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Aufopferung, Philipp, welcher ist er? ich frage Dich, als Vater, als Freund".

„Sie glauben, mein theurer Pflegevater, daß ich mich aus Aufopferung zu einem Verbrecher gemacht"? fragte der junge Arbeiter sanft und mit ruhiger Stimme.

„Ich bin davon überzeugt, Philipp".

„Sie können sich irren, lieber Vater".

„Ich glaube es nicht".

„Verzeihen Sie mir. 5 Jahre sind höchstens bald verflossen für mein Alter, und bei meiner Rückkehr werde ich Ihnen das ganze Geheimniß entdecken — wenn ein solches vorliegen sollte".

„Also", erwiederte traurig der Schreiber, du ver­weigerst deinem Pflegvater, deinem alten Freunde, dem, der seit deiner Kindheit mit der Besorgtheil eines Vaters über dir gewacht hat, die Freude, dich eines Verbrechens unschuldig zu sehen, das du im Begriffe bist während fünf langer, langer Jahre unter Bösewichtern und Ban­diten abzubüßen" ?

Ein leichter Schauer durchzuckte die Züge des jungen Mannes. Er hob seine Ketten empor und erwiderte:

„Mein Körper kann mit Ungeduld diese schweren Ketten tragen; aber meine Seele ist frei und rein unter diesen dunkeln Gewölben, und sie wird sich selbst in der Mitte dieser abscheulichen Gesâhrten frei und rein er­halten". —

„Nun denn I Herz von Stahl", sagte der Schreiber, die Zärtlichkeit, die Freundschaft sollen deinen festen Muth nicht erschüttern. Ich habe Alles errathen, ich habe Alles durchschaut, du kannst mir Nichts mehr mittheilen. Phi­lipp, tu bist nicht schuldig, du trägst hier die einem An­dern bestimmten Ketten .... Möge diese Aufopferung ohne Gleichen von diesem Augenblicke an gelohnt werden durch den, "ber Alles sieht, und später auch in den Augen der Welt ihre Würdigung finden. Du erträgst die Schmach aus Dankbarkeit oder übergroßer Liebe!

„Mein theurer Pflegvater".

„Schweige Philipp, schweige mein Kind", unterbrach ibn der Schreiber, „ich will nicht länger daS Heiligthum deiner Brust zu öffnen suchen; ich habe den Schlüssel dazu in meinem Herzen. Sprechen wir nicht mehr von dem, was geschehen ist. Du kennst mich, ich bin ein christ- lieber Philosoph, selbst ein wenig Stoiker, und so habe ich denn einen besondern Gesichtspunkt, von dem ich die Menschen und ihre Handlungen beurtheile. Ohne Vor- urtheile gegen mich, habe ich es mir zum Gesetze gemacht, die Meinungen der Andern zu ehren. In Folge dieses Grundsatzes werde ich mit dir, mein lieber Philipp, wann du deine Schulden der menschlichen Gesellschaft bezahlt haben wirst, auswandern. Einiges schon seit 30 Jahren mühefam zusammengerafftes Vermögen wird uns in den

Stand setzen, uns nach den spanischen Kolonien einschif, fen zu können. Dein Talent in der Goldarbeiterei wird dich nicht der Mittel, ehrlich auszukommen, ermangeln lassen, denn die Frauen dort sind schön und gefallsüchtig, und die Priester reich und vielvermögend. Deine Kunst, wie du weist, lebt nur durch das Heiligthum und das Vergnügen: Gott und die Liebe, die Liebe und Gott, diese zwei große Herren, oder besser, dieser einzige Herr der Welt. So werden wir denn nach Neuspanien reifen, und du wirst da vergessen, du wirst am Busen der Kunst glücklich und zufrieden leben". (Forts, folgt.)

Napoleon im Munde des französische« Volkes.

(Fortsetzung.)

Als Napoleon in Egypten Alles verloren sah, sag!! er bei sich selbst : „Ich allein kann Frankreich retten, iâ weiß, ich muß hingehen". Aber Ihr müßt mich wohl verstehen, die Armee wußte nichts von seiner Abreise, sonst hätte sie ihn mit Gewalt zurückbehalten, um ihn yi« Kaiser des Orientes zu machen. So waren wir denn auch ganz niedergeschlagen, als er nicht mehr bei uns war; denn er war unsere Freude. Er übergibt sein Kolli« mando an Kleber, einem tüchtigen Haudegen, der von einem Egypter ermordet wurde, den man aâ, einem Bajonette spießte, was in diesem Lande so viel als daS Guillotiniren bei uns ist. Der arme Teufel mußte aber so viel dabei leiden, daß ein Soldat Mitleiden mit ihm hätte, und ihm seine Feldflasche hinreichte. Kaum hatte der Egypter einige Züge daraus gethan, so ließ er seine Augen mit einem unaussprechlichen Vergnügen herumlau« fen. Doch wir wollen unS nicht mit solchen Kleinigkeite«. aushalten. Napoleon stieg in eine Nußschalle, in ein kleines Fahrzeug, das Glück genannt; und ganz England zum Trotze, daS ihn mit Linienschiffen, Fregatten, und Allem, waS nur Segel aufsetzen konnte, blokirt hielt, landete er in einem Augenblicke in Frankreich; denn er hatte von jeher die Gabe besessen, mit einem Schritte die Meere zu passiren".

„Ging das mit natürlichen Dingen zu" ?

Bah! Sobald er mit einem Fuße zu FrojuS anS Land gestiegen war, befand er sich so zu sagen mit dem anderen schon in Paris. Hier betet ihn Alleö an; aber was thut er? Er läßt die Negierungsleute zusammen« rufen. „WaS habt Ihr mit meinen Kindern, den Sob daten gemacht" ? sagte er zu den Advokaten. „Ihr felD Spitzbuben, die sich gern vom Marke Frankreichs mäßen möchten. Das darf aber nicht so fort gehen, und wie

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