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Der Wanderer

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

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1850. 3f S19

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Frau von Brabantane.

Lovelle von Alfred de Menciaux.

(Fortsetzung.)

Der Herzog war trotz seiner Weltkenntniß doch er­starrt über die Heiterkeit und anscheinende Seelenruhe MontbryonS. So viel Doppelzüngigkeit erbitterte ihn. Er hatte sich das Wort gegeben, sich zu beherrschen; aber Kotz seines Vorsatzes fühlte er, wie der Zorn ihm zu köpfe stieg.

So wenig man auch schläft, Graf, so schläft man mitunter doch noch zu viel"! antwortete er mit strenger klimme.

Da bin ich nicht ganz derselben Meinung", fuhr Sir Graf in demselben nachlässigen Tone fort.Schla- sm ist leben! sagen die Philosophen, und ich habe immer Waubt, man könne nie besser sein Dasein aussüllen, tlS mit der süßen Vergessenheit des Schlummers".

Bei diesen Worten hielt er Lairville seine Hand hin; diisir zog sich barsch zurück.

Potz! waS soll das heißen, guter Freund"? sagte ^ontbriyon sich verwundert stellend.

Das will heißen, Herr von Montbryon", erwir­kte Heinrich, der sich nicht mehr zurückhalten konnte, "^ß nur ein Ehrenmann einem Ehrenmann die Hand ^Hen kann, und daß demnach der Herzog Lairville nicht ^ Hand des Grafen Montbryon drücken kann, denn die- ist ein Nichtswürdiger, der weder Glauben noch Ehre ^, denn er bestiehlt seine Freunde wie ein Feiger, und Mt erbarmungslos eine arme Frau in'S Grab".

»Herzog, das wagen Sie zu sagen"?

»Ich wage zu sagen, waS Sie thun. In diesem Augenblick weint und zweifelt eine edle Frau, zer- uich durch öffentliche Beschimpfung. Und weshalb? ^eil sie Ihren Anerbietungen ein ruhiges, achtbares

Leben vorzog. Ihre gekränkte und beleidigte Eitelkeit, hat Ihnen eine Rache eingegeben, die Ihrer würvig ist. In der Verleumdung bewandert, fangen Sie damit an, ihren Ruf zu untergraben, den Ruf einer Frau, die sich nicht vertheidigen kann, da sie ohne Stütze ist. Im Schloß Orbigny wagten Sie noch mehr, und anstatt das zarte Schweigen, das man über diesen lächerlichen Austritt walten ließ, mit Dankbarkeit zu entgegnen, legen Sie im Dunkeln Ihrem Opfer eine Schlinge; mißbrauchen die Freundschaft zu Ihren schändlichen Ränken, reizen die thörichte Eitelkeit in einem Manne auf, der sonst im Grund seiner Seele zu brav ist, um Schlechtigkeiten zu begehen, und machen einen Niederträchtigen aus ihm, der die Frau, die er liebt, selbst in'S Unglück stürzt. Graf Montbryon, ich wiederhole es Ihnen, weil Sie es nicht verstanden zu haben scheinen: Sie sind ein Elender, ein Nichtswürdiger, der mir schrecklich Rechenschaft able­gen soll. Graf Montbryon, wo ist der Brief, den Sie mir gestohlen haben"?

Statt aller Antwort zuckte der Graf verächtlich die Achseln, und stellte sich mit ruhigem Gesicht, «die Arme über einander gekreuzt, vor Heinrich und sagte:Hein­rich, Sie sind toll!"

Lassen sie die Phrasen!" unterbrach ihn der Her­zog.Meinen Brief, geben Sie mir meinen Brief. Ich will ihn augenblicklich haben!"

Aber in des Teufels Namen, Herzog, welcher Tau­mel ist über sie gekommen? Sind Sie sicher, allen Ver­stand beisammen zu haben? Nein, ich errathe Sie jetzt. Es bemächtigt sich Ihrer eine Art mitleidiger Reue, im Augenblick, wo Sie einen großen Akt der Rache vollziehen wollen. Sie beschuldigen mich, Ihnen diesen Brief ge­stohlen zu haben. Sie sehen wohl, daß ich Recht hatte, eS zu thun ; Ihre tugendhaften Ausrufungen beweisen eS hinlänglich. Aber ich bin selbst toll, daß ich so ernst