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der Kinderseele tief ein; früh schon begreift es so den unermeßlichen Vorzug seiner Geburt und seines Glau- benS und schaut mit tiefem Mitleid auf die Nacht, in der Tausende von Völkern ohne Rettung leben, sterben und vergehen. ________________

§* Kiedrich im Rheingau.

Einer der interessantesten Orte des herrlichen Rhein- gaueS ist Kiedrich. Eine halbe Stunde vom Rhein, nörd­lich von Eltville, liegt eS zwischen Ausläufern deS Tau­nus, in einem Thal, im Osten von einer schrofferen, höhe­ren, mit Weinreben bepflanzten Bergseite, im Westen von einer sanft ansteigenden Höhe eingeschlossen. DaS Thal beginnt eine Stunde nordwärts, am südlichen Abhang des Taunus und vereinigt sich eine halbe Stunde hinter Kiedrich mit einem andern und ist es von da an bis an den Ort eng und waldbegrenzt. Dann wird es breit und die Höhen verflachen sich gegen Eltville hin. Ein starker Bach, noch verstärkt durch den sogenannten wei­ßen Born, der, seines guten Wassers und der schönen Umgebung wegen, von den Eberbâcher Mönchen einst viel besucht wurde, bewässert die Wiesen und treibt Müh­len. Im Norden erhebt sich der Taunus (bis zu 1400') mit seinen herrlichen Wäldern. Im Osten hat man den berühmten Rauenthaler Berg vor Augen und im Nord­osten, gerade über Kiedrich, die Ruine Scharfenstein. Kiedrich hat noch viele alterthümliche Häuser mit Schnitz­werk an Wänden, Thüren und Erkern. Die Kirche steht fast am südlichen Ende des OrteS auf einer Erhöhung und bietet in ihrer gothischen Bauart einen schönen An­blick. Schade, daß der Thurm einen unpassenden Aufsatz erhalten hat, der einen früheren, gothischen ersetzen soll. Die Rundbogen in demselben stechen sehr ab gegen die Spitzbogen im unteren Theil. Daö Bild des H. Valen­tin, des KirchenpatronS, steht oben auf der Spitze, als Wetterfahne dienend. Die Glocken im Thurm geben eines der herrlichsten Geläute; die größte ist 75 Zent­ner schwer.

Die Kirche ist um die Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Die hohen Wände deS Schiffes sind außen mit vielen senkrechten Mauerpfejlern gestützt, die oben mit schönen, hohen Pyramiden geschmückt sind. Der Haupl­eingang ist im Westen durch den Thurm. Das Portal tal ist mit eingehauenen Bogen und mit vielen Figuren verziert, die aber fast alle verstümmelt sind. DaS Schiff ist kurz, hat niedrige Pfeiler mit großem Gurt. Die bei­den Seitenschiffe sind sehr schmal und haben, wie das Mittelschiff, schroffe Gewölbe. Konsole, Gräten und

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Schlußsteine sind vergoldet. Auf den Bogen erhebt sich oben auf beiden Seiten deö Hauptschiffes eine sehr große Emporbühne mit herrlichem steinernem Geländer. Von dieser steigen wieder Pfeiler und auf diesen wieder solche Bogen wie unten in die Höhe und bilden ein zweites Stockwerk der Seitenschiffe.

Das fe^r große Chor hat mehrere hohe Fenster, die zum Theil noch alte Glasgemälde tragen. DaS Gewölbe über dem Chor ist kühn und geschmackvoll. Die Wand« stühle sind mit abnormen Thierbildern geziert. Nebenan, über einer Thüre, in der Wand, ist ein kleines marmor« neS Grabmahl angebracht. In der Nähe des Hochaltars, links, sieht man ein großes Bild deS h. Valentin; über ihm steigt eine schöne hölzerne Pyramide fast bis zum Gewölbe hinan. Dieses Bild ist das Ziel einer großer Wallfahrt am ersten Sonntag im September. Alle Ab täre, d. h. die vier Nebenaltäre und der Hauptaltar, sind in späterer Zeit als die Kirche entstanden. Dieser ist voll Bilderwerk, theils von Holz, theils von weißem Marmor. Thüren, Beichtstühle, die Kanzel und die Stühle im Schiff sind mit altem Schnitzwerk verziert und letztere voller alter Inschriften, die von Altherthumsfor­schern schon vielfach sind abgebildet worden. (Forts. f.)

M {stellen.

(Span i sche Etiquette.) Noch einer der letzte» Kö­nige Spaniens spielte täglich l'Hombre mit der Oberhofmeisterin und dem Sekretär. Er saß im Lehnstuhl, jene aber auf einem Tabouret, und dieser kniete auf einem Kissen.

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Man schreibt aus Leipzig: In Oelsuitz ist kürzlich von Arbeitern in einer dortigen Färberei, als sie rothes Farbehoh zerkleinerten, in einem der großen Risse dieses Holzes ein Scor- p i on gefunden worden. Das Thier war anscheinend leblos und gab keine Bewegung seiner Glieder zu erkennen. Als aber die Zimmerwärme einwirkte, wurde der Scheintodte lebendig und entwickelte eine große Thätigkeit. Sachverständige Männer er­kannten das Thier als echten indischen Scorpion. Er ist von der Spitze der Scheere bis zum Stachel des Schwanzes 4—4 V» Z^ lang; an das Licht gehalten sieht der ganze Inhalt des Thiereè farblos und schleimig aus ; nur die oberhalb des derben Stachel befindliche Blase enthält eine intensiv rothe Flüssigkeit, welche du gefährliche ätzende Flüssigkeit ist, die der Scorpion nach dem Stiche in die Wunde nachlaufen läßt.

Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.

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Druck und Verlag der L> Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.