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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1850. ^F 133

Z\ Der Letzte der Oberst.

Nach (5 a l o n n e erzählt von August Marckhoff.

(Fortsetzung.)

Achmet nahm bedächtig den Brief, den ihm Gio­vanni darreichte, laS ihn aufmerksam und gab ihn dann mit einer Geberve der Zufriedenheit zurück.

Auf diesen Brief hin werde ich eine Anweisung von zwanzigtausend Zechinen für Euch unterzeichnen, doch nicht eher, als bis Ihr selbst diesen kleinen Kontrakt un­terzeichnet habt, der alle Bedingungen unseres Handels enthält".

Achmet entfaltete ein Papier, das Giovanni ihm gab und laS es schweigend, dann gab er es unwillig zurück.

Der fränkische Herr, sagte er, glaubt, mit einem griechischen Korsaren zu unterhandeln. Einen selchen Beitrag unterzeichne ich nicht".

Giovanni erröthete.

Wenn Ihr nicht unterzeichnet, sagte er, so unter­zeichne auch ich nicht".

Der Mahomedaner erhob daS Haupt, heftete einen durchbohrenden Blick auf den jungen Römer und ent­gegnete ernst:

Schüler Mahomeds oder Christus, ich habe nie ein gegebenes Wort gebrochen. Ich versprach, Euch zu gehorchen, für Euch zu kämpfen; ich werde mein Ver­sprechen halten. Ich habe die zwanzigtausend Zechinen nicht von Euch begehrt, Ihr habt sie mir angeboten ; ich bedarf EureS Geschreibsels nicht. Wenn wir unser Werk erfüllt, wenn wir alle drei an dem Marquis von Cour- Val gerächt sind, Ihr, Signor Giovanni de Castello für die Geliebte, die er Euch abwendig gemacht, Ihr, Graf Matteo Uberto für die Gattin, die er Euch geraubt, für

die Schande, die er Euch in's Antlitz geworfen, und ich, ich . . .

Hier hielt plötzlich seine Stimme inne, wie von in­nerer Bewegung gebrochen.

Als der Kosar diese Worte sprach, hatte er sich er­hoben, warf sein orientalisches Gewand ab, und den falschen grauen Bart abnehmend zeigte er und ein be­kanntes Gesicht.

Manetti! rief ich und Giovanni zugleich."

Ja, versetzte der Korsar in einem Tone, der einen heftigen Schmerz verrieth, ja, der Graf Ambrogio Ma­netti , von der Hand eines Freundes im Duell ge­troffen" . . .

Ich konnte mich nicht mehr halten, stürzte auf ihn zu und seine Hand ergreifend rief ich:

Verzeihung"!

Ich habe dir schon lange verziehen, Matteo, könnte ich dir jetzt noch zürnen, wo der Himmel mich nur zu sehr gerächt hat? Matteo, an mein Herz . . . wie früher"!

Ich sank in seine offenen Arme. Eine lange Um­armung erfolgte. Manetti, den ich einem grundlosen Verdachte geopfert zu haben glaubte, er lebte . . . meine Hand drückt die (einige, mein Herz schlug an dem seinen.

DaS war für mich der erste glückliche Augenblick, den mir der Himmel seit langer Zeit schenkte; es war ein wohlthuender Balsam, der auf die Wunden meiner Seele fiel, und in dem Ergüsse meiner Freude dankte ich Gott, der mich auf diese Weise noch auf Tage der Ruhe in der Zukunft hoffen ließ.

In meiner Aufregung hatte ich sowohl meine Rache alS die eigenthümliche Lage, in der wir uns befanden, vergessen. Manetti erinnerte mich an die Wirklichkeit.

Ja, sagte er, Matteo, ich habe Alles erfahren in meinem freiwilligen Eril" . . .