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die Tasten und das Lied: „Auf Gott und nicht auf mei­nen Rath" tönte in nie geahnten Klängen durch daS Kirchlein.

An einem Sommerabend, es war Sonnabend, faß Wilhelmi in seinem traulichen Stübchen und bereitete sich auf den Gottesdienst des folgenden Tages vor. .

Wie rein und nett das kleine niedliche Zimmer, des­sen Fenster von Weinranken umhüllt waren. Auf einem bescheidenen Bücherbrett gewahrte man mehrere pädago­gische Schriften und auf dem Klavier mehrere Moten, worunter sogar ältere musikalische Skripturen, als: An­dreas Werkmeisters „Musikalisches Sieb" und Lorenz MitzlerS: „Mu sika li scher S ta arstech e r". Dann in einem etwas massiven Einbande die chromatische Fantasie und Fuge von Sebastian Bach, ein Erbstück sei­nes Vaters, welcher links vor dem Titelblatt mit verschie­denen Schnörkeln die Worte geschrieben: Fantasia chro- matica, bleibt schön in alle Saecula.

Außerdem bemerkte man noch MatthesonS: „Organi- sten-Probe", Emanuel Bach's „Versuch über die wahre Art Klavier zu spielen" und etliche Hiller'sche Sonnetten, die der wackere Kantor auS seinem musikalischen Archiv hervorgesucht, um sie beim Klavierunterricht anzuwenden den er seit einem Jahre dem jüngsten Töchterlein seines Herrn Pfarrers ertheilte.

AIs der Schulmeister sich vom Klavier erhoben und die Schwingungen eines vollen Akkordes noch fort tön­ten , weckte ihn das Rasseln eines Wagens, welcher die Dorf-Gasse herab kam und auf das Herren-Haus zulenkte.

Wilhelmi trat vor die Thür; kaum hatte er aber die Schwelle überschritten, als er mit größter Eile die Mütze von seinem Haupte nahm und einen unterthänigen Servus ! machte.

Im Wagen saß der Herr Kapellmeister Naumann aus Dresden, ihn zur Seite ein Mann, aus dessen Ant­litz die höchste Freude des Lebens hervorstrahlte, jeder Zoll ein G-dur-2lffotb. ES war der Komponist der Oper „Fanchon", eS war der königlich preußische Kapellmeister Himmel.

„Ach"'.seufzte unser Schulmeister, als der Wagen in den Hof des Schlosses eingefahren, „was bist Du ein armer Schächer gegen den dort. Ruhm, Ehre, Alles wird dem Herrn Kapellmeister Naumann zu Theil; vielgereist, viel erfahren und in Dresden eine Stelle als Oberkapell- Direktor mit einem Jahresgehalte von dreitausend Tha­ler. — Dreitau..... und ich, ich der Schulmeister Wilhelmi jährlich hundertzwanzig Thaler. Noch wollte ich nicht murren, wenn eS mir vergönnt wäre, sie mit

meiner Maria zu theilen, dies aber scheint mir nicht to schieden zu sein". (Forts. folgt.)

Dicht erleben.

3. Tod.

Ha! sieh! In dunkler Nacht ein brennend HauS! Die Flammen leuchten weit ins Land hinaus, — Dte Feuerfunken fliegen in die Ferne, Wie tausend goldnc neugeborne Sterne!

Hier zünden sie mit ihrer Feuerhand Zn hellem Lohen einen neuen Brand, Den Himmel selbst mit rothem Schein verklärend; — Versterben dorten, — einsam sich verzehrend.

Und wie die Gluth hoch ihre Fahne schwingt, — Vom Thurm die Glocke Feuerlieder singt, — Sieh da! mit Spritzen und mit Eimern kommen Zum löschen die Philister angstbeklommen.

Und spritzen in die purpur-reine Gluth Schlammigen Wassers eine ganze Fluth, — Bis krachend nieder ist das Haus gesunken, Bis ausgelöscht der letzte Feuerfunken.

Mich däucht, was ich gemeint, hast du geahnt, An eines Dichters Herz hat dich's gemahnt, Das aufgeglüht in göttlich-reinen Flammen, Geschmäht, bricht wie ein brennend Haus zusammen. Hachenburg. W. Keim.

Miszellen.

Vor einigen Tagen blätterte ich wieder einmal in H. vor Arnim's „handelspolitischem Testamente", welches bekanntlich ein energisches Differentialsystem befürwortet. Es trägt «Ö Motto die Erzählung: „Einem Franzosen, einem Engländer und einem Deutschen wurde einstaufgegeben, ein Kameel zu zeichne Der Franzose ging in den Jardin des plantes und lieferte rasch eine geistvoll aufgefaßte, wenn auch nicht ganz getreue Ab­bildung. Der Engländer reiste nach Afrika und brachte ein wahr­heitsgetreues Portrait in kurzer Zeit zurück. Der Deutsche da­gegen schloß sich in sein Studirzimmer ein, um das Kameel nach seinen tiefinnersten sittlichen Bewußtsein zu konstruiren. ®i^ rem Vernehmen nach ist er noch immer an der Arbeit" !

Verantwortlicher Redakteur: Dr. 21. Boczek.

Theater zu Wiesbaden.

Dienstag den 12. Nov. Marie, die Regimentstochtck Oper in 2 Akten. Musik von Donizetti.

Druck und Verlag der L. Schellenbergschen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.