Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung
1850. — M 139.
△ Der Letzte der Uberti.
Nach Calonne erzählt von August Marckhoff.
(Fortsetzung.)
Teresina erschien mir damals zum ersten Male in ihrem wahrhaften Lichte. Ich begann in dem dunklen Buche ihres Herzens zu lesen, ich sah die Lösung dieses lebenden Räthsels.
Ich suchte diese peinliche Unterhaltung zu enden, die ich einen Augenblick vorher gewünscht hatte.
„So haben Sie denn,' sagte ich zu Teresina, Ihre Wahl getroffen".
„Ja, ich reise"
„Sie gedenken meiner Bedingungen"?
„Und Sie Ihrer Verpflichtung" ?
Dieses letzte Wort zerriß völlig den Schleier. Diese Frau besaß kein Herz.
„Ja, Madame, ich werde sie halten, antwortete ich so frostig, als möglich".
„Und ich werde pünktlich den meinigen nachkommen. Da wir uns nun herrlich verstehen, so sehe ich keinen Grund, warum wir als Feinde scheiden sollen".
„Niemals wird die Feindschaft in meinem Herzen den Platz einnehmen, den die Liebe zu Ihnen füllte".
„Ich höre Sie gern so reden; lassen wir also jenes traurige und gezwungene Wesen, und da wir uns bald trennen, ohne Zweifel um uns nie wiederzusehen, so sehe ich nicht ein, warum wir nicht versuchen sollen, uns die letzten Augenblicke zu versüßen, die wir noch zusammen verleben".
DieS mal ergriff sie meine Hand; auch ihre Hand glühte fieberhaft.
„Wissen Sie, fuhr sie fort, daß Sie verändert sind, Matteo"!
„Ja, doch mein Herz ist dasselbe geblieben".
' „Diese Bemerkung muß richtig seyn, denn gerade das Gegentheil hat sich bei mir gezeigt; mein Gesicht ist dasselbe geblieben, nur mein Herz hat sich geändert".
Diese leichtsinnige Weise, mit meinem Schmerze zu spielen, machte das Maß meiner Erbitterung voll.
„Enden wir diese Kindereien, rief ich aufstehend. Wann wollen Sie reisen"?
„Wie! so eilig, mich zu verlassen! Nennen Sie das Liebe" ?
Bei diesen Worten erhob sie sich ebenfalls und legte ihren nackten Arm auf meine Schulter.
Bei ihrer Berührung fühlte ich meinen Entschluß wanken.
„WaS drängt Sie? fuhr sie fort; die Nacht ist ruhig, die Luft sanft, und Niemand kann Anstoß dabei finden, daß ein Mann bei seiner Frau weilte. Setzen Sie sich daher noch einige Augenblicke zu mir".
Ich hatte keine Kraft zum Widerstände; diesmal war ich so nahe bei ihr, daß ich ihren warmen Athem an meiner Wange fühlte.
Ich vergaß Alles, und erblickte in dieser Frau nur noch eine Zauberin, die mich umstrickte, eine feurig Liebende, die mich entzückte.
Ich sank zu ihren Füßen und die Hände ringend rief ich :
„Teresina, wenn eS nur ein grausames Spiel ist, seyen Sie barmherzig und stoßen Sie mich zurück, sehen Sie mich nicht so an, wie früher, verscheuchen Sie von Ihren Lippen jenes Lächeln, das mich lockt; löschen Sie dies Feuer, welches in Ihren Adern siedet und sich meinem ganzem Wesen mittheilt.
Statt mir zu antworten, schlang Teresina, ihre beiden Arme um meinen Hals und zog mich an ihren Busen.
Die Nacht blieb schweigend; der Wind führte uns
