Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.,
I*
1850. — Jf 136.
△ Der Letzte der Uberti.
Nach Calonne erzählt von August Marckhoff.
(Fortsetzung.)
Wir traten ein. Bei unserm Anblicke erhob sich der Franzose aus seiner Stellung und trat uns mit größter Höflichkeit entgegen.
Wie! meine Herren! Sie sind soweit hergekommen, um mich zu besuchen? Seyen sie willkommen. Ich bedauere, daß ich Ihnen nicht einen Ihrer würdigen Empfang bereiten kann; aber dieser elende Türke er zeigte auf Achmet — hat mir sehr unhöflich sein Pistol vor den Kopf gesetzt, und ich sehe erst setzt, daß man mir meine Waffen genommen. Doch da ich zwei Edelleute vor mir habe . . .
„Drei! unterbrach Achmet, den entstellenden Bart abnehmend."
„Ei! rief der Marquis lächelnd, der Herr Graf von Manetti ist also Mahomedaner geworden? Meiner Treu, Graf, Sie spielen diese Rolle zum Entzücken. Da Sie also drei Edelleute hier zusammen sind, so glaube ich nicht, eine feige Handlung befürchten zu müssen."
Manetti steckte sein Pistol maschincnartig wieder in den Gürtel.
„Haben Sie nun die Güte; fuhr Courval fort, mir zu sagen, meine Herrn, waS mir die Annehmlichkeit Ihres Besuches verschafft".
Castello trat einen Schritt vor.
„Gedenken Sie noch jenes Duells zu Neapel und Marina's".
„Marina! ein liebenswürdiges Mädchen. Ich erin, nere mich gern daran".
Jetzt trat ich vor.
„Haben Sie Teresina vergessen"?
„Teresinal Gott behüte mich, daß ich sie je vergesse,
sie ist meiner Treu die einzige Frau, die das Talent besaß, mich aufzuheitern".
„Wir sind nicht hier, um Ihre Scherzreden anzuhören! rief ich zornig.
„Herr Graf Uberto, entgegnete er, Siewerden mir Gerechtigkeit widerfahren lassen und zugeben, daß ich Sie keineswegs nöthige, mich anzuhören".
Diese Kaltblütigkeit trieb meine Erbitterung auf'S höchste.
„Ehrloser, niederträchtiger Mensch, sagte ich in einer Wuth, die ich vergebens zu mäßigen strebte, können Sie noch solche Frechheit mit Ihren Schandthaten vereinen" ?
„Der Herr Graf wird mir die Bemerkung erlauben, daß er bei mir ist, und daß ich ihm verbieten kann, mich zu beleidigen".
„Nicht Ihnen kommt es zu, hier zu befehlen, sondern uns".
„Es ist wahr, Sie sind zu dreien, und ich bin allein, ganz allein gegen drei Edelleute; doch täusche ich mich auch: Herr Uberto hat von einem Edelmann vielleicht nur noch den Namen".
Castello hielt mich zurück; Manetti trat auf den Herrn von Courval zu.
„Herr Marquis, sagte er, Sie haben wohl daran gethan, zu sagen, daß Sie vor drei Edelleuten stehen; Sie haben sie alle drei beschimpft, entehrt; dem Einen haben Sie seine Geliebte genommen, dem andern seine Frau, und mir, was haben Sie mir geraubt"?
Die Stirn des Herrn von Courval ward ernster, das Lächeln verschwand einen Augenblick von seinen Lippen.
Ambrogio fuhr fort:
„Sie haben mir die Schwester genommen, einen Engel an Reinheit und Zärtlichkeit . . ."
„Graf, unterbrach der Marquis, Sie regen in
