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Brust getroffen, so war die Wunde doch nicht gefährlich.

Wir hoben unsern Freund auf und- Übergaben ihn ter Sorgsalt unserer Diener, die uns begleiteten.

Nun war die Reihe an mir, Castello's Platz einzu­nehmen, doch kam eS Herrn v. Courval zu, den Kampf zu beginnen.

Dieser hatte sich erhoben, um die Waffen wieder zu laden. DaS Blut floß aus seiner Wunde über die blei­chen Wangen, doch war seine Stitn ruhig, seine Hand fest wie der Felsen, auf dem wir standen.

Was Manetti anlangte, so stand er mit seinen über die Brust gekreuzten Armen unbeweglich wie eine Eiche. Nur fuhr er von Zeit zu Zeit mit der Hand über die Stirn, als wenn er einen trüben Gedanken verscheuchen wollte.

Wir nahmen unsere Stellungen.

Auf das Signal Manetti's richtete Herr von Cour­val seine Waffe gegen mich, senkte sie jedoch gleich wie­der. Zweimal wiederholte er dies.

„Nun! rief ich ungeduldig, was hält Sie zurück? Sie fürchten wohl, mich zu fehlen"?

„Im Gegentheil, antwortete er mit seinem gewöhn­lichen Pflegma, ich fürchte Sie zu todten. DaS wäre ungerecht, nicht wahr, Herr Manetti"?

Dieser antwortete nicht, sondern stampfte mit dem Fuße auf den Boden.

„Vorwärts! mein Herr, lassen Sie uns zu Ende kommen".

„Ja, erwiederte der Marquis, aber schießen Sie zuerst".

Ich weigerte mich. Er stand auf und vor mich hin­tretend sagte er:

„Hören Sie mich an, das Schicksal hat sich geirrt; es scheint mir unmöglich, auf Sie zu schießen. Befragen wir das LooS von Neuem".

Ich wollte mich nochmals weigern, doch .Manetti, der zu und getreten, winkte mir, eS anzunehffien. Er nahm einen Kieselstein vom Boden und hielt seine Hände geschlossen Herrn von Courval hin. Dieser wählte die leere Hand. Die Reihe war also an mir, zuerst zu schießen.

Wir knieten von Neuem nieder.

Ich schoß; Herr von Courval sprang in seiner ganzen Höhe aus, kreuzte dann die Arme über die Brust und fiel rücklings in die Tiefe des Abgrunds hinab . ..

Das Wasser öffnete sich rauschend, schlug an den Felsen und wich dann brausend zurück, um von Neuem an die Felsen heran zu schäumen.

Manetti , der mit dem Blicke der Bewegung der Wellen folgte, fuhr nochmals mit der Hand über seine Stirn, die mit kaltem Schweiße bedeckt war.

„Es war Zeit, diese Szene zu enden, sagte er mit düsterer Miene; sie begann mir das Herz zu zerreißen. Es ist gut, daß Du ihn getödtet hast, ich hätte den Muth dazu nicht gehabt".

Dann sich über Beatricen's Grab neigend sagte er:

„Bist Du jetzt zufrieden, Schwester? Du bist todt, daher mußte auch er sterben".

Traurig, schweigend und langsam kehrten wir nach Manetti's Hause zurück.

Als wir unter den Fenstern hingingen, ertönte eine Stimme über unsern Köpfen. Diese Stimme sang die Barkarole, die ich so gern aus dem Munde Teresina's hörte ... Ich blickte in die höhe ; hinter den Vorhängen sah ich ihre Gestalt. Ich konnte einen freudigen Schauer nicht unterdrücken, bei denU Gedanken; ihren Geliebten getödtet zu haben. Doch widerstand ich noch dieser Stimme, die mich lockte. Ich beschleunigte meinen Schritt und holte Manetti bald wieder ein. (Forts. folgt.)

§ Reiseskizzen.

(Fortsetzung)

Da sich der Himmel gegen Abend des ersten Tages unseres dortigen Aufenthaltes über alles Erwarten voll­kommen aufklärte, so besuchten wir noch die schöne Ca­scade des Pelcrins, welche ihr reichliches Wasser zuerst aus einer bedeutenden Höhe herabstürzt und dann in weitem Bogen wieder in die Höhe wirft und in dicht gedrängten Tropfen zertheilt, in denen sich die Sonnen­strahlen in prachtvollen Regenbogenfarben spiegeln. DaS weiße Haupt des ehrwürdigen Montblanc war von Wol­ken gänzlich entblößt und strahlte im goldenen Abend­sonnenglanze ein Feuermcer, wie ich nie was Aehn- UcheS gesehen und Die ganze großartige Natur gleich ei­nem wahren Zauberreiche, soviel überraschende Abwechse­lung, soviel wunderliche Gruppirungen aller Art.

Der zweite Tag war vollkommen heiler und nicht ein Wölkchen zu sehen. Früh standen wir daher aus und bestiegen die mit Recht vielbesuchte Flegère , welche 3500' über der Thalsohle und unmittelbar dem Mer de glace gegenüber liegt und wohl die reizendste Aussicht gewährt. Das ganze Chamounix - Thal vom Col de Balme bis nach dem 5 Stunden davon entfernten Col de Voza hinunter lag vor uns und das Montblancge­birge mit allen seinen prachtvollen Eisfeldern und Glet­schern, seine riesigen Felsenspitzen, seinem himmelanstreben­den Hauptdome und allen den tausend Zinken und Zak- ken, Schluchetn und Thälern, Bächen und Wasserfällen entrollte sich unserem erstaunten und freudetrunkenen Auge.