glaubt, das kräftige Thier müsse von dem Sturze gestorben fein und sein Reiter mindestens Arm und Bein gebrochen haben. Zwei Sekunden darauf langte ein Rittmeister, der dem Dragoneroffizier der nächste gewesen war, am Ziele an und wird zum Sieger ausgerufen. Während dieser Zeit richten sich das gefallene Pferd, wie sein Reiter, so gut es geht, wieder auf. Der junge Thierry machte traurige Anstalten, sich zu entfernen, nur in etwas tröstet durch die Zeichen von Theilnahme, welche er von den Zuschauern empfängt, da ruft Napoleon auS: — Nein, keineswegs, der Gestürzte muß den Preis bekommen!
Die Kampfrichter, welche ihn umgaben, machen ihm ehrfurchtsvoll bemerklich, daß dieser Offizier nicht die Bedingungen erfüllt habe und daß sich mit dem Pferde wälzen nicht laufen heiße.
— Darauf kommt es nicht an, entgegnete der Kaiser, man muß nicht die Mittel prüfen, sondern daS erreichte Ziel, der Zweck rechtfertigt die Mittel. — Gewiß, Sire, indessen . . .
— Dieser Offizier ist mit seinem Pferde zuerst angekommen, er muß den Preis haben, davon gehe ich nicht ab.
— Aber, Sire, Ew. Majestät . . .
— Vielleicht ist das so die Art der Herren Dragoner, unterbrach sie der Kaiser, auf diese Weise zu rennen. Und Sie, meine Herren, die Sie stets behaupten, daß unsere Reitmethode fehlerhaft ist, und unaufhörlich Neuerungen in unserer Reitschule einführen wollen, nun gut, das ist eine! An diese haben Sie freilich nicht gedacht und ich eben so wenig, das muß ich gestehen. UebrigenS gibt es ein sehr einfaches Mittel, die Sache zu ordnen: welches ist der einzige Zweck eines Rennens? fragte er den General, der das Amt eines Präsiventen hatte. Hat es nicht zum Zweck, ein Pferd vor den anderen an einem bestimmten Punkte ankoinmcn zu lassen?
— Allerdings, Sire ; indessen glaube ich, daß . . .
— General, antworten Sie mit Ja und Nein; Ist das Pferd deS Dragoneroffiziers vor dem des Rittmeisters angekommen ?
— Ja Sire, aber. . .
— Das genügt. Da es nun feststeht, daß Thierry'S Pferd den Preis des Renpens gewonnen hat, so soll man auch dem Pferde die zwölfhundert Franks geben. Da nun aber das Pferd keine Quittung über diese Summe geben kann und doch die Sache stets regelmäßig abgemacht werden muß, fügte er hinzu, indem er ernst zu bleiben versuchte, so soll sein Herr die Quittung geben und dafür daS Gelv in Empfang nehmen. Darauf wandte er sich an den Großmarschall deS Palastes, Du-
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Druck und Verlag der L. Schellenberg'sch
roc: Sie werden in die Hände des Lieutenant Thierry, denn ich mache ihn zum Lieutenant, die Summe vo« zwölfhundert Franks zahlen lassen. Adieu, meine Herren (Schluß folgt).
Miszellen.
Königsberg ist in jüngster Zeit der Schauplatz^eim recht seltsamen Diebsgeschichte gewesen. Eine nicht gerade unbe mittelte Näherin fand Abends nach Hause kommend, ihre Woh- nung ausgeräumt. Vergebens war ihr Forschen nach den Dieben, Acht Tage später fand sie einen Zettel an die Hausthüre befestigt, auf dem bemerkt war, daß ihre Silber- und Goldsachen von bei Dieben bei einem bekannten Diebshehler versetzt seien, und ms sie am nächsten Freitag nach der polnischen Kirche gehen mögt wo ein Brautpaar getraut werden würde. Der Bräutigam werd! einen aus dem ihr gestohlenen Tuchmantel gefertigten grünen Rock, die Braut das ihr gestohlene seidene Kleid und die Brautjungfern ihre kattunenen Kleider tragen. Die Näherin macht! sofort einen Polizeibeamten Anzeige und dieser schickte an dem bezeichneten Freitag einen Gensd'arm in Zivil mit der Näherin in die Kirche. Man fand hier alles so, wie der Zettel angegeben hatte; auch die Brautjungfern in den Kattunkleidern der Näherin^ fehlten nicht. Der Gensd'arm, welcher in den Personen dieses: Hochzeitzuges sogleich bekannte Observaten erkannt hatte, befahl: den Kutschern insgeheim, nach der Trauung sogleich nach benf Jnquisitoriat zu fahren. Als die Trauung vorüber war, bat der! Gensd'arm, mit in den Wagen steigen zu dürfen. Das wurdes ihm gewährt und bald hielten die Neuvermählten vor dem Gefängniß, das trotz alles Sträubens sowohl die Hochzeiter wie deren Gäste zwischen seine nackten Wände aufnahm.
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Einem Privatbriefe aus Kurhessen entlehnt die „N. Preuß. Ztg." folgende hübsche Anekdote: Während des Waffenstillstandes verkehrten häufig die preußischen und bayerischen Offiziere mit einander auf den Vorposten. Bei einer solchen Unterhaltung nahm ein bayerischer Offizier mit den prahlenden Worten Abschied : „Na, Herr Kamerad, zu Weihnachten werden wir im Berliner Opernhause seyn!" — „Ich bedauere", lautete die Antwort, „wir pflegen unsere Gefangenen ohne Weiteres nach Spandau zu schicken"! _
Verantwortlicher Redakteur: Dr. Ä. Boczek.
Theater zu Wiesbaden.
Samstag den 30. Nov. Fidelio. Große heroische Oper in 2 Akten von N. Treitschke. Musik von L. van Beethoven.
Hof-Buchhandlung in WieS b sd en.
