so anschaulicher sich darstellen, und die Leser erhalten Stoff zur erwünschten Vergleichung, nicht nur im Allgemeinen sondern bis ins Einzelste.
Zugleich wird damit ein Beitrag zur Erfüllung, der patriotischen Wünsche unseres LandeS-Topographen, des Herrn Dekanes Vogel, geliefert, welcher in der neuen Ausgabe seiner Beschreibung des Herzogth. Nassau (Wiesbaden 1843 S. 155) darüber wörtlich sich äußert: „Alle Ortsnamen des Landes verdienten, als Denkmäler aus tiefer, schweigender Vergangenheit, wohin keine Urkunden , nicht die leisesten Laute der Tradition reichen, näher untersucht, neben einander gestellt und durch sprachgemäße Deutungen der Geschichte näher gebracht zu werden". (Schluß folgt.)
Eine kleinstädtische Geschichte.
(Fortsetzung.)
An der Gasttafel im Landprinzen war das Essen gut, aber leider auch das Beste. Die Gesellschaft bestand größtentheils aus langweiligen Schreibern und noch lang- weiligern Offizieren, die von Kriegsleuten nichts an sich hatten als Anzug und Schnurrbart. Heute war freilich die Unterhaltung belebter wie sonst wohl; doch fand sich der Mynheer dadurch um nichts gebessert, denn die Geschichte, welche die Gemüther erregt, wurde nur mit halben Worten, mit Winken und Zeichen erörtert. Vergebens bemühte sich Barant den Schlüssel dazu zu finden er begriff nur so viel, daß ein Hauptabschnitt aus der Lästerchronik der Behandlung unterlag. Geradezu fragen Mochte er nicht; auch ein minder feiner Menschenkenner wie er hätte augenblicklich erkennen müssen, daß er damit nicht weit kommen würde. Die Weißacher waren von ie!)et gewohnt, jeden Fremdling wie einen Paria zu behandeln, und thun es heute noch. Vermuthlich meinen sie dadurch ihre großstädtische Ueberlegenheit zu bekunden, Mil sie nicht ahnen, daß des ächten Großstädters bezeichnende Eigenschaft die feine Sitte ist. Sie lernen in 'hren Schulen lateinisch, aber nicht genug, um zu merken, H Urbanitas, daß leutselige Betragen, von Urbs, der Stabt, herkommt.
Wenn jedoch Barant sich hütete mit der Thüre in'S ^^ zu fallen, so gab er darum seinen Vorsatz nicht aub etwas Näheres zu erfahren. Er war entschlossen langweile deS Aufenthaltes sich nach Kräften zu ser* säßen. Mit dem Nachbar zur Rechten schien nichts zu H^innen; der zeigte sich als ein rechter Kanzleimensch, Men wie ein Stockfisch, mit einer versteinerten, vor« Wstut-Hlichen Amtsmiene. Der Nachbar zur Linken ließ Wund nach eher mit sich reden; er war der Tracht
nach ein Zierbengel und zwar ein doppelter, wahrschein lich aus dem^ einfachen Grunde, weil er die Jahre von zwei jungen Leuten besaß. Die Rechnung war so richtig als die jener alternden Frau, welche sich unter zwei Anbeter theilte, um für jeden nur fünfundzwanzig Jahre zu haben. Der überrreife Jüngling trug eine feine Verrücke, weiße Halsbinde und Weste, eine Last von Ketten und Ringen, augenscheinlich auch einen Schnürleib, was ihn jedoch nicht hinderte tapfer zuzulangen.
Nachdem das Gemüse verzehrt war, ließ er sich herbei einige Gemeinplätze mit dem Holländer zu wechseln. Beim Braten plauderten sie schon ganz gemüthlich und noch gemüthlicher vertilgten sie mitsammen beim Nachtisch eine Flasche Champagner, welche Barant hatte kommen lassen. Des Fremdlings Ansehen stieg dadurch nicht wenig bei der Gesellschaft, welche inzwischen auch in Erfahrung gebracht, daß er in eignem Wagen mit Postpferden angekommen und einen Bedienten bei sich führe. Einstweilen äußerte sich die Wirkung nur durch neidische Bemerkungen über den Allerweltsschmarotzer Philipp, der sich von jedem hergelaufenen Kerl fremde Weine in den Hals gießen lasse. (Forts, folgt.)
Johanna Porter
Am 24. Mai starb, wie wir kürzlich erwähnt haben, eine von England's vielen Schriftstellerinnen, Miß Jane Porter; denn gleich den jungfräulichen neun Musen bleiben sie meistens unverheiratet. Wir finden in einem englischen Blatte folgende Notiz über sie: „Miß Porter, kann man sagen, war die Gründerin des historischen Romans, der seitdem so sehr unter uns prosperirt, zu Englands schöner Literatur so anziehende Beiträge geliefert hat. Die Verfasserin des „Thaddäus von Warschau" und der „schottischen Häuptlinge" hat sich in den Herzen ihrer Landsleute ein bleibendes Andenken der Achtung und Dankbarkeit gestiftet. Die gamUie' dieser vorzüglichen Dame ist von irländischer Abkunft. Ihr Vater, ein Dragoneroffizier in brittischen Diensten, starb im besten Man- nesalter und ließ seine Wittwe, eine Miß Blenkinsopp aus Northumberland, mit fünf Kindern und geringen Mitteln zurück. Allein die Talente dieser verwaisten Familie erhoben sie zu Vermögen und Ansehen. Von den drei Söhnen erlag der eine jung einejit gefährlichen Tropenklima, als er kaum eine hoffnungsvolle Laufbahn betreten; der zweite ward ein geschickter Arzt von ausgedehnter Praxis — der jetzige Dr. William Ogilvie Porter in Bristol, bei welchem geliebten Bruder Miß Jane zuletzt lebte und starb. Der dritte Sohn war der selige Sir Robert Ker Porter, ausgezeichnet als Maler und
