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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allstem. Zeitung.

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1850

Edelmann und Bauer.

Novelle nach A. Achard.

(Fortsetzung.)

Man bezeichnete mit dem Namen der Zwergenwiese eine Strecke Landes, die zwischen zwei Wäldernllag und ncui^it großen Steinen und mit Stechpalmengesträuch besäet 2g sii^oar. Es war eine wilde Gegend, in der man kein an«

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Gle^res Geräusch hörte als das Picken des Grünspechts, aäu'Henn er mit seinem Schnabel auf die Baumstämme cssun^^- und das Geschrei des Hirsches, wenn er durch mnè ungeheuren Wälder irrte. Aus den großen Steinen, 'it welchen diese kahle Stelle im Walde bestreut war, le 3i;tollesen Gesträuch, schwarze und finstere Pflanzen. Sie ächl glichen in der Dämmerung unförmlichen Erdköpfen. Die erzählte, daß früher ein Zwergvolk diese Gegend sgsjâwohnt habe, welches durch einen mächtigen Zauberer torMezwungen, der sie in einer Sabbathsnacht überraschte, rechiDnd von ihm genöthigt wurden, in die Erde hinunter zu ^"Wuchten; blos ihre Köpfe sahen noch aus dem Boden ^Wraus und erst am jüngsten Tage sollten sie wieder auf# Milchen. Die Sage befaßte sich nicht damit, wie die Werge so große Köpfe haben konnten, sie begnügte sich /Wnit, zu erzählen, was man im Lande sagte. Die Hir- eini^ ton vermieden diese Gegend, die einen so kläglichen An- ^ gewährte; man fand da niemals Kühe oder Schafe Das Gras, das in der Nahe dieser Felsen, be« ren Kopfbedeckung Brombeerensträuche bildeten, vertrocknet schien durch unsichtbare Schritte, die das Erdreich ^ 'Versengten, verbrannt zu seyn. Die großen Wälder mit Mem melancholischen Geräusch dienten als Rahmen die- W wüsten und traurigen Gegend.

" £ $n der Mitte dieses Landstrichs, von den Wilddieben ldvhlgekannt, die die Hirsche von einem Wald zum an#

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dern sicher zu treffen wußten, übersah man die ungeheuere, mit Haidekraut bewachsene Strecke, die sich wie ein un­fruchtbarer Bannzirkel zwischen die Wälder lagerte. Ge­gen Norden zu versank dieser unregelmäßige Kreis in einen Abgrund, der plötzlich die Fläche unterbrach und von dieser Seite her jede Art von Verbindung aufhob.

Johann kam lange vor Mittag auf der Zwergen­haide an. Der Himmel war halb mit grauen Wolken bedeckt, deren gewichtige Massen von Westen her über den Wald zogen. Ein feuchter träger Wind bestrich die Ebene, so daß sich ein Wirbel von gelben Blättern er­hob. Eine Fledermaus flog dicht zu den Füßen des Jä­gers auf und blieb fest auf ebenem Boden, indem sie ihr unheimliches Geschrei ausstieß. Johann sah ihr nach, bis sie in einen Strauch fiel, und stand vor einem Felsen still, von wo aus er die Haivebüschel in der Luft rau# schen hörte.

„Der Flug dieses Vogels ist von übler Vorbedeu­tung", sagt er mit bitterm Lächeln; „wenn ich ein Rö­mer wäre, würde ich umkehren, aber ich bin nur ein französischer Bauer, ich kann bleiben". Johann lehnte seine Doppelflinte an den Stein, und begann auf- und abzugehen. Der große rothe Hund folgte ihm eine Weile, dann setzte er sich neben die Flinte, die Nase dem Winde zugekehrt, und wedelte jedesmal mit dem Schwänze, wenn sein Herr an ihm vorbeiging. Nach Verlauf einer Stunde wandte Johann die Augen nach einer alten Eiche hin, die mitten im Landstrich stand.

„Wenn der Schatten dieses Baumes den Gipfel des Felsen bestreicht, ist es Mittag", sagte er. AlS er fort­fuhr, mit sich selbst zu reden, erhob der Hund seinen Kopf und knurrte leise. Indessen sah man und hörte noch Nichts. Bald aber erhob sich der Hund, bellte hef­tig und lief nach der Seite des Waldes hin, die dem Schlosse gegenüber lag.