wissenschaftlichen Interessen eine Zeit lang an einem Orte aufhalte, so gehe er auf den Markt, kaufe eine Metze voll Kartoffeln, siede sie sich selbst, und lebe davon so lange sie reichten, und dann kaufe er sich wieder einen Vorrath: alles Uebrige sei Luxus; zehn Jahre habe er sich im Norden aufgehalten, bei den Bauern gelebt, wo meist Kartoffeln seine einzige Nahrung gewesen seien, habe Alter- thümer studirt und zu einer Onomastik gesammelt; dann sei er auch in Rom, Madrid, Paris gewesen, habe alle Reisen zu Fuß gemacht, und DieS nur durch die einfachste Lebensweise erreichen können.
Der Mann schien mir ein Fünfziger, und ich fühlte Mitleid mit seiner beschränkten Lage; ich bat ihn bei mir zu essen und sich eine etwas anständigere Wohnung aus- zusuchen. Er begleitete mich, und aß von nun an Mittags und AbenvS bei mir, wobei ich ihm auch zugleich ein Zimmer für seine Arbeiten anwies. Ich fand, daß er einen trefflichen Appetit hatte, und Alles was ich ihm vorsetzte, mit großem Behagen genoß; vorzüglich mundeten ihm meine ausgezeichneten Kartoffeln, die bei jeder Mahlzeit in Salzwasser abgekocht auf den Tisch kamen. Den Rest, der in der Schüssel übrig blieb, legte er in Beschlag, und stellte diese auf seinen Arbeitstisch, wo er während des Lesens bisweilen zulangte.
Uebrigens spielte er den Herrn in meinem Hause, polterte beständig, und schimpfte mich aus, daß ich ein ein so luxuriöses Leben führe, und zu viele Bequemlichkeiten mir angewöhnt habe. Da nun im Gegentheil mein Leben sehr schlicht und einfach war, und aus all seinem Poltern doch eine gewisse Gutmüthigkeit hervorleuchtete, so konnte ich ihm nur scherzhaft antworten und er verzog dann sein sehr ernstes Gesicht auch bisweilen zum Lachen, welches sich sehr komisch auSnahm.
Außer der Tischzeit las er und studirte beständig, fand sich auch Morgens schon um 4 Uhr bei seinem Arbeitstisch ein, und beschäftigte sich mit alten Handschriften und Urkunden. Eines Morgens wo ich um 5 Uhr aufstand und aus dem Fenster sah, bemerkte ich ihn schon im Küchenfenster liegend und eifrig in einem Buche lesend; er hatte die Zimmer noch verschlossen gesunden.
Ueber wissenschaftliche, namentlich historische Gegenstände sich mit ihm zu unterhalten, war eine Freude; er strotzte von Kenntnissen und sprach mit der größten Klarheit und Präzision. Sein Gedächtniß war enorm; denn da er stets wanderte und sich mit keinem gelehrten Bal« last umgeben konnte, so suchte er Alles, waS er in sich aufnahm, im Gedächtniß festzuhalten und so sich anzueignen.
Mit Ercerpiren und Schreiben beschränkte er sich daher möglichst; er schrieb eine klare, feste Hand, und daS
Denkwürdige was er sich notirte trug er mit Vleifeder auf dünnes Postpapier, das er so voll schrieb, daß die Züge beinahe ineinanderflossen. Dann zog er eS durch Wasser und ließ eS wieder trocknen, weil so die Schrift sich nicht verwischte. (Schluß folgt.)
M i SZ eilen.
(Eigenthümliche Fluth.) Bei St. Helena und Ascension, sowie auch zu Taheiti findet sich eine eigenthümliche Art von Anwogen des Meeres, das man Rollers nennt. Hr. Williams schildert das Phänomen, wie es bei Taheiti beobachtet wird, in folgender Weise: „Gewöhnlich einmal im Jahre, doch nicht selten auch zweimal rollt das Meer in schweren Wogen überdaS Riff und bricht sich mit Gewalt am Ufer; das bemerkenswertheste an dieser periodischen hohen See ist aber, daß sie unwandelbar vom Westen oder Südwesten kommt, also aus der entgegengesetzten Richtung, woher der Paffatwind weht. Die Ostseiten dieser Inseln leiden, so viel ich weiß, nicht durch diese Ueberschwemmun- gen". Aehnliche Erscheinungen hat man auch schon an den englischen Ufern beobachtet, und seit einigen Jahren werden sie zu Penzence (an der Küste von Cornvallis) genau verzeichnet; es sind dabei schon viele höchst auffallende Eigenheiten vorgekommen. Ein plötzliches Wiederkehren der Fluth und dann ein ebenso plötzliches Zurückweichen hat man auch schon an der Themse beobachtet,
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Einst unterhielt sich Göthe mit einemJena'schen Studenten auf dem Sopha fitzend von gewöhnlichen Dingen. Der Eintritt eines Freundes störte das Gespräch. Göthe ging ihm entgegen, begrüßte ihn, räumte ihm den Platz auf dem Sopha ein und —• Bruder Studio blieb unbeweglich sitzen. Göthe setzt sich auf einen Stuhl. Da sagte Göthe lächelnd: Ich muß die Herren doch einander vorstellen: Herr Studiosus P . . . aus Itzehoe; — Seine Durchlaucht der Herzog von Weimar.
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(Obstbäume in Sibirien.) Nach einer von der russischen „Landwirthschaftlichen Zeitung" (Semledjeltscheskaja Gaseta) mitgetheilten Notiz, hat ein Herr Sensinow einen gelungenen Versuch mit Anpflanzungen vonObstbäumen in Nertschinsk gemacht. Er lies aus dem kaiserlichen botanischen Garten zu Odessa, mit der Post zehn Kirschbäume kommen, die, in Kübel gepflanzt, sich mit Blätter bedeckten und jetzt von den Bewohnern jener nördlichen Stadt als Seltenheiten bewundert werden:
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(Neue Opern.) In Leipzig wird eine Oper von Julius Rietz, in Köln eine Erstlingsoper des dortigen Musikers Derckum, in Wien eine Oper von Dessauer „Paquita" einstudirt. Außerdem sind die neuesten Opern von Rossini, Auber und Halevh im Anzuge._____
Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
