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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. ^ 130.

Der Letzte der Uberti Nach Calonne erzählt von August Marckhvff.

tFortsetzung.)

Der Postwagen rollte bereits auf dem Wege nach Venedig dahin, als ich diese Betrachtungen anstellte. war zu spät zur Reue.

Bei der Abfahrt war eS so dunkel in der Straße, daß ich nicht einmal die Gewißheit erlangen konnte, ob sich wirklich eine Frau in dem Wagen befinde. AlS wir jedoch den Franzosen trafen, und ich ihm meinen Platz abtrat, konnte ich leicht unter dem dichten Spitzenschleier die anmuthige Gestalt einer jungen Frau wahrnehmen.

Ich stieg zu Pferde, der Postwagen fuhr im Galopp davon, und ich kehrte langsam und traurig zur Stadt zurück mit schwerem Herzen, wie ein Mensch, der sich eine schlechte Handlung vorwirft oder ein Unglück fürchtet.

ES war Mitternacht, als ich nach Hause zurück« kehrte. Teresina hatte sich um 8 Uhr zu Bett gelegt, wie mir mein Kammerdiener sagte. Ich wollte sie nicht wek- ken, und legte mich ebenfalls nieder.

Am andern Morgen stürzte Teresina'S Mädchen in mein Zimmer, bleich, zitternd, verwirrt.

Die Frau Gräfin"? rief sie.

WaS ist denn vorgefallen? ist sie vielleicht noch unpäßlicher" ?

Wollte Gott"!

Was wollen Sie damit sagen"?

Die Frau Gräfin, ach Gott! sie ist nicht Mehr im Hause"!

Wo ist sie denn?"

Ich weiß nicht! ... fort! ... gestern Abend ... über den Balkon . .. daS Fenster ist noch offen"!

Ich war wie vom Donner gerührt. Alles war mir klar. Die entführte Frau war sie . . . Teresina!

Ich wollte mich selbst von meinem Unglücke über­zeugen, ich stürzte fort . . . Ihr Zimmer war in Un­ordnung, doch das Bett unberührt. Kein Zweifel mehr sie war eS ... Ich sank vernichtet auf den Boden, indem ich daS Wort Rache und den verfluchten Namen Courval'S aussprach.

Courval? Der Marquis von Courval"? rief Alfred, an den Lippen des Erzählers hängend.

Ja, da ich ihn einmal genannt, Marquis von Courval. Kannten Sie ihn" ?

Ohne Zweifel, doch er ist gestorben ... zu Kon­stantinopel glaube ich".

Nein, zu Bela, am schwarzen Meere".

Vor fünf Jahren"?

Morgen sind eS fünf Jahre".

Er wurde gemordet, sagt man".

Nein, eS war kein Mord, sondern eine That der Rache, ein Duell auf Leben und Tod . . . eS war die Hand des Letzten der Uberti, die ihn getroffen".

Alfred sprang auf, wie von Federkraft geschnellt. Die Stirn Matteo'S schien zu glänzen, seine Augen fun­kelten, seine Zähne preßten sich konvulsivisch auf einander, und in seiner Faust zerdrückte er ein Kristallglas.

VI.

Die beiden Barken.

Alfred war aufrecht stehen geblieben, den Blick ge, heftet auf den Nachkommen der Uberti, dieser berühmten Ghibellinenhäupter zu Florenz, deren Namen Dante in seinen Strophen über die Hölle unsterblich gemacht Hirt.

Mattèo hatte seine frühere Kaltblütigkeit wieder er, halten, und die Stücke deö zerbrochenen Glases auf sei­nen Teller werfend sagte er:

Setzen Sie sich, Alfred, meine Erzählung ist noch nicht zu Ende".