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Wir waren aber kaum über Lindeuau hinauSgekom- men, als uns der polnische General Sokolnitzki (derselbe, welcher später in Warschau bei der Parade von dem scheu­gewordenen Pferde eines Uhlanen erschlagen wurde) mit einem kleinen Gefolge begegnete, den Wagen sogleich an­halten ließ und sich zu unS hineinsetzte, indem er unS eröffnete, daß ihn der Kaiser Napoleon beauftragt habe, nach Leipzig zu gehen, um Erkundigungen über den Stand der Dinge daselbst einzuziehen, daß er aber den Weg dahin sich ersparen wolle, da er von unS die nöthigen Nachrichten erhalten könne.

Wir fuhren darauf nach Lützen zu, von woher wir unausgesetzt Kanonen- und Kleingewehrfeuer vernahmen, und trafen an der Chaussee mehre Feldwachen, wo der General jedesmal den kommandirenden Offizier an den Wagen rufen ließ. Die Offiziere waren ziemlich ver­stimmt und Einer äußerte auf deS Generals Frage: „Cela ne va pas bien, mon général, le centre replie.“ Der General lachte dazu und versicherte uns, daß die Schlacht bereits gewonnen sei, indem er auf zwei Linien deS PulverdampfeS aufmerksam machte, wovon die eine jn schräger Richtung gegen die andere sich befand und nach Behauptung des Generals von dem Armeekorps des Vizekönigs von Italien herrührte, welcher die alliirten Ar­meen in die Flanken faßte.

In Lützen angekommen, befahl der General unserm Kutscher durch- und auf der Straße nach Zeitz fortzufahren; wir waren aber nicht weit zur Stadt hinausgekommen, als der Vorreiter die Pferde anhielt und mein Bedienter, der mit auf dem Kutschbock saß, zum Wagen hereinrief, daß auf dem Wege vor uns gewaltig geschossen werde. Der General aber ließ immer fortfahren indem er unS den Troste sagte: „Qn ne meurt qu'une fois“, und führte uns so bis vor die Reserve gerade neben eine Ambu- lance, wo er uns verließ und zu Pferde stieg, um den Kaiser aufzusuchen, unS aber anwieS, ihn auf diesem Platze zu erwarten, da er uns dem Kaiser anmelden werde, und eS möglich sei, daß unS derselbe sofort und aus dem Schlachtfelde selbst sprechen wolle. Hier befanden wir unS nun in keiner sehr angenehmen Stituation; hinter uns standen die Regimenter der Reserve, daS Gewehr beim Fuß, neben unS auf einer kleinen, am Rande eines Baches gelegenen und von einigen Weidenbäumen beschat­teten Wiese die Ambulante, zu welcher jeden Augenblick neben unserm Wagen vorbei Verwundete von ihren Ka­meraden geführt oder theils auf den Armen, theils auf aus Gewehren improvisirten Tragbahren gebracht wurden. Viele der Transporteurs, welche meistens junge Konskri- birte zu sein schienen, bezeigten eben keine große Lust, sich so schnell wieder in die Linie zurückzubegeben, wurden aber von den am Rande der Wiese aufgestellten GenSd'-

armen mit harten Worten, zuweilen auch mit der flachen Klinge dahingewiescn.

Vor uns, doch in schräger Richtung, so daß wir außerhalb der Schußlinie waren, stand die unaufhörlich aus Kanonen und Kleingewehrfeuer feuernde Kolonne, welche wahrscheinlich die linke Spitze deS Zentrums bil­dete. Ungefähr eine halbe Stunde lang, vielleicht auch länger, mochten wir dieses Schauspiel betrachtet haben, immer noch auf Nachricht von Sokolnitzki wartend, wel­cher jedoch, wie er mir später bei der Rückkehr der polni­schen Truppen aus Frankreich erzählte, von dem Kaiser sogleich auf dem Schlachtfelde mit einer Mission beauf­tragt wurde, wohin er sofort abgehen mußte und deßhalb verhindert war, uns wieder auszusuchen, als wir auf einmal eine Menge Fourgons und andere Wagen erblickten, welche aus Lützen herauskamen und im stärksten Galopp die Straße nach Weißenfels einschlugen l gleichzeitig trat die Reserve hinter uns ins Gewehr und ein Offizier trat an unsern Wagen', um unS mitzutheilen, daß die Kosacken auf der Straße von Leipzig nach Lützen kurchgebrochen wären, und daß eö möglicherweise auf dem Platze, wo wir unS befänden, zum Gefecht kommen könne, weßhalb er uns rathen wolle, einen sicherern Ort aufzusuchen. Wir fuhren deßhalb nach Lützen zurück, in der Absicht, dort eine Seitenstraße aufzusuchen, um den etwaigen Kriegs­sturm vorbeipassiren zu lassen, allein schon am Thore begegnete uns der Secrétair-intrepréte deS Kaisers, Le- lorg ne d'Jdville, welcher mit Dufour persönlich befreun­det war, Sokolnitzki sehr tadelte, daß er uns^auf das Schlachtfeld geführt habe, wo und der Kaiser in keinem Fall würde vor sich gelassen haben, und uns anwies, unS in das Posthaus zu Lützen zu begeben, wohin er uns würde anzeigen lassen, wenn der Kaiser uns zu em, pfangen bereit sei. (Forts, folgt.)

Gedichte von Julius Sturm.

(Fortsetzung.)

Das zweite Buch beginnt mit dem schönen Spruch:

„Deutsche Kunst und deutscher Wein,

Deutscher Minne Edelstein,

Deutscher Fleiß in goldnen Au'n.,

Kühne Männer; keusche Frau'n,

Deutscher Handschlag, deutsches Wort,

Deutscher Treue starker Hort,

Deutschen Glaubens Heilger Gral,

Deutscher Schlachten SiegeSmal:

Denkt er euch, wie hebt sich dann

Stolz die Brust dem deutschen Mann"!

Die Gedichte dieses Buches sind von ungleicherem Werth, als die des vorigen, ja einzele wenige darunter