Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — JVs 155.
Edelmann und Bauer.
Novelle nach A. Achard.
(Fortsetzung.)
„Höre, Klärchen", fing Johann an, „jetzt kommt bald die Kirmeß, waS soll ich Dir schenken: einige Tü, cher, damit Du Dich putzen kannst, oder eine seidene Echürze? Oder waS möchtest Du"?
„WaS ich möchte"? — Klärchen erhob daS Näschen, lächelte, drehte ihre Schürze, wandte zwei oder drei Mal den Kopf wie ein Vogel, blinzelte den Jäger ver, stöhlen an, faßte sich dann plötzlich ein Herz und sagte schnell: „Nun gut, ich will, daß Sie den ersten Kontre- tanz und zwei oder drei Tänze danach zur Kirmeß mit mir tanzen".
„Ich bin aber seit lange aus der Uebung" ! warf der Jäger ein, der diese Bitte nicht erwartet hatte.
„Nun so müssen Sie's wieder lernen".
„Aber ich werde Alles in Verwirrung bringen"!
„Desto besser, so werden wir desto mehr lachen".
„Nun gut", fügte Johann hinzu, „weil das einmal Dein Wunsch ist, so bin ich's zufrieden, wenn man sich über mich lustig macht I"
Klärchen klatschte in die Hände und hatte große Lust, dm Jäger um den Hals zu fliegen, aber die Gegenwart ^è Vaters hielt sie zurück.
DaS Lächeln, welches die Züge des jungen Mannes belebte, gab ihm einen ganz andern Ausdruck, als er bei seiner Ankunft hatte. Die gewaltsame Spannung, die schmerzlicher Gedanke in ihm erzeugt haben mochte, schien einem freundlicheren Eindruck gewichen zu seyn, ^eine braunen Augen, die von breit und buschig herun- ^Hangenden Brauen beschattet waren, so daß der Augapfel btinahe ganz darunter verschwand, leuchteten sonst so ^âenthümlich wie bei Raubvögeln, drückten aber jetzt
eine unbeschreibbare Sanftmuth aus. Es schien, als wären mit einem Male die Gefühle einer von Natur braven und guten Seele an's Licht getreten, während vorher eine unsichtbare Gewalt sie verhüllte. Das Gesicht des JâgerS war dergestalt verwandelt, daß man glauben konnte, ein anderer Mann zeigte sich den verwunderten Blicken. Den Pächter freute diese plötzliche Veränderung, und sein rauhes, offenes Gesicht, in dem AlleS getreu wiederstrahlte wie in einem Spiegel, drückte den unerwarteten Jubel aus, den sein Vaterherz empfand. Er nahm die Hände der beiden jungen Leute in die (einigen und drückte sie vereinigend in einander.
Als Klärchen ihre braune Hand zwischen der deS Vaters und deS Sohnes fühlte, klopften ihre Pulse, alS wenn ihr das Herz ersticken wollte. Sie wendete den Kopf, um ihre Verlegenheit zu verbergen; ihr Blick fiel in der Ebene auf eine Dame zu Roß, der ein Diener folgte. „Seht, seht"! rief sie, „dort am Ufer, da kommt Fräulein von Fontaine"!
Bei diesem Namen zog Johann schnell seine Hand zurück, und wendete seinen Kopf dem Fräulein zu; daS Lächeln schwand von seinen Lippen, eine tödtlichc Blässe malte sich auf seinem Gesicht. Der Pächter und Klär, chen blickten nach derselben Seite hin. Keines von Beiden bemerkte die schnelle Verwandlung, die sich in den Zügen deS jungen Mannes zeigte.
AlS sie nur noch einige Schritte vom Pächter entfernt war, verneigte sich Fräulein von Fontaine leicht im Sattel. „Mein Vater und mein Cousin haben sich auf der Jagd verspätet", sagte sie, „ich will sie bei Euch erwarten, wenn Ihr Nichts dagegen habt, Herr Pächter" ! —
„Das Haus steht zu Ihrem Befehl, Fräulein", erwiederte dieser, und näherte sich, um den Zügel deS Pferdes zu ergreifen.
