Der Wanderer.
----- a 16M g~ ----- Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — M S78.
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Die Galeere des Herzogs von Vivonne
Novelle aus dem Französischen von Fr. Bouffier.
(Fortsetzung.)
Unzählige Male wollte der gute Guillard in das «e« heimnißvolle Atrium seines Pflegesohnes dringen; unzählige Male hatte er es unter allerlei Vorwänden versucht, die er, wenn sie sich ihm nicht von selbst darbieten wollten, herbeiführte; immer empfing ihn Philipp an der Schwelle dieser isolirten Stätte und wies, wie der die Gärten der Hesperiden bewachende Drache, die unbescheidene Neugierde deS Schreibers zurück. Diese außerordentliche Vorsicht, dieses geheimnißvolle Benehmen machten den alten Guillard, der immer Philipp mit dem Herzen eines Vater liebte, fast verzweifeln.
„Er mißtrauet mir", rief der Greis oft mit Bitterkeit. „Er verbirgt sich, er untersagt mir den Eintritt in sein Heiligthum. Was macht er allein, immer in dieser Zurückgezogenheit? Sollte er etwa dort teuflische Künste treiben? sollte er eine verbrecherische Mischung der Metalle versuchen? — „Ach, nein, nein", entgegnete sich selbst der Schreiber, „fort mit diesen schlechten Gedanken, mit diesen unedlen Vermuthungen; Philipp ist ein rechtschaffener Mann, ein talentvoller Künstler; der Verdacht eines Verbrechens hat nichts Unreines in seiner Seele | noch in seinen Handlungen zurückgelassen. Er kann Alles thun, nur das Schlechte nicht. So will ich mich denn beruhigen, ihn handeln lassen, wie er will, und sein Geheimniß ehren. Früher oder später werde ich schon in! den Besitz desselben gelangen. Philipp ist mein Kind, : und er schuldet mir noch ebensowohl daS Geständniß! seiner Leiben als seiner Freuden".
Diesen Entschluß einmal gefaßt, versuchte der Schreiber nicht länger mehr in das Geheimniß der Werkstätte Philipps einzudringen.
Philipp bemerkte diese Veränderung und sagte eines TageS:
„Mein theurer Pflegevater, eS scheint mir, daß Eure Versuche, in mein Atrium einzugehen, weniger häufig als sonst sind".
„Weniger häufig? sagst Du, Philipp", erwiderte Guillard, „sage lieber, daß sie gar nicht mehr vorhanden sind".
„Und warum sind sie denn gar nicht mehr vorhanden? mein lieber Vater", fragte Philipp.
„Mein Freund, erinnerst Du Dich nicht mehr eines gewissen Mährchens von Perrault, der Blaubart, welches ich Dir, Dich zu unterhalten, vorlaS, als Du klein warst? ES sind 15 gute Jahre wenigstens seitdem; PerraultS Mâhrchen waren damals noch ganz neu, Du wärest noch Kind, und ich war noch nicht sehr alt".
„ Ich erinnere mich vollkommen dieses hübschen Mährchens".
„Nun wohl, so kannst Du auch noch nicht deS fürchterlichen KabineteS, in daS der Blaubart bei Todesstrafe feiner Frau einzutreten verbot, vergessen haben?
„Sehr wohl".
„Sie trat dennoch ein, die gute Frau, und ihre Neugierde wurde auf eine harte Probe gesetzt, denn sie fand darin nur zwei Kadaver".
„Mein Vater, was hat das Kabinet Blaubarts mit meinem Atelier gemein" ?
„Nichts, ich bin davon überzeugt. Aber ich, ich habe die Lehre dieses herrlichen Mährchens wohl verstanden", beherzigt, und man kann sie in tausend Fällen deS Le, Hens anwenden. Die Neugierde trägt ihre Strafe in sich, und ich habe nicht bestraft sein wollen. Da ist der Schlüssel meines Betragens".
Phil, verstand den indirekten Vorwurf, und die Hände I des Greises voll innerer Bewegung drückend, sagte er;
