Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

«triftig Wto M NÄuW UK Ww>F

1850. â S31

O Der Tambour von Wagram.

(Fortsetzung.)

Der Fourier Lamourette war sehr beliebt in Ge- sellschaft, sagte der Korporal Marteau; nur lachte er zu gern, während der Sergeant Houarne nur dann lachte, wenn er gerechten Anlaß dazu hatte. Eines Abends ent­stand beim Billard der Unteroffiziere wegen einer un* gewissen Karambolage ein Streit; Worte folgten auf Worte, endlich kam man überein, die Sache am folgen­den Morgen auf dem Platze zu entscheiden. Lamou­rette war tapfer; Houarne gab ihm nichts darin nach; doch war er stärker in der Führung des Säbels, und nahm den Vorschlag Lamourette's nur deßhalb an, um ihm eine tüchtige Lektion zu geben, indem er ihm ein freundschaftliches Andenken über das Gesicht zeichnete. Als sie einander gegenüber standen, führte der Sergeant Lamourette einen Säbelhieb nach dem Fuße hin, dies war nur eine Finte, denn während der Fourier sich in Parade legte, fuhr ihm Houarne mit der Spitze seines Säbels so dicht am Gesichte her, daß die Pfeife, welche Lamourette im Munde hatte, in Stücke flog.

Sogleich senkte der Fourier die Spitze seines Säbels gegen uns, wobei er mit der Heiterkeit, die Sie an ihm kennen, sagte:Meine Herren, ich verschiebe die Fort­setzung des Kampfes auf morgen, und werde dann für eine Maske sorgen, da, wie Sie sehen, der Sergeant Houarne, den ich achte, so ungeschickt ist, daß er mich noch zum Einäugigen machen würde". Dieser Scherz, setzte der Korporal hinzu, brachte uns zum Lachen, und die Sache hatte ein Ende.

Das war vielleicht feine Manier, die Sache an­zusehen, sagte Romeuf, indeß denke ich, wenn Lamourette bei Austerlitz noch hätte sprechen können, nachdem ihm der Kopf forlgerissen, so würde er gesagt haben, der Scherz des Grobians sei kein Spiel.

Das ist richtig; er glich nickt Einigen von seinen Kollegen, welche nie eine solche Aeußerung machen, die sie unter ihrer Würde halten, sagte Romeuf mit einem Seitenblicke auf den Sergeanten.

Bonneville, der die Anspielung nicht verstehen zu wollen schien, ging in dem Wacktzimmer auf und ab, als man plötzlich in der Ferne Trommelschlag vernahm. Der Sergeant blieb stehen und horchte:

Still, sagte er, hören Sie, meine Herren!

Es ist nichts, Sergeant, sagte der Korporal, eS ist der Tambour deS Postens am großen Stalle, welcher schlägt, weil jetzt der Kaiser dort spazieren geht.

ES gibt jetzt nichts Anderes zu thun, fuhr Romeuf fort, auch gibt eS Leute, die gar nicht böse sind, so wie er mit gekreuzten Armen oder die Hände in den Taschen, setzte er hinzu, einen spottenden Blick auf den Sergean­ten schleudernd, spazieren zu gehen, da der Krieg die Toilette verdirbt.

Diesmal war der Spott zu direkt gegen den Ser­geanten gerichtet, als daß dieser nicht darauf antworten sollte, er wandte sich plötzlich gegen Romeuf und ihn scharf ansehend sagte er in strengem Tone zu ihm:

Sie thun Unrecht, Tambour Romeuf, Ihren Scherz gegen mich zu richten. Ich war schon im Felde, als Sie noch in den Windeln lagen. Dann muß.ich Ihnen sagen, daß ich seit einiger Zeit einen Ton an Ihnen be­merke, der sich nicht ziemt; lassen Sie dies daS letzte Mal sein, diese Wahrnehmung an Ihnen zu machen.

Sergeant, Sie scheinen sich wegen eines Worte- zu erzürnen, erwiederte Romeuf erregt; ich habe nicht die Absicht gehabt, Sie zu beleidigen ; doch wenn eS Ihre Manier ist, die Sache so anzusehen . . ."

Ein für allemal, schweigen Sie, Tambour" ! rief Bonneville mit einem Tone verhaltenen Zornes.