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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

: 1850. â 189.

Der Heimathlose

(Fortsetzung.)

I 3m Herbst, wenn die Jagd aufgeht, wenn die ersten WMe knallen, wenn zum erstenmal daS Geheul der Wie am Berge wicderhallt, da verläßt der Hase die Men Kleefelder und die Furchen deS Kartoffelackers, M er geruhig den Sommer zugebracht, und zieht er­schrocken in den dichten Wald oder zu Berg, oder auf's Moor, und die scheuen Rehe eilen hinauf in die un- > Üblichsten Schluchten und spitzen die Ohren und strecken Wschmd die Hälse. Die zweiundzwanzig Schweizerkan- M hatten sich gleichzeitig die Aufgabe gestellt, sich die Moiathlose Bevölkerung ihrer Berge, Wälder und Land- Wen vom Halse zu schaffen, und jeder derselben war Wrebt, sich ber Ueberlästigen auf Kosten der Nachbarn kMledigen. Hatte irgendwo eine Bande im Graben, ""ter dem Schutz der überhängenden Felswand oder M verlassener Köhlerhütte ihr Lagerfeuer angezündet und W Kessel darüber gehängt, so kamen unversehens die Mjâger über sie und bei Nacht und Nebel, auf einsa- W ^begangenen Pfaden wurde sie über die Kantons- W geführt. Oft mochte es geschehen, daß Abends Gruber Dämmerung ein hungriger Trupp durch Sturm ^gen aus heimlichen Schleichwegen in den Nach- MAton hinüber geschmuggelt wurde, um von der wach- Polizei des solchermaßen beschenkten StanveS am Morgen naß und nüchtern wieder auf gleichem We auf seinen frühern Lagerplatz zurückgebracht zu stschei. 1 bur Zeit, da die Menschenjagd eben im schönsten war, ging früh bei Tagesanbruch ein Büblein ^ryaupt und baarfuß auf dem Wege, der auS dem . von ErlinSbach bergaufwärts Kienberg zu und °^ ""ch dem Frikthal hinüber führt. Ein bleigrauer

Nebel hatte sich über das Thal gelagert. Obererlinsbach aufwärts am Wege, abseits von den Häusern steht eine Kapelle. Auf der grauen Kapellenmauer waren etliche Figuren und Striche mit Rothstein gezeichnet; man hätte I sie für das Werk müßiger Schuljugend halten können. Sobald das Büblein die rothen Zeichen an der Mauer ! entdeckt hatte, wendete er sich um und rief in den Nebel hinein dreimal den GuckuckSschrei. Der kleine Geselle war der Fideli. Schlank und gerade wuchs das Bürsch­chen auf in Wald und Wetter; er war flink wie ein Eichhorn und seine Wange braun wie die reife Haselnuß.

Bald nachdem Fideli den Guckucksruf hatte ertönen lassen, streckte der Naglerhans den struppigen Kopf aus der nahen Hecke heraus, spähte zuerst vorsichtig den Weg aufwärts und abwärts, trat endlich mit ganzem Leib her­vor und ging auf die Kapelle zu. AlS er einen Blick auf die rothen Zeichen an der Wand geworfen, steckte er zwei Finger in den Mund und ließ einen gellenden Pfiff erschallen, welchen der geübteste Jäger für den Schrei eines Hühnerweihs gehalten hätte, worauf da und dort aus Gesträuch und Busch und Straßengraben Gestalten hervortauchten und bald die ganze Bande sich um ihr Haupt gesammelt hatte. Naglerhans deutete mit dem Stecken auf einen Kreis von Rothstein mit einem Punkt in der Mitte, Wn man für das rohe Abbild eines Schleif­steins halten konnte. Der Schleifertoni sei erst gestern hier vorbeigekommen, und seine Bande seien neun Köpfe stark. Beim Maßholderbaum auf der Schafmatt, dächte er, könnte man ein mehreres über ihn erfahren. Sie wollten trachten ihn einzuholen; das gebe dann wieder einmal einen lustigen Tag. Wohlgemuth und raschen Schrittes zog die Bande durch Wald und Weide den schmalen Pfad, der über den Barmel nach der Schaf­matt führt, bergan.

Nie ist es schöner als zur Herbstzeit, wenn im Thals