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Siege. „Und", fuhr Goguelat fort und zeigte auf Gen, drin, der ihm mit der den Tauben eigenthümlichen Auf­merksamkeit in'S Gesicht sah, „dieser Mann ist ein ausge­dienter Soldat, ftin Soldat von Ehre, der Euere größte Achtung verdient."

„Ich habe den Kaiser gesehen, wie er aufrecht und unbeweglich in der Nähe der Brücke stand. Es fror ihn nicht."

„Ging das mit natürlichen Dingen zu?"

„Er sah den Verlust seiner Schätze, seiner Freunde, seiner alten Egyptier. Bah! Alles ging dort hinüber, die Frauen, die Fourgons, die Artillerie, aber Alles war zu Schanden gegangen, Alles ruinirt. Die Muthigsten bewachten die Adler; denn die Adler, müßt Ihr wissen, die bedeuteten Frankreich, die bedeuteten Euch Alle, sie bedeuteten die Ehre des Zivils und deö Militärs, die unverletzt und rein bleiben mußte, und den Kopf nicht

lassen durfte wegen der Kälte.

Nur in der Nähe

Kaisers wurde Einem wieder warm;

wann er in

Nefahr war, da liefen wir zu Hülfe, und wann wir an« gefroren waren; wir, die wir nicht anhielten, um unse- en besten Freunden die Hand zu reichen. Man sagt uch, er habe die ganze Nacht über um seine armen Kinder, seine Soldaten geweint. Nur Er und seine Fran­dsen waren da, um sich aus diesem Elende herauszu- ehen; und man hat sich herausgezogen, aber mit großem Verluste, wie gesagt. Die Alliirten hatten unsere Lebens- littel aufgefressen; Alles fing an, ihn zu verrathen, wie s ihm der rothe Mann vorausgesagt hatte.

Die elenden Schwätzer in Paris, welche seit der Errichtung der kaiserlichen Garde mäuschenstill gewesen daren, glaubten ihn schon todt, und zettelten eine Ver­schwörung an, in die sie auch den Polizeipräfekten Hinein­ogen, um den Kaiser zu stürzen. Er erfährt diese Sa- )en; daS wurmt ihm, und nachdem er abgereift war, ieß er uns sagen: „Adieu, meine Kinder, behauptet ure Posten, ich kehre bald wieder zu Euch zurück".

(Fortsetzung folgt.)

Acht Jahre verlobt

(Schluß).

Der arme Dorfschnlmeister umschlich schon feit einer Ltunde den Garten und schaute durch die hohen grünen Hecken, ob er nicht seinen Patron erblicke. Er mußte mit hm sprechen, er mußte ihm seine Lage schildern, seine Herzensangelegenheit.

„Pst! heda, Herr Kantor, nur herein"! rief plötzlich Himmel, der in den Gängen auf- und abgehend, seiner ansichtig wurde.

Unter tiefen Verbeugungen trat Wilhelmi ein. Der Kapellmeister ging fröhlich auf ihn zu und reichte ihm, wie einem alten Bekannten traulich die Hand.—„Setzen wir uns da unter die Buche".

Es geschah und der Kantor mußte nun seinen Le­benslauf erzählten. In gewählten Worten ging dieß vor sich. Nichts wurde verschwiegen, dem Herrn Kapellmeister wurde Alles offenbart, selbst die Hauptsache, seine Liebe, sein höchster Wunsch: die Verbindung mit seiner Maria.

„Acht Jahre verlobt"? rief Himmel. Ein Mann mit solchen Kenntnissen eine so geringe Stellung? Bei allen neun Musen! dieß geht nicht und — Herr Kantor, ich will Euch eine bessere Stelle verschaffen; nicht hier, in der Mark. Ich will Morgen an den Kirchen-Patron schreiben".

„In der Mark"! flüsterte Wilhelmi, „dort, wo die • dunkeln Fichtenwälder, in dem Sand der Mark. Verlassen

mein schönes Elbiha!"! — Wehmüthig blickte er hin über die Weinberge, als auf einmal der Freiherr an der Seite des Kapellmeisters Naumann die beiden Orgelvir­tuosen überraschte.

„Aha, Herr Kapellmeister! Sie wollen mir doch nicht etwa meinen Schulmeister entführen"? ließ sich der Baron vernehmen.

„Leicht möglich!" entgegnete Himmel und ging dem Herrn Patron entgegen.

Jetzt sah Wilhelmi, wie sich der brave Kapellmeister mit dem Freiherrn unterhielt. Sie gingen langsam den Gang hinauf. Der Kantor folgte mit den Augen jedem Schritt, jeder Bewegung, und nach dem Wege, welchen Beide nahmen, mußten sie wieder an der Bank vorbei­kommen, auf welcher Wilhelmi sitzen blieb. Welche Un­ruhe, sein Herz klopfte, vielleicht wurde jetzt seine Zu­kunft entschieden.

Noch ehe die Spaziergänger wiederum die Bank er­reicht und vielleicht noch zwanzig Schritte davon entfernt waren, winkte der Freiherr gnädig mit der Hand.

In ehrerbietiger Stellung stand der Schulmeister vor seinem Patron, der jetzt sehr mild und freundlich ge­stimmt war.

„Hör' Er, Wilhelmi, hier der Kapellmeister hat für Ihn das Wort genommen, ich habe mir die Sache über­legt, Euer Wunsch soll in Erfüllung gehen. In Hinsicht des vortrefflichen Orgelspiels und sonst guter Conduite, soll Euer Gehalt um das Doppelte erhöht werden, habe auch Nichts dawider, wenn Ihr heirathen wollt. Meinet­wegen schon morgen".

Die Hand auf das Herz gelegt, denn Worte gab eS nicht her, dankte er seinem Herrn, dann aber erfaßte er die Hand deS Kapellmeisters, der sie ihm herzlich drückte und Heil und Segen wünschte.