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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen AUgem.

1850. — â' 264.

Die Galeere des Herzogs von Vivonne Novelle auS dem Französischen von Fr. Bouffier.

(Fortsetzung.)

„Sie werden nun heute nicht mehr mit mir anbin« i den", brummelte der Schreiber, seine Schritte verdop-§ pelnd; sollte eS übrigens noch etwas Neues geben, so wird mich mein Pathe, Philipp Asselin, schon in Kenntniß setzen . . . Armer, junger Mann! Goldherz! Du verdientest tausendmal eher, als die Elenden, ohne Herz und ohne Wahrheit, die das Glück so sehr begün­stigt, von diesem bedacht zu werden . . . Aber der arme Junge hat nichts als Rechtschaffenheit, Talent, Ehrge­fühl und Hingebung, und mit diesen ist in der Welt wenig empor zu bringen . . . Doch, ich bin ja da, und eines Tages werde ich ihm von meinem, seit lange schon ersparten Schatze so beisteuern können, daß er sich auS jener Mitte hervorheben und in seinem Fache als Künst­ler glänzen kann ; ja, als berühmter Künstler, denn ein Arbeiter, wie er ist, ist ein wahrer Künstler. Vielleicht auch erkennt H. Chouquet seinen Werth und wird seinen Fleiß und besonders seine fast kindliche Hingebung zu seiner ganzen Familie und seinem ganzen Geschäfte zu belohnen wissen. Nun, wir werden sehen . . . Aber nun, Guillard, ist es Zeit, daß Du an Dein Amt gehest; Dein Senatorstuhl erwartet Dich schon".

So mit sich selbst sprechend, gelangte er in den Hof der Saint-Chapelle und erreichte durch die breite Treppe, bie damals die Hauptkirche St. Ludwig mit den Galle« rieen der Kaufläden verband, den weiten Saal der ver- lorenen Schritte, wo er sich majestätisch in seinen Sessel von weißem Holze niederließ, der wenige Schritte vom Eingang sich in der Nähe der berüchtigten Marmartafel befand.

Während deß hatte sich der Goldarbeiter Chouquet, der durch Philipp Asselin, seinen ersten Arbeiter, von der

Anwesenheit der Justizbeamten und den Hauptpersonen seiner Zunft in seinem Laden benachrichtigt worden war, beeilt, aus dem prachtvollen Zimmer, daS er in seinem Hause bewohnte, herabzukommen.

Der Goldarbeiter, durch seine Verbindungen mit dem Hofe an die Mode und den Luxus der großen Welt gewohnt, erschien in einem kostbaren Schlafrocke von rothem Wollenzeuge mit silbernen Blumen eingchüllt; und nachdem er die Gerichtspersonen mit einem trockenen Gruße, seine Kollegen der sechs Zünfte aber mit einem wohlwollenden Lächeln der Freundschaft empfangen hatte, sprach er:

„Nun, meine Herren, was führt Sie hierher und verschafft mir die Ehre Jhreö Besuches? Bin ich, ohne es zu wissen, eine großer Verbrecher geworden? und be­stimmt, Euch in die Thürme der Bastille oder in den Wartthurm von VicenneS zu folgen, nachdem sich erst gestern Abend die Ehre hatte, von dem König und der Frau von Montespan Gunstbezengungen zu empfangen? Antwortet mir, ich bitte, und endiget meine Ungewißheit".

Diese mit einem gewissen Stolze ausgesprochenen Worte brachten wenig oder keinen Eindruck auf die Be­amten hervor.

„Mein Herr", erwiederte der Kommissär des Chate- lot, „wir kommen hierher kraft eines Befehles des Herrn Staalsproknrators des Münzhofes, in Folge dessen wir Nachsuchungen in Ihrem Atelier anzustellen haben".

„Uno weß bin ich denn angeklagt?" unterbrach ihn lebhaft der Goldarbeiter.

„Falsche Münzflempel angewandt zu haben, eine große Menge Silberarbeiten in Umlauf gebracht zu ha­ben, die nicht das durch die Gesetze gebotene Zeigen tra­gen ; endlich ..."

„Genug, genug, mein Herr", nahm der Goldarbeiter daS Wort, indem er eine ernste Miene machte, „ich habe