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schwarzen Trauerfloren geschmückte englische Militär seine Leiche zu der Thränenweive begleiteten, unter deren Schatten er so oft mit Ella gesessen, wenn er den wenige Schritte entfernten Napoleonsbrunnen mit ihr besucht hatte. —

Wanderer, der Du den weiten Ozean durchschiffest, <fuf dem lieblichen Helena Dich einige Tage erquickst, Du wirst eine Wallfahrt machen nach dem öden, unfruchtba- ren Long-Wood; Du wirst daS blühende Thal besuchen, in welchem die Thränenweive das jetzt leere Grab deS Heroen beschattet. Wenn Du Dir hier eien Weidenzweig abgebrochen dann laß Dich auf jenen kleinen felsversteck­ten Friedhof führen, brich eine Centifolie von Ella'S Grab, und geselle sie dem Zweige von der Thrânen- weide zu! — (Forts, folgt.)

2 Karl Ludwig Sands letzte Tage. AuS seinem Tagebuche mitgetheilt von S. K.

(Fortsetzung.)

Den 19. Mai 1820.

Heute Morgen erwachte Sand erst um 772 Uhr und erzählte, wie er sich gestärkt fühle, und wie er gewiß glaube, daß die Körperkraft durch die Kräfte seiner Seele sich mehren und stählen werde. Heute Nachmittag ließ er den Scharfrichter (Wittmann aus Heidelberg) zu sich rufen und sagte ihm, wie er sich am morgenden Tage verhalten solle, damit die Hinrichtung schnell und sicher vor sich gehe. Er empfahl ihm, nicht zu schnell, sondern mit der gehörigen Sorgfalt zu verfahren. Sollten Sie beim ersten Hieb nicht gehörig treffen, so wird cs beim zweiten und dritten gelingen. Eine Person, welche ihn schon einmal — bald nach der That — gesprochen hatte, erkannte er gleich wieder, und als sie ihn fragte: ob er daS begangene Unrecht einsehe und Reue empfinde? ant­wortete er: „Ich habe ein Jahr vorher darüber nachge- dacht, und seitdem wieder 14 Monate, und meine Ansicht hat sich um nichts geändert". Abends befanden sich drei Geistliche bei ihm, mit denen er sich über Gegenstände der Religion unterhielt. Endlich wünschte Sand, daß sie leise mit ihm beten möchten; dies geschah. Als er ge­endigt hatte, sagte er: „Alles Irdische ist vollendet und das Himmlische geht auf". So blieb er bis nach 11 Uhr, wo er einschlief.

Den 20. Mai 1820.

Heute Morgen um 3 Uhr weckte man ihn, und er nahm sein gewöhnliches Frühstück ein. Die .Geistlichen erschienen wieder. Nun wurde er angekleidet. Der Ver­band um seine Wunde schmerzte ihn sehr, und der her­beigerufene Arzt legte diesen aufs Neue um die Wunde.

Wie er schon früher von den Aerzten, welche ihn behan­delt hatten, dankbar Abschied nahm, so geschah dies jetzt mit den Geistlichen. „Meine Rührung", sprach er, „ist nicht die der Weichlichkeit, sondern die Rührung der Dankbarkeit". Er wünschte nicht, daß sie ihn auf den Richtplatz begleiten, indem er völlig vorbereitet sei, und auf die Frage: ob er ohne Groll scheide, sagte er: „den habe ich ja nie gehabt". . Als er den wachsenden Lärm auf der Straße vernahm, sagte er, daß man über ihn verfügen könne, indem er bereit sei. Beim Austritt aus seinem Zimmer wandte er sich um und sagte auch diesem ein Lebewohl. Die Züchtlinge, welche Sand ringsum­herschauend stillschweigend grüßte, weinten aus ihren Fen­stern. (Noch während der Untersuchung hoben diese, wenn sie an seinem Zimmer vrorübergeführt wurden, ihre Ketten in die Höhe, um ihn nicht zu beunruhigen.) Im Hofe wurde er in eine Kalesche gehoben, die ihn zum Nichtplatz auf der nahen, kaum 800 Schritte entfernten sogenannten Kuhwiese vor dem Heidelbergerthor bringen sollte. Neben ihn setzte sich der Oberzuchtmeister und hielt ihn in seinen Armen, an den Seiten deS Wagens gingen zwei Zuchtknechte mit schwarzen Flören. Sein eigener Anzug bestanv aus einem deutschen, schwarzen Rocke mit übergeschlagenem weißem Kragen und langen Nankin-Beinkleivern. Sein Kopf war unbedeckt, und sein langes, schwarzes Haar hing ihm über die Schulter. Hinter ihm fuhren die Kommissäre und vie Generalität

Das Ganze war in ein Viereck von Dragonern eingeschlossen, und bewegte sich in einer durch Infanterie vom Zuchthause bis zum Richtplatze gebildeten Gasse langsam vorwärts.

Sein Erscheinen brachte eine unbeschreibliche Er, schüttcrung in allen Anwesenden hervor. Ein dumpfeS: „Ach! da ist er!" preßte sich einstimmig aus eines Jeden Brust, und ringsum hörte man ein Schluchzen aus der versammelten Menge. Er schien dadurch im ersten Au­genblick sehr ergriffen zu sein, denn er bat, nachdem er die Worte: „Gott stärke mich!" gesprochen hatte, den Oberzuchtmeister, der bei ihm saß, „er möge, wenn er etwas schwächliches an ihm bemerkte, ihm nur seinen Na, men zurufen." Wie er nun still und langsam daher fuhr, mit voller, wiedergewonnener Ruhe, und mit wehmüthig freundlichem Lächeln für solche Theilnahme dankte, und Allen ein Lebewohl zuwinkte — wie er aus dem, durch den Schmerz der Wunde blassen, abgezehrten und von dem dunklen Haupthaar erhobenen, blendend weißen Ge­sichte mit schönen, von verklärtem Feuer erwärmtem Auge frei und gerührt ringS umher und wieder gen Himmel blickte — da blieb kein Zuschauer ungerührt, kein Auge thränenleer. Viele hegten die Hoffnung, daß er vielleicht noch begnadigt werden würde; andere ließen nun wohl