deßwegen, wie er meinte, weil er die Mädchen nur zu gut kannte.
Es sei nicht Alles Gold, was glänze, und die Mäd, chen zeigen den Burschen gewöhnlich nur das Glänzende, pflegte er zu sagen, und daS zu sehen, was nicht glänze, werde meist erst dem Ehemann zu Theil. Dieses zu beweisen, wußte er Beispiele von Exempeln anzuführen, daß Einem fast schwarz vor den Augen wurde. Er wüßte wohl, sagte er, zu einer reichen und hübschen Frau zu kommen, aber er wolle auch eine sreine (gutmüthige), fromme, fleißige, denn was hülfen ihm Schönheit und Geld, wenn Zanksucht dabei sei und Kupsucht (Schmollsucht) und wie die Suchten alle heißen mögen? Ein zanksüchtig Mädchen gebe eine alte Here , sagte er, einem kupsüchtigen saure alle Milch im Keller und es kriege zuletzt ein Gesicht, gegen welches ein altes Juden- krös ein Prachtstück sei. Von einem geizigen Mädchen wolle er gar nicht reden, daS werde ja zuletzt ein Geschöpf, gegen daS der alte Drache auf der Gysnaufluh ein purer Engel sei. Nun sei aber das Verflüme- retste, das man nie recht wissen könne, ob man eine Here, ein alt JudenkröS, oder den alten Drachen selbst inS HauS kriege, denn alle diese Gräuel seien meist schon im Mädchen eingepuppt hinter glatter Mädchenhaut verborgen, und gar oft mache daS Mädchen vor dem Hause und hinter dem Hause und besonders im WirthShause das zärtlichste Gesicht, dem im Hause der Drache fußlang aus den Augen sehe, und seine Krallen schon im Ankenhafen und in der Tischdrucke habe. Sobald ein MannSgesicht über die Küchenthüre hineinsehe, fahre der Drache in seine Höhle, und während daS Mädchen Holdselig lächle, wetze der Drache seine Krallen und denke: Warte nur bis ich dich habe, dann will ich dich!
Auf das Berichten von anderen Leuten könne man sich auch nicht verlassen, am allerwenigsten Einer, der heiralhen j wolle. Von allen Seiten werde er angelogen. Man be- I zahlte Leute, welche das Mädchen bis in den Himmel, erheben sollen, und bezahle wiederum Leute, die es auS zumachen hätten, als ob es in keinem Schuh gut wäre, und man mit ihm ein B'schüttiloch vergiften könne. Da möchte er doch wissen, wer so eine feine Nase hätte, daß er immer richtig unterscheiden könne, ob die Leute bezahlt seien um zu schelten, oder bezahlt zu loben, oder gar nicht bezahlt. Nun möchte er wohl eine Frau, allein so hineintappen und einen Schuh voll herausnehmen, das doch auch nicht. Wie das aber zu vermeiden sei, es auSzw sinnen, habe ihn schon oft fast wirbelsinnig gemacht.
Wenn Joggeli, der doch zu Kilt gehen, und aus Pflanzplätzen und Allerlei sonst immerhin in eiwaS auf die Tüchtigkeit eines Mädchens schließen konnte, in solcher Verlegenheit war, in welcher muß da nicht ein Stadtherr
sein, der die Stadtmädchen nur an Bällen, in Soireen in der Komödie, oder in einem Konzerte sieht: der, er mag es machen wie er will, nur ihre Sonntagsgesichter erblickt, keine Arbeit von ihnen zu Gesicht bekommt, ja selten mehr ihre Hände ohne Handschuhe? —
(Fortsetzung folgt.)
Das Wettrennen.
Es war höchst merkwürdig und charakteristisch im Lager von Boulogne, die alten Soldaten zu sehen, die vor dem Feinde so furchtbar waren, wie sie sich den unschuldigsten und friedlichsten Vergnügungen hingaben, als wären sie Kinder. Fast alle Abende versammelten sich die Grenadiere der alten Garde auf dem weiten Rasenplatz, welcher bas Zelt des Kaisers umgab. Der Korporal Morland, welcher mit seiner Eigenschaft eineö Fechtmeisters zugleich die eines Tanzlehrers verband, nahm dann seine Geige, die bisweilen, wie die Paganini's, nur mit zwei oder drei Saiten bezogen war, und gab einigen seiner Kameraden Tanzunterricht, indem er ihre AffembleS und Ballotes mit seinem kreischenden Instrumente begleitete, aus dem er nach deS drolligen Pomayroks Aussage Akkorde hervorlockte, die eine süße Sau^e hätten sauer machen können.
Diese Spiele belustigten den Kaiser sehr, der hinter der Jalousie seines Speisezimmers stehend, bisweilen zusah. Niemand schien glücklicher zu sein als er, wenn einer seiner alten SapeurS von der italienischen oder ägyptischen Armee mit dem grau werdenden Barte, dem verwitterten Gesicht, den trockenen Beinen sanft und gefällig, wie sie fast Alle waren, um sich seinen Kameraden nützlich und angenehm zu machen, darein willigte, die Tänzerin zu übernehmen. Man mußte den friedlichen Haudegen die Poule mit Pomayrol machen sehen, welcher lachte, schrie, zappelte, rechts und links Entsetzen erregende Entrechats schlug und stets außer dem Takt links Rippen und rechts Fußstöße austheilte zur großen Verzweiflung Morlands, den die Vermessenheit seines Antagonisten auf's Tiefste empörte, denn der ganze Tanz deS guten Provenzalen hatte — nichts Klassisches, und näherte sich sehr stark der berühmten modernen Cachucha. Der Kaiser wollte sich dann Halbtod lachen, er war wirklich glücklich über die Lustigkeit seiner vielgeliebten Soldaten.
Manchmal wieder kamen seine allen Schnurrbärte, welche stets die Verse der neuesten Gelegenheitslieder auswendig wußten, und sangen unter seinen Fenstern: Die Landung in England, und wiederholten den Refrain des einen VerseS:
