendmal schöner und fröhlicher!

Ja Ich rief in das Schloß hinein, daß sie mir heut das Abendessen in den Garten herausbringen sollten. Die Die alte Frau, der alte grämliche Mann, die Mâgve, sie mußten alle mit heraus und sich mit mir unter dem Baum an den gedeckten Tisch setzen. Ich zog meine Geige hervor und spielte und und trank dazwischen. Da wurden sie alle lustig, der alte Mann strich seine gräm« lichen Falten auS dem Gesicht und stieß ein Glas nach dem andern auS, die Alte plauderte in einem fort, Gott weiß was; die Mägde fingen an auf dem Rasen mit einander zu tanzen. Zuletzt kam auch noch der blaffe Student neugierig hervor, warf einige verächtliche Blicke auf daS Spektakel, und wollte ganz vornehm wieder wei­ter gehen. Ich aber, nicht zu faul, sprang geschwind auf, erwischte ihn, eh' er sich's versah, bei seinem langen Ueberrock, und walzte tüchtig mit ihm herum. Er strengte sich nun an, recht zierlich und neumodisch zu tanzen, und füßelte emsig und künstlich, daß ihm der Schweiß vom Gesicht herunterfloß und die langen Rockschöße wie ein Rad um uns herum flogen. Dabei sah er mich aber manchmal so kurios mit verdrehten Augen an, daß ich mich ordentlich vor ihm zu fürchten anfing und ihn plötz­lich wieder los ließ.

Die Alte hätte nun gar zu gerne erfahren, was in dem Briefe stand, und warum ich denn eigentlich heut auf einmal so lustig war. Aber daS war ja viel zn weitläufig, um es ihr auseinandersetzen zu können. Ich

zeigte bloS auf ein Paar Kraniche, die eben hoch über uns durch dle Luft zogen, und sagte:ich müßte nun auch so fort und immer fort, weit in die Ferne"!Da riß sie die vertrockneten Augen weit auf, und blickte, wie ein Basilisk, bald auf mich, bald auf den alten Mann hinüber. Dann bemerkte ich, wie die beiden heimlich die Köpfe zusammenstreckten, so oft ich mich wegwandte, und sehr eifrig miteinander sprachen, und mich dabei zuweilen von der Seite ansahen.

Das fiel mir auf. Ich sann hin und her, was sie wohl mit mir Vorhaben möchten. Darüber wurde ich stiller, die Sonne war auch schon lange untergegangen, und so wünschte ich Allen gute Nacht und ging nachdenklich in meine Schlafstube hinauf.

Ich war innerlich so fröhlich und unruhig, daß ich noch lange im Zimmer auf und nieder ging. Draußen wälzte der Wind schwere, schwarze Wolken über den Schloßthurm weg, man konnte kaum die nächsten Berg, koppen in der dicken Finsterniß erkennen. Da kam es mir vor, als wenn ich im Garten unten Stimmen hörte. Ich löschte mein Licht aus und stellte mich ans Fenster. Die Stimmen schienen näher zu kommen, sprachen aber sehr leise miteinander. Auf einmal gab eine kleine Laterne, welche die eine Gestalt unterm Mantel trug, einen langen Schein. Ich erkannte nun den alten grämlichen Schloß­verwalter und die alte Haushälterin.

DaS Licht blitzte über daS Gesicht der Alten, daS mir noch niemals so gräßlich vorgekommen war, und über ein langes Messer, das sie in der Hand hielt. Dabei konnte ich sehen, daß sie beide eben nach meinem Fenster hinaufsahen. Dann schlug der Verwalter seinen Mantel wieder dichter um und eS war bald Alles wieder finster und still.

WaS wollen die, dachte ich, zu dieser Stunde noch draußen im Garten? Mich schauderte, denn eS fielen