Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — JVs 135.
△ Der Letzte -er Uberti.
Nach' Calonn» erzählt von August Marckhoff.
(Fortsetzung.)
Manetti's letztes Wort hatte mich betroffen gemacht. ES bewies mir, daß, wenn Castello und ich auf dieses fremde Meer gekommen, Rache zu suchen, Ambrogo dagegen Genugthuung hoffte.
„Manetti, sagte ich zu ihm, waS beabsichtigst Dü? 3ch glaube, wir müssen die Felucke angreifen und mit Gewalt nehmen. Es wird ein Kampf mit gleichen Waffen werden, und, falls wir Sieger bleiben, wird eS nur ein gerechter Kampf seyn".
„So ist auch meine Meinung, bemerkte Castello".
„Aber nicht die meinige, entgegnete Manetti; Kampf ist nicht nöthig; die Felucke wird keinen Widerstand leisten".
„Sie hat aber eine gut bewaffnete zahlreiche Mannschaft . . ."
„Die mir gehört, unterbrach Manetti".
„Erkläre Dich".
„Diese Felucke gehört mir, und die Leute darin sind die meinigen".
Ich empfand ein beengendes Gefühl, als ich dies vernahm; ich hatte einen Augenblick die Hoffnung gehegt, mich dem Marquis von Courval gegenüber zu be, sinden, mit dem Degen in der Hand, und Rachedurst im Herzen. Statt dessen war er ein Gefangener, den man mordete oder in's Meer warf. . . Dieser Gedanke widerte mich an und machte mich wider Willen schaudern.
Manetti errieth meine Gedanken
„Hege keine falsche Ansicht, Matteo, sagte er zu mir, obgleich Herr von Courval in unsern Händen ist, so habe ich doch niemals geglaubt, daß wir das Recht hätten, ihn zu richten.
Herr von Courval wird fern von den Augen der Welt, fern von der Gefahr der Lächerlichkeit, die er fürch« tet, uns Allen Genugthuung geben.
Giovanni und ich begriffen nicht gleich die ganze Bedeutung dieser Worte, doch weigerte sich Ambrogio für den Augenblick, unS mehr zu sagen. Nachdem er sich in seinen Kaftan gewickelt, warf er sich auf ein Kissen, das er herbeibringen ließ, und schlief sogleich fest ein.
Mehr durch die Gemüthsbewegungen als durch die Anstrengungen des TageS ermüdet, thaten Giovanni und ich daS Gleiche.
Am folgenden Morgen schlief ich noch, als sich eine schwere Hand auf meine Schulter legte.
„Matteo"! hörte ich eine Stimme; „Auf"!
Ich rieb mir die Augen: es war Manetti. Castello stand neben ihm.
„Kommen Sie mit uns, Matteo", sagte dieser, „Sie sollen ein Schauspiel sehen, daS Sie freuen wird".
Ich folgte ihnen auf das Verdeck, sah jedoch nichts als die Gipfel des Balkan, die schwach im Morgennebel hervorschimmerten.
Die Hand des Seemannes zeigte nach Norden. Mein Blut lief schneller, ich erkannte daS Segel der Felucke. Eine Stnnde später waren wir nur noch zwei Flintenschüsse weit von einander.
Achmet — daS war bekanntlich der KriegSname Manetti'S — ließ am großen Maste ein rothes Segel aufhissen, und sogleich erschien auch auf der andern Felucke ein solches.
Mit drei Ruderschlägen waren wir neben dem Schiffe. Auf dem Verdeck standen nur vier Matrosen und der Patron, welcher ebenso wie Achmet in ein braunes orientalisches Gewand gekleidet war. Ein Boot ward ins Meer gelassen und einen Augenblick später waren wir auf dem feindlichen Verdeck.
