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Der Wanderer

âtnstisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung

1850

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Der Heimathlose

Aus dem Morgenblatt für gebildete Leser.

p Wenn der Föhn über die Schneehalden bläst, dann faßten die Lavinen zu Thal ; wenn die Märzsonne den Ranen Leberberg golden bescheint, dann schütteln die Nonnen den Winterreif aus ihren Locken; wenn die Buch- diMe zum erstenmal schlägt, so ist'S ein Zeichen, baß der bnMßter geht und der Frühling kommt. Da wird's leben«

Feld und Flur; wer einen Winkel Erde sein «M nennt, der schaufelt und grabt, der pflügt und hackt heut sich der künftigen Ernte. — Aber dort, wo ei^wr Pflug noch Hacke hinkommt, in den Schluchten bf.'WMura, auf dem wilden Steingeröll am Fuße der en èen, cm den waldigen Ufern der Aar und der Emme, ^MReuß und der Limmat, und auf dem öden Moor '^Men den Seen von Neuenburg, Biel und Murten ein unstätes Völklein. ES säet nicht und erntet dri M, denn keine Handbreit Erve kann eS sein eigen n »wm. Bald ist'S hier, bald dort, denn in keinem der

Städte und Dörfer

........ der tausend Häuser und Min raucht sein heimischer Heerd. In einem verbor­gn Winkel der Berge feiert cS heute wilde Feste, morgen ^Mt eè vor den Häusern der Bauern. Der Graben Landstraße ist seine Wiege, sein Brautbett das Moos unter dunklem Tannenschatten. Das Jahr- Sil^NMzewühl ist das Feld, auf welchem es Ernte hält. ^°Mckt eine Sprache, fremd und unverständlich jedem, "g!t|W zu ihm gehört. Das bürgerliche Gesetz ist sein '>Nl> und vor dessen Vollstreckern flieht es scheu, wie geheztes Wild. Es ist das Volk der Heimath- en.

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kEs war im März des theuren Jahres siebzehn, an \ der Tage, da sich der Biswind mit Händen und gegen den Frühling sperrt, der einrücken möchte

mit seinem Maienkranz. In einem Schachen*), dicht mit allerlei Holz, Gesträuch und Röhricht bewachsen, lag versteckt unter einer alten Weive am Wasser ein armeS Bettelmensch, bas hatte kindbettet aus einem Haufen bür# ren LaubeS, und wollte, verlassen von Gott und Welt, das Kind im Fluß ertränken. Da kam gerade über den Kies des FluffeS daher ein alter Kesselflicker, und vor ihm her ein Pudelhund mit lustigen Sprüngen. Da machten das Bettelmensch und der Keßler einen Handel miteinander; der Keßler nahm den schreienden Wurm, daS Bettelmensch den Pudelhund, damit er ihm mit Kün­sten, die er wisse, an Jahrmärkten und Kirchweihen Geld verdienen helfe. Hâtt'. es aber daS Büblein behalten, so wären sie verhungert alle beide, hätt' es deßhalb lie­ber im Fluß ertränkt. Aber der Kesselflicker nahm die Kiste vom Rücken, worin sein Werkzeug verwahrt lag, machte aus etlichen alten Lumpen für daS Büblein ein lindes Bettlein, band es mit Schnüren fest, deckte ein Tuch darüber und wanderte wieder über den Kies des FluffeS fürbaß.

Als er etliche hundert Schritte gegangen, bog er in den Wald. Die alten Eichen waren noch dürr und kahl, zwischen den knorrigen Stämmen wucherten fastunburch­dringlich Brombeerstauden und anderes Dorngesträuch, aus dem da und dort ein grüner Busch junger Tannen hervorguckte. Kreuz und quer waren breite Gräben ge­zogen, halb angefüllt mit Schlamm und Moor, in denen ein dichter Wald von hohem Schilf wuchs. Wer die Schliche und Fußsteige, die sich durch diese Wildniß wan­den , nicht genau gekannt hätte, dem wäre es niemals gelungen, durch den Wald eine Bahn zu finden; keine zehn Schritte wäre einer gegangen, ohne in den Dor­nen oder im Sumpfe stecken zu bleiben. Aber der alte

*) Schachen nennt man in der Schweiz niedere, öfter» Ueber- schwcmmnngen ansgesetzte und deßhalb gewöhnlich öde Flnßufer.