Einzelbild herunterladen
 

eht

Inn ra» lei- ber CII, tn, ive

Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. 3f SS1

lel. chn 0111 iifl= U8 Dit Uli

er iel, er« mb «6 ft or< Dit

^rmi von Brabantane.

Novelle von Alfred d e M e n c i a u p.

(Fortsetzung.)

8. D ic briefliche Anzeige.

Während beim Grafen Montbryon die tragische ßjtne vorging,, die wir so eben beschrieben, blieb Frau von Brabantane nach Heinrichs Abschied in ihrem Zim«

»er. Sie war ganz gebrochen von den so unvorherge- scheuen, so plötzlich über sie hereingestürmten, durchboh­

)tr ie« >it im >ß er« tk, nn an er ler ne on er. er« in, 41 ia= en er

renden Bewegungen dieses verhängnißvvllen TageS. Ein sihttiklichcr Zweifel peinigte ihr Herz. Heinrich hatte M seinem eigenen Gestândniß in einer abscheulichen Romoüie eine Rolle gesplielt; er bereute eS, wie er sagte; aber NichtS konnte ihr für die Aufrichtigkeit seiner Neue tinstehen. Seine Betheucrungen, seine Thränen , seine Leiden: konnte däS nicht Alles berechnet fein? Konnten

nicht alle diese schönen Gefühle, Vie er jetzt auSsprach, 'ben so falsch wie die früheren sein?

In diesem Zustande der Vernichtung und Zerstörung fand sie ihre Schwägerin, welche, beunruhigt durch die Absage der Spazierfahrt, in ihr Zimmer trat. Die alte Dame errieth Alles an den unzusammenhängenden Ant« Worten, die sie erhielt; sie verschwendete alle zarten Tröst« Mm, die ihr die mütterliche Zärtlichkeit eingab. Nach Tagesablauf und nach dem AuSgang des Duells mit Aonibryon, Nichts von dem Borgefallenen wissend, und in Der Besorgniß, Marie würde nicht im Stande sein, ^n Besuch zu empfangen, ließ sie Heinrich, als er sich ^»meldete, abweisen.

So verging der Abend. Frau von Brabantane wünschte allein zu sein. Die Nacht steigert gewöhnlich Moralische, wie physische Leiden. Für einen Kranken, sei " krank am Geist oder am Körper, ist die Nacht furcht­

bar. Die Dunkelheit bringt, möcht' ich sagen, ein Ge­fühl der Verlorenheit über die Leidenden, daS an Ver, nichtung grenzt. Für eine so fein fühlende Seele, wie Frau von Brabantane, mußte Dieser Einfluß unsäglich heftig sein. WaS fing Heinrich an? Halte er Montbryon getroffen? Hatte dieser den Bries herauSgegeben? 'Hatte er es verweigert? In diesem Fall war ein feindlicher Zu- sammenstoß unvermeidlich geworden. Dieser letzte Gedanke machte sie vor Furcht erstarren; sie sah Heinrich, Dessen Aufrichtigkeit sie sich anklagte, verkannt zu haben, blutend, sterbend ihr den unglücklichen Brief bringend,', sie starr ansehenb und ihr mit vorwurfsvollem Tone:Marie, ich liebe Dich" 1 zurufend.

Er liebt mich" ! wiederholte sie laut.Oh mein Gott, was anfangen! Aber nein, er liebt mich nicht, er hat mich nie geliebt! Komödie, Lüge, NichtSwür, digkcit ! In diesem Augenblick vielleicht wird er mit seinen Freunden mich belachen, über meinen Schmerz spotten" !

Die Mitternacht überraschte sie in dieser grausamen Mischung von Hoffnung und Verzweiflung. In diesem Augenblick öffnet ihre Kammerfrau die Thür, trat sachte ein und gab ihr, da sie sie wach fand, ein Briefchen, welches ein Diener so eben abgegeben hatte. Marie öffnete eS zitternd, nachdem sie ihre Kammerfrau verabschiedet.

Sie laS folgende Zeilen:

Marie,

Trösten Sie sich. Wenn ich auch daS Uebel nicht ver-. hindern konnte, so habe ich eS doch wenigstens bestraft. In dieser Stunde, wo ich schreibe, ist Ihr gefährlich- ster Feind, Graf Montbryon, tödtlich verwundet, und bereut vielleicht im TodeSkamps die Kränkung, die er Ihnen zugefügt. Ich, der ich daS Unglück hatte, einen Augenblick vielleicht sein Mitschuldiger zu seyn, bin noch grausamer bestraft durch die Weigerung, meinen