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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

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1850. — M 263.

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Die Galeere -es Herzogs von Vivonne

Novelle auS dem Französischen von Fr. Bouffier.

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(Fortsetzung.)

„®ie sind im Irrthum , Frau Favien", unterbrach ße ein kleiner Mann, dessen Hofmeisterischer Ton, abge­schabter/ schwarzer Rock nebst der Feder hinter dem rech­ten Ohre, genugsam sein Gewerbe bezeichnete; „ja, Sie irren sich, es ist kein Advokat, den Mademoiselle Fan- chette Chouquet heirathet, sondern ein junger Edelmann,

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der Marquis von Allainval, einer der vier Hofkava­liere der Frau von Montespan".

„So, so! Herr Guillard, sind sie vollkommen

, vor sicher dessen, was Sie da sagen? bemerkte die dicke Ju- or El lvelenhändlerin, gegen den Unterbrecher blintzelnd.

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„Wohl bin ich sicher, vollkommen sicher", erwiderte Irocken Guillard, ich hasse Klaschereien und verabscheue diejenigen, welche Neuigkeiten erfinden, um sie von Mund zu Mund zu tragen und sich so das Ansehen wohlunter­richteter Leute zu geben."

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Diese spitzfindige Bemerkung brachte die Juwelen­händlerin außer Fassung. Der alte Guillard, so arm er toar, besaß doch auf der Brücke Saint-Michel, wo er ein Dachstübchen schon seit 40 Jahren bewohnte, eine gewisse Popularität. Er theilte mit dem Meßgewandmacher das ^echt, Alles zu sagen und zu krilisiren; bei diesem war rs das Privilegium eines ansehnlichen Vermögens, bei sinem das einer edel ertragenen Dürftigkeit und eines Herzens voll Liebe für Gerechtigkeit und Wahrheit. Er ^or einer jener öffentlichen Schreiber, welche die Wände ^ großen GerichtöfaaleS besetzten. Schon vor 25 Jah- in einer Prokuratur arbeitend, konnte er, wie so viele andere, bei seiner ausgezeichneten Geschäftsgewandtheit ill einer jener einträglichen Stellen als Prokurator deS Parlaments oder deö Chatelet vorrücken; allein zu wenig

lüstern nach Ehre und Reichthum, und zu sehr Philosoph hatte er in seiner Jugend die Mittel verabsäumt, sich geltend zu machen, und gelangte kaum später zu einer Stelle als Schreiber im Saale der „verlorenen Schritte". Glücklich und zufrieden mit seiner bestän­digen Mittelmäßigkeit, war er ruhigen Gemüthes, froh mit den Fröhlichen, traurig mit den Betrübten, indeß er­bitterter Feind der Bösen, der Verläumder und Heuchler, über die er stets den Sieg davon trug, wenn sie es ge­wagt hatten, sich mit ihm in einen Kamps einzulassen. — Es war nicht rathsam, mit einem Manne, dessen Tadel so gefährlich war, in feindschaftlicher Beziehung zu leben. Das dachte auch die Juwelenhändlerin und suchte deß­halb wieder einzulenken, indem sie mit süßlichen Worten sprach: „So werden wir also eine hübsche Heirath in unserm Viertel bekommen; ein Edelmann, Ei renkavalier, der Frau von MonteSpan wird gewiß im größten Pompe seine Gemahlin heimführen; aber — unter uns gesagt — die Hochzeitkosten wird Herr Chouquet tragen, denn ein Marquis heirathet nur eine bürgerliche Dame, wenn er in finanzieller Hinsicht gänzlich rühmt ist. Solche Ver­bindungen gestalten sich blos um das Wappenschild wie­der zu vergolden und die Schulden zu bezahlen. . . „Und wenn das wäre", entgegnete der Schreiber, „wo würde darin ein Unrecht zu entdecken sein". Dürfte der Ueberfluß des Einen nicht einmal das Lösegeld zur Wie­derherstellung der häuslichen Verhältnisse des Andern sein? Auf der andern Seite macht sich der Marquis von Allainval keine Besorgniß daraus, eine bürgerliche zu heirathen, eben so wenig, als gewisse grauen-meiner Be­kanntschaft sich ein Gewissen daraus machten, succesive abgelebte Greise zu heirathen, um sich so zu Vermögen zu bringen und die Ergötzlichkeiten des Reichthums zu verschaffen. Mancher sieht den Splitter im Auge seines Nachbars und entdeckt den Balken in dem seinigen nicht".