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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur

. Zeitung.

1850. ^ SSS

Frau von Brabantane

Novelle von Alfred de Menciaux.

(Fortsetzung.)

An der Ecke der Straße von Bourgogne, nicht weit Dom Hause deS Herzogs, wäre sie fast von einem Postwa­gen mit vier galoppirenden Pferden umgefahren worden. Ohne sich daran zu kehren, setzte sie ihren Weg fort und kam endlich zum Ziele.

Nach mehreren Schlägen an die Pforte, die in dem? Unterliegenden Hofe dumpf wiederhallten, stützte sie sich auf einen Eckstein und wartete.

Ein Livreediener öffnete die Thüre, schritt auf sie zu, - und als er eine bleiche, vom Wind zerzauste Frau sah, ; sagte er mürrisch:Habt Ihr gepocht?"

Marie erhob den Kopf wie Jemand, den man un- ' sanft weckt.

Was wollen Sie?" fragte sie.

Ob Ihr gepocht habt?"

Ah ja, ich war's," sagte sie sanft.Ich frage nachdem Herzog Lairville, ich muß ihn durchaus sprechen."

Das ist keine Stunde, um Besuche zu machen. Wer find Sie?"

Um Gotteswillen," erwiederte die junge Dame, sagen Sie Ihrem Herrn, daß--Frau von Braban- kane ihn sprechen will."

Bei diesem Namen, den er genau kannte, betrachtete der Diener die Fremde mit Aufmerksamkeit und erkannte sie alsbald.Mein Gott) gnädige Frau, Sie hier und j !u dieser Stunde? Treten Sie ein!"

Wo ist Herr von Lairville?" wiederholte Marie.!

Ich wünsche ihn augenblicklich zu sprechen."

Aber vor fünf Minuten ist er mit Postpferden ab­gereist."

Abgereist? und wohin?" rief Frau von Brabantane in höchster Spannung.

Der Herr Herzog kam um eilf Uhr nach Hause. Der Kammerdiener bekam den Befehl, schnell zu packen, ich mußte die Postpferde besorgen. So ist der Herr Herzog vor fünf Minuten abgereist, ohne uns zu sagen, wohin er ginge und wann er wiederkäme. DaS ist Alles, waS ich weiß, gnädige Frau."

Marie antwortete Nichts; sie war in's tiefste Herz ge­troffen; sie erstickte einen Schrei in ihrer Brust und floh wie eine Irrsinnige.

Um fünf Uhr Morgens brachte eine arme Frau, die schon auf Arbeit ging, Marie in's Hotel Brabantane. Sie hatte die Unglückliche ohne Bewußtseyn auf der Straße liegen gesunden. Nachdem sie ihr die thätigste Hülse erwiesen, hatte sie ihr Namen und Wohnung ent­lockt.

Frau von Brabantane blieb zehn Tage lang in der Gewalt eines hitzigen Fiebers. Als sie die Augen öffnete, erkannte sie ihre Schwägerin, die sie keinen Augenblick verlassen hatte. Marie erhob sich mühsam und umarmte zärtlich die mütterliche Freundin. Dann sich plötzlich des Borgefallenen erinnernd, sank sie zurück und verbarg ihr Gesicht in beide Hände.

Marie, mein Kind," sagte die Baronin,bin ich nicht Deine Mutter? Eine Mutter hat nur Liebe!"

Einige Tage später konnte Marie aufstehen. Wenn auch die Sorgfalt, mit der man sic gepflegt, nicht ihre Seele heilen konnte, so hatte sie doch wenigstens die kör­perlichen Schmerzen beruhigt. Die arme Genesende schien bleich und schwach wie ein Schatten über den Teppich zu schweben. Einige Strahlen der Dezembersonne lockten sie ans Fenster. Ihre glühende Stirne lehnte sich an die gefrornen Scheiben. Ihr Geist schien sich bei dieser Be­rührung zu beruhigen und verlor sich nach und nach in