Einzelbild herunterladen
 

ten zurückgesetzten Frauen that daS Ihre, um die Wunde noch zu vergiften. Die Schöne und ihre Schwestern blieben if^Tanz für Tanz sitzen und zogen sich ziemlich früh zurück, e n Heute Morgen hat der Alte seine Entlassung gegeben." — „Aus dem Staatsdienst"? — Beileibe, anö der Zwie-

aue

tracht. Er entsagt dadurch dem mit einem Jahresbeitrag

!ln- besteuerten Recht, als ordentliches, durch Kugelung auf­

:en, üh- nd- iTti*

genommenes Mitglied die Tageblätter zu lesen, Abends in Wolken von Knaster beim vollen Glase die Welthandel zu erörtern, vom allerhöchsten Hose zu reden, oder Skis und Pagat zu handhaben, die Helfer in allen Nöthen.

fest jES wird ihm schwer genug werken, sich dieser dreißig- irste jährigen Gewohnheit zu entschlagen."

sich^ „Der Mann dauert mich in der Thal" , bemerkte i in Barant, „und es heißt fürwahr in der verkehrten Welt leben, sich darum von der Gesellschaft geächtet zu sehen,

'än- und

in »tet Uhi- wie Lin- aut- upt- ache : im

bis

weil unsere Töchter das meiden, was sonst im gemeinen Leben mit Acht und Aberacht belegt zu werden pflegt." — Mil Achselzucken versetzte Philipp: „Ländlich sittlich" ! und schloß mit der Einladung auf eine Partie Domino im Cafè Löwenthal. Der Mynheer gab seine Einwilli­gung. „Kaffee und Domino", sagte er dazu, „das er­innert mich viel zu sehr an Paris, um nicht unwider­stehlich zu seyn". — „Hernach führe ich Sie in unsere Zwietracht", hob Philipp wieder an, „wo Sie als Frem­der vier Wochen lang freien Zutritt haben". — „Mehr als ich brauche", lächelte der Reisende.

Mit dem Lächeln hatte Barant nur zur Hälfte echt, weil er seine Abreise verschieben mußte, wenn

gleich der freie Zutritt in die Eintracht von ihm unbe-

nuhi blieb. "Er wurde nämlich unwohl, und da sehr schlechtes Wetter eintrat, so widerrieth der Arzt die Wei­terreise bis zur völligen Herstellung. Der kranke Mann ließ sich bedeuten, miethete in einem Bürgerhaus ein paar kingerichtete Zimmer, hegte und pflegte sich und war in

! nur eden- hen Seine orten Das Hand Frau I lau! i pâ- te die c übel , wie st vev Zeiten >e der

angemessener Frist wieder hergestellt. Die Abreise aber verschob er von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Wie kam das nur? Er langweilte sich doch wie ein Einsied­ler unter den Todten, er sehnte sich doch von ganzem Herzen zurück nach dem lebensfrischen Treiben der Han­delsstadt am Meeresstrande, wo fein Hausstand, wo seine ^gehörigen in rühriger Thätigkeit lebten und webten, wo Söhne, Töchter und Enkel voll liebender Ungeduld ffmu harrten. Wie langsam verfloß hier die Zeit

endlose Vormittag in Schlafrock und Pantoffeln, die Mittagstafel im Landprinzen unter steifen Philistern, die Partie Domino mit Cichorienbrühe bei Löwenthal, war ein Leben? Und vollends die langen Winterabende. " Doch halt, mit den Winterabenden hatte es seine eigene Bewandtniß. Hier blüthe an ödem Pfad ein Veil- $M, um deffentwillen der wackere Mynheer sich die blei­

erne Last der Tage gefallen ließ. — Aber das muß in aller Ordnung berichtet werden, fein der Reihe nach.

Elise hatte die Hölle im Hause, wie des Hauses Hölle die kleine Stadt war. Abends saß der Vater un­wirsch im Sorgenstuhl und sehnte sich insgeheim nach den Herrlichkeiten der Zwietracht zurück, aus welcher er in auswallender Empfindlichkeit ausgetreten war. Am Ofen kauerte die Mutter mit dem Strickstrumpf. Wenn sie zuweilen cmporblickend die drei lieblichen Töchter mu­sterte, hing sie in bitterer Wehmuth dem Gedanken nach, daß alle diese Reize bestimmt seyen, unbeachtet von ehr­lichen Freiern und Versorgern zu verblühen. Zuweilen dachte die gute Frau auch laut. Amalie und Josephine grollten und schmollten gewöhnlich, und wenn die Frau Mama sich in lieblosen Bemerkungen erging, so warfen sie hämische Seitenblicke auf die arme Elise, und schalten flüsternd auf den Vater, der in seinem Eigensinne sie um die Bälle gebracht. Wenn „die Lisel" allein weggeblieben, meinten sie, so wäre wohl genug geschehen, und es sey ganz überflüssig gewesen, auch sie, die unschuldigen, zu Opfern zu machen. So machten sie stets Partei gegen die ältere Schwester, die an Reizen wie an Geist und Ge­müth ihnen weit überlegen, ihr verletztes Gefühl unter stolzem Schweigen barg und sich zu ihrem Flügel flüchtete. Diesen letzten Trost durften die neidischen Gänslein ihr nicht verkümmern, so gern sie eS auch gethan hätten, weil Elisens Spiel für des VaterS trübe Laune noch daS ein­zige Labsal war. (Forts, folgt.)

Servaz und Pankraz.*)

Erzählungen und Bilder von Jeremias Gotthelf.

Hell drang eine freundliche Maimorgensonne in ein heimelig Stübchen und traf eines rosigen Mädchens ge, schlossene Augen; dasselbe schlummerte süß in reinlichem Bettchen. Der Sonnenstrahl traf des Mädchens Auge, wie er den Schooß der Erde trifft. Die Wimpern zuckten, Leben begann sich zu regen in allen Zügen, die Augen öffneten sich, langsam und trunken sahen sie um sich. Da flog plötzlich ein hohes Roth über's liebliche Gesicht, mit einem Satze sprang daö schlanke Mädchen auS dem Bette, hüllte flüchtig die schönen Glieder in leichte Gewänder und stürzte zur Thüre hinaus.

Draußen lag ein schöner Garten, nebenan eine mäch­tige Pflanzung für's Haus, ringsum Bäume, große und kleine, in malerischem Gemisch. Aber traurig sah Alles aus, und Thränen rollten dem Mädchen über die Backen, als es unter die Hauslhüre trat, vor welcher der Gar-

*) Berlin 1850. Verlag von Julius Springer.