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Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — â S18
Frau von Brabantane
Lovelle von Alfred de Menciaux.
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(Fortsetzung.)
Lairville erzählte hierauf mit vollkommener Aufrich- lijteit Alles, was seit dem Ball bei Stopford vorgefallen Ar. Da er jetzt chußte, welches Ziel sich eigentlich Rombryon gesteckt hatte, konnte er den Gang der Er- »Sniffe mit Klarheit entwickeln. Als er zu dem Augen, M kam , wo er, ein Mann von Ehre, eine unwürdige Solle übernommen und ein noch schlimmeres Spiel ge, toten, als sie für möglich gehalten hatte, schien ihm die Klimme auf den Lippen zu ersterben; aber er sand glü« hbe Worte, um den Wechsel, der in seiner Seele vor» N»g, zu beschreiben, als er gefühlt, daß er diejenige dch heißer zu lieben anfing. die er nur scheinbar lie- to sollte.
„Ja, Marie", schloß er, „wenn ich Ihnen an dieser tolle sagte, daß ich Sie liebe, war meine Liebe so auf- 'tot'fl , als sie eS noch ist; ich schwöre eS zu Gott! Ich We, durch eine unbegrânzte Hingebung, indem ich ^m mein ganzes Leben widmete, Sie zu entschädigen
die strafbaren Ränke, die Sie nie erfahren haben totten. Ach! ich habe nicht die Kraft, weiter zu reden, ^darf Sie nicht fragen, ob Ihr Herz mich freispricht. 7 M) Ihre Verzeihung beanspruche, muß ich sie ver- teilen. Ich verlasse Sie, Marie, ich verlasse Sie, um ®einen Fehler wieder gut zu machen, und der Himmel ^rd mif helfen, daß eS noch Zeit dazu ist"!
Während dieser ganzen Erzählung hatte Marie die Wn niedergeschlagen; kein Wort, keine Regung hatte ™ ermuthigen oder vernichten können. Sie sprach kein j als er geendet hatte. Ein düsterer Gedanke über- Heinrich. Vielleicht sah er jetzt zum letzten Male '^unglückliche Frau; der er daS Herz gebrochen hatte.
Er betrachtete sie stillschweigend eine Weile. Sie hatte ihre Stellung nicht verändert. Er ergriff sie schüchtern bei der Hand; diese stumme Bitte blieb ohne Antwort.
„Marie", sagte der junge Manu. „Sie werwerfen mich also? Sie glauben nicht meinem Leiden, meiner Liebe und meiner Reue"?
Die junge Frau bedeckte ihr Antlitz mit beiden Händen. Es waren trostlose Gedanken, die sie bewegten. Die Zweifel, die sie bis jetzt mit aller Kraft eines lieben- den Herzen zurückgestoßen, hatten sich nach der Beichte deS Herzogs in ihre Seele gegraben. Heinrichs Liebe war also erst eine unwürdige Parodie; er hatte es selbst gestanden. Gezwungen, an der Vergangenheit zu zweifeln, konnte sie an die Zukunft glauben? Und dann, konnte sie wohl die Eitelkeit ganz entschuldigen, die sich seiner im Rausch bemächtigt hatte? Der Brief war ihm also wirklich nicht entrissen worden; er hatte ihn freiwillig gegeben. Sie betrachtete sich demnach als verrathen , verlassen, ihren Ruf für vernichtet in den Augen der Welt, der gegenüber ihr nun keine Stütze mehr blieb. Alles fehlte ihr auf einmal.
„Marie", begann Lairville wieder, der immer noch harrte, „wollen Sie mich so gehen lassen? Haben Sie kein Mitleid für mich"?
Frau von Brabantane schlug noch immer unbeweglich die Augen nieder. Der Herzog stürzte in Verzweiflung der Thüre zu; aber an der Schelle blieb er stehen, kam langsamen Schrittes zurück und erhob von Neuem bittend die Hände. Als ihm keine Antwort wurde, bemächtigte er sich schüchtern der Hand, die man ihm verweigerte; aber diese Hand blieb starr in der seinigen.
„Leben Sie wohl"! rief er, „Sie haben Recht, Marie, ich verdiene nur Ihre Verachtung! Leben Sie wohl, ich werde Sie retten, oder sterben"! —
Und er stürzte aus dem Zimmer.
