Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

«a ^GW» ^r~»-----

Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen AUgem. Zeitung.

1850. ^ 240.

O Der Tambour von Wagram.

(Fortsetzung.)

VIII.

Der Vorabend der Schlacht bei Wagram.

Am Vorabende der Schlacht bei Wagram hatte Na­poleon mitten in der Nacht und während eines schreckli­chen Sturmes einen heftigen Angriff gegen den linken Flügel der österreichischen Armee machen lassen, welcher sich in der großen Ebene bei Neusiedel aufgestellt hatte. Mehr als hundert Feuerschlünde verbreiteten Schrecken unter den friedlichen Bewohnern dieser schönen Ebene. Der Feind hielt mulhig diesen unerwarteten Angriff aus. Das Krachen des Geschützes, welches sich mit dem un­aufhörlichen Gebrüll des Donners vermischte, die Feuer- säulen, welche sich vor dem Dorfe EnzerSdorff erhoben, wo die Oesterreicher sich zu verschanzen beabsichtigt, vol­lendeten daS Gräßliche dieser Zerstörungsszene. Napoleon überwachte Alles ruhig in Mitten dieses Chaos. Bis auf bie Haut durchnäßt und auf seinem Pferde sitzend / daS bei jedem Schritte bis an die halben Beine in eisigen Morast sank, ging, kam und gab er Befehle wie an einem Paradetage. Erwachte sich die Verwirrung herrlich zu Nu- èen, um dem Erzherzoge Karl die Bewegung zu verbergen, welche er seine Truppen auSführen ließ. So zwang diefran- iösische Armee am andern Tage bei den ersten Strahlen bes TagcS, nachdem sie sich wie durch Zauberei entwickelt ^lle, den Feind zur gänzlichen Abänderung des Schlacht- blaues, den er lange vorher entworfen.

Ein prächtiger Morgen folgte dieser schrecklichen Nacht. Gegen sechs Uhr Morgens ließ Napoleon seine ersten Reihen vorrücken, worauf man in der großen Ebene einen Wald von Bajonneten sich bewegen sah, den ^Visionen, Regimenter und Bataillone immer noch ver- örößerten.

Am Abend zeichneten sich die Lagerfeuer der alten Garde in einer unermeßlichen Linie am Horizonte ab. Die Adjutanten und die Stabsoffiziere kreuzten sich in allen Richtungen um Befehle zu überbringen. Die Um­gegend war so entblößt von Bäumen und so verwüstet, daß man große Mühe hatte, einige Ueberbleibsel von Thüren und Fensterläden zu finden, um eine Barake für den Kaiser zu errichten. Die Nacht war sehr kalt. Alle Offiziere des Hauptquartiers wärmten sich schweigend um ein Feuer stehend, als ihre Aufmerksamkeit plötzlich durch das Geschrei eines Soldaten rege gemacht wurde, welcher zum Kaiser geführt zu werden verlangte.

Ich muß augenblicklich den kleinen Korporal spre­chen", rief er.Sein Schlachtplan ist falsch. Wenn ich ihm nicht selbst den erkläre, welchen er morgen befolgen muß, so werden wir Alle zusammengehauen"!

Die Offiziere, welche diese Szene angezogen hatte, lachten mitleidig, in der Ueberzeugung, daß dieser Tam­bour betrunken oder närrisch sei; denn bereits waren die Marschälle und die Truppenführer zum letzten Male in das kaiserliche Zelt gerufen. Alles verkündete, daß am nächsten Morgen eine entscheidende Schlacht statthaben solle, und dieser Soldat kam plötzlich die Dispositionen zu ändern, welche Napoleons Genie so vortrefflich ent­worfen hatte. Des Geschreies überdrüssig, welches dieser Kamerad auSstieß, befiehlt ein Kavitän, ihn zu ergreifen; doch dieser, welcher alle Schwierigkeiten vorauSgesehen zu haben schien, wiederholte so laut, die Armee sei verloren, wenn man ihn nicht mit dem Kaiser reden ließe, daß sein Geschrei zu Napoleon selbst gelangte, der gerade damit beschäftigt war, dem General-Major seine letzten Instruk­tionen zu diktiren.

WaS ist daS für ein Lärm" ? fragte er stirnrunzelnd; Berthier, sehen Sie doch, was eS gibt".